Wir haben in dieser Ausgabe für die Reihe
"Archäologie des Sachunterrichts" einen Text von Martin Wagenschein ausgesucht:
" Was bleibt? (Verfolgt am Beispiel der Physik)". Der Text ist im Jahre 1970 zum
ersten mal veröffentlicht worden und nachgedruckt in dem 2002 von Horst Rumpf herausgegebenen
und zusammengestell-ten Band "
zäh am Staunen" Pädagogische Texte zum Bestehen
der Wissensgesellschaft. Die Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung GmbH in Seelze-Velber hat uns
freundlicherweise die Genehmigung zum Nachdruck erteilt.
Nun ist sicher die Tatsache erklärungsbedürftig, dass wir einen Text zum Physikunterricht für
den Diskurs über den Sachunterricht ausgewählt haben. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen, von
denen ich einige nennen möchte.
Martin Wagenschein ist breit in der Didaktik des Sachunterrichts wahrgenommen worden. Man kann
vielleicht sagen, mehr als in der Didaktik der Physik.
Die Frage "Was bleibt?" lässt sich durchaus auf den Sachunterricht beziehen und dies
aus zwei Gründen: Wagenschein argumentiert pädagogisch und er argumentiert im Kontext dessen,
was heute Wissensgesellschaft genannt wird. Der Text ist durchaus lesbar im Sinne der Frage,
was vom Sachunterricht angesichts einer proklamierten Wissensgesellschaft bleibt. Wagenschein
schreibt selbst: Der Physikunterricht steht als Beispiel.
Ein weiterer Zusammenhang muss wohl ebenfalls angesprochen werden. Es gibt, wie gesagt, eine
breite Rezeption Wagenscheins in der Diskussion um den Sachunterricht. Ich erinnere an den
Band "Die Aktualität der Pädagogik Martin Wagenscheins für den Sachunterricht" hrsg.
von D. Cech und anderen als Festschrift für Walter Köhnlein (2001). Wenn es dort eher um
Auslegung und Anwendung, auch verbunden mit kritischen Reflexionen gegangen ist, so stellt
sich die Situation schulischer Bildung im Jahre 2005 aus meiner Sicht schärfer als früher als
möglicher Konflikt dar. In allen Bildungsinstitutionen, vom Kindergarten bis zur Universität
ist eine Orientierung an Leistungsmessung erkennbar und ebenfalls eine Orientierung an
Wissensbeständen. Wagenschein plädiert u.a. in seinem Beitrag dagegen, nur das Messbare als
Leistung zu definieren und er setzt sich nachdrücklich für einen biographisch orientierten
Lernprozess ein.
Wagenscheins These der Kontinuität von Lernprozessen als Voraussetzung dafür, dass
"wir im 20. Jahrhundert höhere Stufen der Abstraktion für alle erreichen müssen"
(S.6.) scheint mir der gegenwärtigen Entwicklung zu widersprechen.
Zugespitzt formuliert könnte man fragen, was bleibt von Martin Wagenschein angesichts moderner
Entwicklungen oder was bleibt vom Sachunterricht, wenn er nicht den Kerngedanken
Wagenscheins folgt.
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