Antworten
in umgekehrter Reihenfolge ihres Eintreffens
Hans-Joachim Fischer, Professor und drei Studierende
Ich stelle mir vor, das Mädchen ist noch
nicht lange in Deutschland. Zu Hause in der Türkei stehen
Obstbäume im Garten der Großeltern. Im Frühjahr
hat sie die Kirschblüte erlebt als Auftakt zum Blütenreigen
des Obstjahres. Sie hat die abfallenden Blütenblätter
gesammelt, um Muster zu legen. Später hat sie Kirschzwillinge
am Ohr getragen. In der Pflaumenzeit ist sie täglich im
Garten gewesen, um von den dicken Eierpflaumen zu kosten, bevor
die länglichen Zwetschgen zur Reife kamen. Sie weiß,
dass man mit unreifen Pflaumen vorsichtig sein muss und nicht
gleichzeitig Wasser trinken darf, wenn man Bauchweh vermeiden
will. Später, in der Apfelzeit, hat sie mit ihren Freundinnen
in den niedrigen, gedrungenen, buschig ausladenden Ästen
des alten Apfelbaumes gesessen. Die Birnen schmeckten immer
etwas holzig und unreif. Aber wenn die Großmutter sie
in Zuckerwasser gekocht und danach in Gläser eingeweckt
hatte, schmeckten sie köstlich. Ganz anders als die Erdbeeren,
die zwar süß, aber matschig und blass aus den Gläsern
kamen. Oft hat sie den Großvater zum Markt in die nahe
Stadt begleitet, wo er die Erzeugnisse seines Gartens feilbot.
Sie kannte die Rituale, nach denen die Preise ausgehandelt wurden,
sie kannte die Preise, wusste, dass man zwei Säcke Äpfel
verkaufen musste um dafür den Stoff zu erstehen, aus dem
die Großmutter ein Kleid nähte. Später im Herbst
änderte sich die Welt. Die Obstblätter leuchteten
auf, jedes in seinen Farben, bevor sie blass wurden. Manchmal
ging sie dann in den Garten, um die welken Blätter abzuschlagen.
Vielleicht ließ sich ja die Zeit beschleunigen, bis wieder
neue, frische Blüten und Blätter austreiben konnten.
Alles hatte in dieser Welt seinen Namen. Der Name hatte einen
besonderen Klang. Er roch nach Kirschen, Äpfeln und Pflaumen,
auch nach der Großmutter und dem Zuckerwasser, in dem
die Birnenstücke garten. In den Namen widerhallten die
knatternden Motorengeräusche des Traktors, auf dem das
Obst zum Markt gefahren wurde, auch die geheimen, vertrauten
Plaudereien mit der Freundin im Apfelbaum.
Ich stelle mir vor, das türkische Mädchen sitzt vor
seinem Arbeitsblatt mit den "behandelten" Obstsorten in der
deutschen Schule. Auf dem Blatt Abbildungen von Kirschen und
Pflaumen, daneben ein Strich. Als der Blick auf die Pflaumen
fällt, beginnen sie zu riechen, zu schmecken. ERIK - ELMA
- KIRAZ - ARMUT. Die staubige Hitze des Marktes, das Klirren
der Einmachgläser. Bilder, Namen, Gerüche, die ins
Leben tauchen.
Ich stelle mir vor, nebenan sitzt ein Kind, das nie in einem
Apfelbaum saß, dessen Äpfel in Plastiktüten
aus dem Supermarkt geliefert werden, geschält, geschnitten,
entkernt, in der Tupperware-Box aus dem Ranzen gefrühstückt.
Das Kind hat sämtliche Obstsorten auswendig gelernt. Die
Namen hat es fein säuberlich in deutscher Sprache neben
die armseligen Obstbildchen geschrieben.
Hans-Joachim
Fischer |
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Herbert
Klein, Seminarleiter
Ohne die näheren Umstände zu kennen
(Schülerin, Deutschkenntnisse, Unterrichtsreihe, …)
sage ich: Ja, sie hat die Aufgabe gelöst. Sie kannte alle
Sorten! Bezüglich der Namen hätte ich mit der Schülerin
gesprochen und mir die Namen auf Deutsch nennen lassen oder
hätte gefragt, warum sie auf Türkisch geschrieben
hat. In jedem Falle hätte ich die Aufgabe als richtig gewertet,
mit dem zu Beginn erwähnten Vorbehalt.
Mit
freundlichen Grüßen
Herbert Klein |
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Jutta
Wieseman, Professorin
Nein. Es hängt natürlich von der
Aufgabenstellung ab und auch von den Lernvereinbarungen dieser
Klasse. Gehört es zur Vereinbarung zunächst auch Fragen
auf türkisch zu beantworten?
Im Sachunterricht geht es möglichst um die Sachen der Kinder
und in der Schule geht es darum Deutsch zu lernen. Das wäre
das Argument für die Antwort "Ja" … und "Nein".
Sie hat die Sache verstanden, um die es in diesem Unterricht
gegangen ist, aber die falsche Sprache benutzt. Es könnte
in jedem Unterricht und beim Lernen in der Schule grundsätzlich
darum gehen, nicht nur zu verstehen, sondern auch die deutsche
(Schrift)Sprache zu benutzen. Das ist eine pädagogische
Entscheidung, die zur Zeit in der Öffentlichkeit heftig
diskutiert wird, wie wir am Beispiel der Schule im Wedding verfolgen
können. In diesem konkreten Fall ist es die Frage nach
einer Rangfolge: Sachen verstehen - deutsche (Schrift)Sprache
anwenden. Ich meine bewusst "anwenden", sonst könnte die
Frage noch eine ganz andere sein, nämlich: Ist die Aufgabe
gelöst, wenn die Worte (auf deutsch) falsch geschrieben
sind, aber erkennbar das Richtige bedeuten sollen?
Nun ich will nicht drum herum reden: Ich würde die Entscheidung
folgendermaßen fällen: Die Schülerin zeigt mir,
wo sie im Lernprozess steht. Den Stand dieses Prozesses werde
ich ihr rückmelden und ihr sagen, dass sie die Aufgabe
fast gelöst hat. Ich würde ihr damit zeigen, dass
das Lernen der deutschen (Schrift)Sprache für mich zum
Lernen in der Schule dazu gehört und dass es auch dazu
gehört, das (im Test) zu zeigen.
Jutta
Wiesemann |
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Carina
Sigloch, Referendarin
Hallo,
die Frage ist nicht einfach mit ja oder nein
zu beantworten, da man auch das Kind vor Augen haben muss. Es
kann sein, dass das Kind die Antworten auch auf Deutsch weiß,
aber vielleicht Angst hatte die deutschen Wörter falsch
zu schreiben. Es kann sein, dass die Lehrerin nicht erwähnt
hat, dass Rechtschreibfehler nicht gezählt werden. Ich
bin in meinem Referendariat an einer Brennpunktschule in Offenbach.
Der Ausländeranteil beträgt hier fast 90%, aber ein
solcher Fall kam noch nicht vor.
Eine einfache Antwort wäre Null Punkte, da schließlich
die deutschen Wörter gelernt wurden. Die Frage nach dem
Lernziel stellt sich aber auch. Sollten die Kinder die Obstsorten
richtig benennen oder die deutschen Wörter kennen. Aber
auch hier würde ich sagen, dass es innerhalb des SU deutsch
unterrichtet wurde und somit die Kinder auch die deutschen Wörter
kennen müssten.
Soweit ich weiß, gibt es auch eine Verordnung, dass wenn
ein Kind über ?? Jahren in Deutschland ist, kein Bonus
mehr hinsichtlich der Note gegeben werden kann. Ich persönlich
würde das Kind den Test nochmal schreiben lassen mit dem
Hinweis, dass Rechtschreibfehler nicht beachtet werden und,
dass es die deutschen Wörter schreiben soll. Den ersten
Test würde ich nicht benoten.
Es wäre für den weiteren Unterricht nicht förderlich,
wenn dieser Test gewertet wird, da andere Kinder sich dann benachteiligt
fühlen würden oder im nächsten Test auch diese
Variante nutzen würden. Die Frage stellt sich dann auch
für den Lehrer, wenn er 6 Nationalitäten in der Klasse
hat, ob die Antworten richtig oder falsch sind. (Mein türkisch
und marokkanisch ist hinsichtlich der Obstsorten etwas eingerostet.)
Lange Rede kurzer Sinn: Ich würde den Test wiederholen
lassen und den ersten nicht benoten. Die Konsequenzen für
den weiteren Unterricht wären fatal.
Ich bin auf die anderen Meinungen gespannt.
Mit
freundlichen Grüßen
Carina Sigloch
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Astrid
Kaiser, Professorin
Lieber Detlef,
diese Frage gefällt mir schon im Ansatz
nicht. Was für ein eigenartiger Sachunterricht zur Namensbenennung
ist die Ausgangssituation! Dabei hat das Thema Obst so viele
wunderbare Aspekte für produktives Lernen im Sachunterricht.
Es kann handelnd Kompetenz zum Verarbeiten des Obstes erworben
werden, die Haltbarkeit kann in mehrtägigen Versuchen unter
verschiedenen Versuchsarrangements (Aufschneiden, Schälen,
verschiedene Lagerungsorte wie Kühlschrank, Fensterbank,
Schulgarten …) untersucht werden. Welch ein sachkundlicher
Unterricht, wenn es nur um die Benennung geht!
Aber ich will mich doch auf dieses schlecht eingeleitete Spiel
einlassen und antworte schlicht mit "nein". Falls die Schülerin
jedoch in einer Berliner Schule mit klarem Fremdsprachenverbot
in der Schulordnung angemeldet ist, wird sie damit sogar gegen
die Schulordnung verstoßen. Fachlich ist es völlig
egal, in welcher Sprache ein Kind das Wissen kund tut, wenn
es extern überprüfbar bleibt wie bei dieser schriftlichen
Darstellung ohne Zweifel gegeben ist.
Ich bitte darum, beim nächsten Mal eine didaktisch-methodisch
produktivere Aufgabe zu stellen!
Viele
liebe Grüße
Astrid |
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Fatma
Sengül
Meiner Meinung nach hat sie die Fragen richtig
beantwortet, das Problem liegt hierbei "nur" bei der Nachvollziehbarkeit
der Lehrkraft. Wie kann ein/e LehrerIn beurteilen, dass in einer
anderen geschriebenen Sprache richtig oder falsch ist ? Wenn
es bilinguale Lexika gäbe, wäre es für beide
Seiten einfacher, diesen Akt zu verstehen. Aber wahrscheinlich
ist es schwierig in einer multinationalen Klasse solche Lexika
bereits zu stellen. Dennoch ist meiner Meinung nach die Aufgabe
verstanden worden.
MfG Fatma
Sengül |
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Derya
Akbas
Hallo,
nun das ist keine so leichte Frage. Ich als
Türkischsprachige, die ab dem 12. Lebensjahr Deutsch unsystematisch
gelernt hat, konnte auf die Frage nicht sofort antworten.
Mir blieben auch noch einige Fragen offen, wie z.B. ist das
Mädchen hier geboren oder später hier her gekommen
aus der Türkei? Wäre es der zweite Teil des Fragesatzes,
so wie lange ist sie schon hier? Wie hat sie Deutschgelernt?
Was für eine Sprache hat ihr Umfeld (Freunde, Familie)?
Wenn sie in Deutschland aufgewachsen ist, in welcher Klassenstufe
ist sie? etc. Unter den gegebenen Umständen könnte
ich nicht Ja und auch nicht Nein sagen zu der Frage. Denn so
gesehen hat sie die Aufgabe zwar erfüllt, in dem sie die
Obstsorten erkannt und hingeschrieben hat. Doch war ja auch
ein Ziel der Aufgabe, dass sie diese auf Deutsch schreibt, auch
wenn dies nicht in der Aufgabenstellung aufgeführt ist.
Würde ich dies als erfüllte Aufgaben nehmen, so würde
ich auch den anderen Kindern ermöglichen, in der Zukunft
die Aufgaben in ihrer Herkunftssprache zu machen, was eigentlich
nicht der Sinn ist. Für mich persönlich bei einer
Übung würde ich das Mädchen darauf ansprechen
und den Eltern eine Betreuung von einer deutschsprachigen Person
ans Herz legen, die Wortschatzspiele oder -übungen mit
dem Kind durchführt.
Es ist zwar keine direkte Antwort geworden, aber hoffentlich
ist sie etwas hilfreich.
Viele
Grüße
Derya Akbas
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Hannelore
Schwedes, Professorin
Sehr geehrter Herr Pech!
Das türkische Mädchen hat die Aufgabe,
jedenfalls ihrem Verständnis nach, richtig gelöst.
Wie immer hängen Bewertungen von den Rahmenbedingungen
ab und von den Zielen der Abfrage, und davon, ob den Antwortenden
diese Ziele bekannt waren oder bekannt sein mussten. Ging es
also darum, die verschiedenen Obstsorten auseinander zu halten
und zu kennen (meiner Meinung nach das vorrangige Ziel des Sachunterrichts)
oder ging es darum, die deutschen Namen für die verschiedenen
Obstsorten zu kennen. Dies schiene mir eher eine Aufgabe des
Deutschunterrichts, aber natürlich wird auch im Sachunterricht
die Deutsche Sprache gelernt. Pädagogisch sehr bedenklich
fände ich es, die Antwort des türkischen Mädchens
als falsch zu bewerten, denn sie hat sich bemüht, die Aufgabe
zu erfüllen, und in ihrem Kulturkreis eine richtige Antwort
niedergeschrieben. Dennoch muss man als Lehrerin jedoch darauf
bestehen, dass das Mädchen auch die deutschen Namen lernt,
aber in diesem Fall im Nachhinein.. Falls das ganze noch etwa
eine Vorgeschichte hat, kann die Sache natürlich noch anders
aussehen, z.B. wenn das Mädchen öfter in dieser Weise
reagiert. Dann müsste man erst einmal wissen, wie gut die
Deutschkenntnisse des Mädchens insgesamt sind, und wie
viel Energie auf das Lernen der deutschen Bezeichnungen gelegt
wurde.
Mit
freundlichen Grüßen
Hannelore Schwedes |
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Lisa
Hauf, Referendarin
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Antwort auf die gestellte Frage würde
ich unter folgenden Bedingungen mit JA beantworten: Das Kind
ist noch nicht lange in Deutschland und beherrscht die deutsche
Sprache noch nicht ausreichend - Ein Bezug zum entsprechenden
Erlass zur Aussetzung der Note ist im Schulgesetz zu finden
und der Begründung beizufügen. Ist das Kind schon
länger als ein Jahr in einer deutschsprachigen Schule,
so könnten nach Ermessen des Lehrers Teilpunkte bzw. gar
keine Punkte vergeben werden.
Mit
freundlichen Grüßen
Lisa Hauf |
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A.
Kovacs-Jungbauer
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
Die Obstsortenfrage kann meiner Meinung nach
mit ja und nein beantwortet werden. Würde in meiner Klasse
solch eine Situation auftreten, so würde ich das Kind bitten,
die ganzen Sorten noch mal in deutsch daneben zu schreiben.
Natürlich nicht während des Unterrichtes, sondern
im Anschluss. Weiterhin würde ich dem Kind sagen, dass
es bei zukünftigen Klassenarbeiten nur noch deutsch schreiben
soll. Falls es ein Begriff nicht auf deutsch weiß, so
soll es das schriftlich beschreiben bzw. mich leise fragen.
Ich denke, dass man in der Grundschule nicht gleich zu hart
urteilen sollte. Es sind immer noch kleine Kinder und gerade
bei den ausländischen Kindern gibt es oft noch Sprachschwierigkeiten.
Das Kind wird es nicht böse gemeint haben, wenn es die
Obstsorten auf türkisch daneben schreibt. Man sollte es
aber auch nicht übersehen, sondern darauf hinweisen, dass
es in höheren Klassen zu Schwierigkeiten führen kann.
Außerdem wäre es den Mitschülern gegenüber
unfair, solch eine Sache nicht zu beachten.
Mit
freundlichem Gruß
A. Kovacs-Jungbauer |
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Janine Hertlein, Referendarin
Hallo Herr Pech,
ich mache gerade mein Referendariat im SU an
einer Grundschule. Meiner Meinung nach hat das türkische
Mädchen die Aufgaben gelöst, sie hat die Obstsorten
ja korrekt benannt, wenn auch mit türkischen Begriffen.
Was ist daran so falsch? Vielleicht gibt man ihr Teilpunkte?
Man muss sie auf jeden Fall darauf aufmerksam machen, wie das
Obst auf deutsch heißt und gezielt diese Worte üben!
Evtl. im DaZ-Unterricht.
MfG
J. Hertlein |
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Dirk
Plickat, Professor
Selbstverständlich hat die Schülerin
die Aufgabe gelöst - und die Lehrkraft damit mit einem
klassischen Konflikt konfrontiert: Problemlösungen können
also solche nur erkannt werden, wenn dies die Kompetenzen der
Lehrkraft und die strukturellen Konstellationen zulassen.
Wenn, und hier schreibe ich auf der Grundlage jahrelanger eigener
Erfahrungen in Multinationalen Vorbereitungsklassen, die Lehrkraft
die Lernvoraussetzungen in der Lerngruppe nicht hinreichend
berücksichtigt, handelt sie unprofessionell, was sich alleine
schon aus ihrer Schutzverantwortung für unmündige
Heranwachsende und dem Bildungsauftrag im Rahmen des gesamten
Handlungsauftrages von (Grund-)Schule ableitet. Wenn also entsprechende
Probleme im Unterrichtsgeschehen auftreten, ist dies zwingender
Grund zur Umgestaltung der Lehr-Lernstrukturen. Zudem bleibt
zu berücksichtigen, dass es sich im dargestellten Beispiel
nicht um eine standardisierte Zugangsberechtigungs- oder Abschlussprüfung
zu handeln scheint und auch bei diesen zunehmend das Prinzip
des Exklusionsverbotes (vgl. auch europäische Leitlinien)
Anwendung findet, so beispielsweise wenn im Kontext Erwachsene
und theoretische Führerscheinprüfungen diese mehrsprachig
stattfinden können oder sogar bei Hochschulzugangsberechtigungen
schon traditionell in den sog. Immaturenprüfungen biographische
Besonderheiten besondere Berücksichtigung finden. Grundsätzlich
hat vor diesem Hintergrund also Grundschule als "Schule für
alle Kinder" (vgl. auch Schulgesetzte) den Auftrag, konstruktiv
im Sinne von sozialer Inklusion mit dieser Problematik umzugehen.
Noch ein kleiner Nachtrag: Wie wäre es wohl mit der Einschätzung,
wenn das Mädchen eine deutsche Sozialisation und die Antworten
in englischer Sprache angeboten hätte ? Dann dürfte
wohl statt eines 'negativen Abweichens' eher die Betonung einer
besonderen Leistungsfähigkeit den Umgang mit der Problemkonstellation
dominieren.
Beste
Grüße
Dirk Plickat |
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Petra
Milhoffer, Professorin
Ja, sofern nicht ausdrücklich vereinbart
worden war, dass die Antwort deutsch sein soll. Sprach- und
Sachlernen gehen im übrigen immer miteinander einher. Die
Antwort des Mädchen könnte zudem ein wunderbarer Gesprächsanlass
sein, um zu vergleichen wie Obstsorten auf türkisch und
deutsch heißen. Da werden sicherlich auch Gemeinsamkeiten
offenbar, die spannend sind. Die Sprache der türkischen
Kinder wird wertgeschätzt. Und sie lernen den deutschen
Begriff.
Beste
Grüße
Petra Milhoffer |
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Michael
Gebauer, Professor
Ja und Nein. Hängt von der exakten Aufgabenstellung
ab. Wenn: Kennst du die Obstsorten? Dann: ja, gelöst. Wenn:
Kennst du die (hier ist natürlich gemeint: deutschen) Namen
dieser Obstsorten? Dann: nicht gelöst! Als Lehrer würde
ich die Aufgabe jedoch in jedem Falle als gelöst betrachten
- aber eher aus pädagogischen Motiven!
Grüße
aus Leipzig
Michael Gebauer |
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Roland
G. Lauterbach, Professor
Die Frage wird nicht im Wortlaut genannt. Nach
der paraphrasierten Formulierung hat die Schülerin die
Aufgabe einwandfrei gelöst.
Mit "Name" kann nur der Artname gemeint sein; den hat sie ja
jeweils differenzierend gegenüber anderen Arten angegeben.
Für eine sachunterrichtliche Bewertung muss außeracht
bleiben, in welcher Sprache die Antwort gegeben wird.
Roland
G. Lauterbach |
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Antworten
von Studierenden des Lehramts an Grundschulen, der Diplom-Pädagogik
und Magister-Pädagogik an der Universität Frankfurt
1.
Ich denke nicht, dass das Kind die Aufgabe richtig gelöst
hat. Wenn die Aufgabe auf Deutsch gestellt ist, sollte das Kind
auch diese auf Deutsch beantworten.
Es ist auch nicht möglich einen Aufsatz im Deutschunterricht
auf Türkisch zu schreiben, obwohl in der Aufgabenstellung
nicht explizit dabei steht, dass auf Deutsch geschrieben werden
soll.
2.
Nein, erst wenn die Schülerin die deutschen Begriffe nachtragen
würde, kann die Aufgabe als erledigt bewertet werden. Die
Lehrerin kann wahrscheinlich kein Türkisch. Würden
alle Schüler in einer anderen Sprache schreiben, kann keine
Gleichheit mehr gesichert werden.
Die Aufgabenstellung ist auf deutsch, daher kann man von den
Schülern erwarten, dass sie die Aufgaben auch in deutscher
Sprache bearbeiten.
Allerdings sollte die Schülerin die Möglichkeit bekommen,
ihre Antwort zu überarbeiten, da sie sich bemüht hat,
ihre Aufgaben zu machen.
3.
Zu Hause die türkischen Antworten der SU-Arbeit nachschlagen,
um zu schauen, ob diese richtig sind - bei richtigen Antworten
auch die Punkte darauf vergeben und vermerken, dass die Antworten
das nächste Mal auf Deutsch geschrieben werden sollen -
sich selbst fragen, wie es dazu kommen konnte.
4.
Theoretisch hat das Mädchen die Aufgabe schon beantwortet,
da sie ja eine Lösung angegeben hat. Doch befindet sie
sich nicht im türkisch Unterricht, sondern im Sachunterricht
einer deutschen Schule, wo die gängige Sprache deutsch
ist.
Wenn es eine/n TürkischlehrerIn an der Schule gibt, könnte
die Richtigkeit der Antworten überprüft werden. Beim
ersten mal würde ich sagen, sollte die Antwort zählen
und das Mädchen danach darauf hingewiesen werden, dass
sie nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf deutsch antworten
muss. Da ihr dies vorher vielleicht nicht klar war, sollte ihr
diese Tatsache nicht negativ angerechnet werden.
5.
Die Schülerin sollte durch Hinweise/Bitte der/des Lehrerin/s
die Möglichkeit erhalten die Wörter zusätzlich
auf deutsch hinzuzufügen. Erst diese vervollständigte
Antwort sollte bewertet werden.
6.
Falls es das erste Mal der Fall war, dass in einer anderen Sprache
geantwortet wurde, würde ich es hier als gelöst bewerten
und für die nächste Arbeit mit dem Kind abklären,
dass es dann auf deutsch antworten soll.
Es wäre unfair für das Kind, wenn es in einer anderen
(seiner Muttersprache) richtig antwortet und keine Punkte dafür
bekäme.
7.
Da die Fragestellung nicht eindeutig gestellt wurde, wie bzw.
in welcher Sprache man das Obst beschriften soll, kann die Antwort
nicht falsch sein. Türkisch ist nicht falsch.
8.
Meiner Meinung nach hat die Schülerin die Frage prinzipiell
richtig beantwortet, da sie alle Obstsorten benannt hat. Andererseits
lebt sie hier in Deutschland und hier wird verlangt, die Aufgabe
auch in deutsch zu beantworten, damit der/die Lehrende auch
verstehen kann, was sie überhaupt geantwortet.
9.
Meiner Meinung nach hat sie die Aufgabe richtig beantwortet,
da nicht verlangt war sie auf deutsch zu beantworten. Andererseits
ist sie auf einer deutschen Schule, der Unterricht wird auf
deutsch gehalten, also sollten die Antworten auch auf deutsch
sein. Prinzipiell erfüllt, aber leider in der falschen
Sprache.
10.
Meiner Meinung nach hat das Kind die Aufgabe prinzipiell gelöst,
da es nicht darum ging die Antworten auf Deutsch hinzuschreiben,
sondern generell darum die Obstsorten zu beschriften. Allerdings
kann es im Allgemeinen nicht Sinn der Sache sein, wenn Kinder
Aufgaben in einem anderen Fach als Deutsch in ihrer Muttersprache
beantworten. Durch diese Antwort stellt sich aber die Frage,
warum sie das getan hat. Kann sie es auf Deutsch nicht? Hat
sie es noch nicht realisiert, dass sie auf einer deutschen Schule
ist?
11.
Meiner Meinung nach kann der Lehrer dem Mädchen keine null
Punkte auf die Aufgabe geben, wenn sie die richtigen türkischen
Begriffe verwendet hat. Aber auch die volle Punktzahl ist hier
nicht angebracht, denn die Obstsorten wurden sicherlich im Unterricht
nicht auf türkisch sondern auf deutsch behandelt. Außerdem
ist das Mädchen auf einer deutschen Schule und sollte daher
auch deutsch antworten. Der Lehrer sollte seine Aufgabenstellungen
in Zukunft eindeutiger gestalten, um Missverständnisse
auszuschließen. Vollständig gelöst ist die Aufgabe
im Unterrichtszusammenhang jedoch nicht.
12.
Das Mädchen hat die Aufgabe nicht erfolgreich gelöst.
Es ist zwar durchaus möglich, dass es die Obstsorten alle
kennt bzw. erkannt und beschriftet hat, doch ist dies für
die Lehrerin nicht bewertbar. Die Namen wurden im Unterricht
eingeführt und sollten auch in dieser Form benutzt werden,
auch wenn es für dieses Mädchen eher Vokalbellernen
im Fremdsprachenunterricht darstellt. Den wenigsten Kindern
wird ein Apfel als solcher unbekannt sein, so dass es nicht
um die Begriffe geht, sondern eher um die Eigenschaften der
Früchte geht. Desweiteren geht es im Unterricht darum,
Kindern die Welt näher zu bringen in der sie leben und
sie somit in die Gesellschaft einzugliedern.
13.
Nein, die Antwort ist falsch. Auch wenn die Aufgabe inhaltlich
richtig beantwortet ist, ist sie nicht richtig gelöst,
da die Form nicht der Form entspricht, die in der Klassengemeinschaft
festgelegt ist (deutsche Sprache). Ohne die Festlegung auf eine
Sprache, wäre keine Kommunikation möglich.
14.
Die Aufgabe wurde nicht erfüllt, da in allen Unterrichtsfächern
in einer deutschen Schule (bis auf Fremdsprachenunterricht)
Antworten auf deutsch verlangt werden. Man kann ja nicht von
einem Lehrer verlangen, dass er jedes Mal in seine Fragestellung
die Aufforderung "schreibe in deutsch" hinschreibt. Ich würde
der Schülerin jedoch die Hälfte der Punktzahl geben,
wenn sie mir im nachhinein noch mal die richtigen deutschen
Begriffe dazuschreiben würden. Das Problem wäre, wenn
man es als richtig durchgehen lassen würde, dass dann alle
Schüler im Unterricht schreiben könnten, was sie wollen.
15.
Meiner Meinung nach hat das Mädchen die Aufgabe richtig
gelöst, da sie die Arbeitsanweisung erfüllt hat. Auch
für die Lehrerin wird es möglich sein, selbst wenn
sie kein türkisch spricht, in Erfahrung zu bringen, welche
Begriffe das Mädchen den Obstsorten zugeteilt hat. Anschließend
wäre es natürlich wichtig mit dem Mädchen zu
sprechen und ihr zu erklären, dass sie in Zukunft die Klassenarbeiten
in deutsch verfassen muss und diese Beurteilung eine Ausnahme
ist.
16.
Von meinem Standpunkt aus hätte sie die Aufgabe gelöst,
aber: Ich kann kein Türkisch und kann daher nicht beurteilen,
ob die Aufgabe richtig gelöst wurde.
Ein weiterer Hinderungsgrund scheint mir die Tatsache zu sein,
dass dies in weiterführenden Schulen wahrscheinlich auch
nicht gewertet wird.
Es muss daher abgewogen werden, wie lange dieser Schüler
schon mit der Deutschen Sprache vertraut ist.
Außerdem muss die Schülerin darauf hingewiesen werden,
dass in Zukunft versucht werden soll die Aufgaben auf Deutsch
zu lösen.
17.
Das Mädchen hat die Aufgabe nicht richtig gelöst.
Innerhalb der Unterrichtssequenz "Obst" hat sie die deutschen
Begriffe der Obstsorten erfahren und sollte in der Lage sein
die in korrektem Deutsch aufzuschreiben. Der Sachunterricht
zielt zwar nicht direkt auf das Erlernen der deutschen Sprache,
es ist aber ein Teil jedes Unterrichtsfachs.
Wenn türkische Begriffe gelten sollen, muss zu Beginn eine
Vereinbarung darüber getroffen werden.
18.
Sie hat die Aufgabenstellung nicht korrekt ausgeführt.
Dem Kind ist klar, dass Schulaufgaben in deutscher Sprache gelöst
werden sollen, dem widersetzt sich das Kind und somit ist die
Aufgabe auch falsch. Der Lehrerin/dem Lehrer ist es nicht möglich
die Richtigkeit festzustellen im Sachunterricht auch Deutsch
integriert - Kind übt auch hier Deutsch - soll auch die
deutschen Begriffe wissen.
19.
Losgelöst von dem Gesamtkonzept Schule ist die Aufgabe
meiner Meinung nach gelöst (nur in Bezug auf das Thema
Obst als einzelnes).
Da der Unterricht in der Grundschule jedoch fächerübergreifend
stattfindet und das Fach Deutsch in jedes andere Fach mit einwirkt,
wurde die Aufgabe nicht gelöst.
Ob das Kind, das eine deutsche Schule besucht und in Deutschland
lebt, die Begrifflichkeiten verstanden hat, ist nicht klar.
20.
Das Kind hat das "kulturelle Umfeld" der Schule außer
Acht gelassen. Der Lehrende ist nicht dazu verpflichtet, bei
jedem Arbeitsauftrag darauf hinzuweisen, dass er auf Deutsch
ausgeführt werden soll.
Ginge es danach, dass die Aufgabe in türkisch richtig beantwortet
wurde, so müsste man auch alle anderen (ca.) 5000 Sprachen
der Erde akzeptieren. Wie sollte das für den Lehrenden
gehandhabt werden?!
21.
Das Kind hat die Aufgabe auf türkisch richtig gelöst.
Jedoch bin ich der Meinung, dass die eigentlich Aufgabenstellung
nicht erfüllt wurde. Die Aufgabe wurde auf deutsch gestellt
und dadurch erwartet man auch, dass die Lösung in deutsch
aufgeschrieben wird. Außerdem kann man nicht von den Lehrern
erwarten, dass sie jede Muttersprache der Kinder sprechen können.
Genauso könnte man im Vergleich dazu im Englischunterricht
die auf englisch gestellte Aufgabe nicht einfach auf deutsch
beantworten und erwarten, dass sie als richtig bewertet wird.
22.
Das Kind hat die Aufgabe zwar gelöst, es muss jedoch nach
diesem Vorfall eindeutig geklärt werden, dass man an einer
deutschen Schule Aufgabenstellungen auch in deutsch beantworten
muss. Hat man Kinder von mindestens sieben verschiedenen Nationen
in einer Klasse und jedes löst Lernzielkontrollen in seiner
Muttersprache steht der Lehrer vor einem großen Problem.
Schließlich müssen die Kinder auch um sich der deutschen
Gesellschaft zurechtzufinden, die deutsche Sprache beherrschen.
Bei einem einmaligen Vorfall könnte man eine Ausnahme machen
und das Kind den Test noch mal wiederholen lassen, natürlich
muss es diesmal auf deutsch antworten. Ich denke das man die
Situation so am Besten lösen könnte.
23.
Die Aufgabe ist zwar korrekt gelöst, dennoch denke ich,
dass man dieser Art der Lösung nicht zustimmen kann, da
die Unterrichtssprache in Deutschland deutsch sein sollte. Die
Lehrerin sollte dem Kind nicht die falsche Lösung ankreiden,
sondern es darauf hinweisen, dass es die deutsche Sprache verwenden
soll.
24.
Einerseits kann man sagen, dass das Kind die Aufgabe richtig
gelöst hat. Das Wort "richtig" ist dabei allerdings relativ,
da es zwar anzunehmen ist, dass das Kind jeder Obstsorte einen
richtigen Namen zuordnen kann. Anzunehmen ist aber nicht, dass
die Lehrerin die Angaben des Kindes überprüfen kann,
da sie wahrscheinlich nicht türkisch spricht/versteht.
Meiner Ansicht nach, sollte die Lehrerin zwar versuchen zu überprüfen,
ob das Kind die Obstsorten richtig benannt hat; trotz allem
darauf bestehen, dass es die Aufgabe auf deutsch löst,
da es sich schließlich in einem deutschsprachigen Unterricht
befindet.
25.
Ja, sie hat die Aufgabe gelöst. Das Ziel der Aufgabe war,
dass die Kindern die Obstsorten erkennen, und das hat sie. (Allerdings
würde ich daraufhin prüfen, ob ihr auch die deutschen
Begriffe bekannt sind und sie ihr ggf. beibringen)
26.
Meiner Meinung nach schon, da die Aufgabe korrekt gelöst
wurde, indem die richtigen Begriffe an den Obstsorten stehen.
Es stellt sich jedoch die Frage, inwieweit das (Be)Antworten
einer Frage, also die Unterrichtsbeteiligung, auf türkisch
vor dieser Aufgabe gehandhabt und festgelegt wurde. Das wäre
natürlich bei der Bewertung zu beachten. Gäbe es jedoch
keine ausgesprochenen Richtlinien, dann wäre die Beantwortung
korrekt ausgeführt, da in der Aufgabenstellung keine Angaben
dazu gegeben waren. Mit dem Hintergrund, dass die Aufgabe nicht
mündlich vorzutragen ist, also dass es den anderen Schülern
nicht verständlich gemacht werden soll, sondern eine Eigenüberprüfung
zu sein scheint, ist sie richtig gelöst. Außerdem
denke ich, dass diese Fähigkeit 2 Sprachen verbinden (also
in 2 Sprachen "denken") zu können, nicht eingeschränkt
werden darf, damit beide Sprachentwicklungen nicht eingeschränkt
werden. Ich würde ihre Antwort aufgreifen und den anderen
Kindern vorstellen, so dass deutsche Kinder von türkischen
lernen anders herum.
27.
Meiner Meinung nach hat das Kind die Aufgabe gelöst. Wenn
sie die Obstsorten auf Türkisch beschriftet hat. Denn es
ging ja in erster Linien darum, dass die Kinder die Obstsorten
kennenlernen und sich behalten und das ist ja auch bei diesem
Mädchen der Fall. Es könnte sogar sein dass sie beim
Lesen mit ihren Eltern noch zusätzlich die türkischen
Begriffe gelernt hat und die Benennung nun auf beiden Sprachen
beherrscht, also sogar mehr kann, als ihre MitschülerInnen,
warum also sollte man dies als falsch anstreichen?
Allerdings würde ich der Schülerin erklären,
dass ich leider kein Türkisch kann und sie deshalb bitte
in Zukunft, wenn es ihr möglich ist, auf Deutsch lösen
soll.
28.
Das türkische Kind hat die Aufgabe zwar gelöst, da
es wie alle anderen Kinder das Obst beschriftet hat. Dennoch
bin ich der Meinung, dass die Aufgabenstellung nicht ganz korrekt
gelöst wurde.
Die Aufgabe wurde auf Deutsch gestellt und daher erwartet der
Lehrer eigentlich eine Beschriftung in deutscher Sprache. Der
Unterricht wird an einer deutschen Grundschule in deutscher
Sprache gehalten und es kann nicht jedes Kind nur seine Muttersprache
anwenden. Der Lehrer sollte das Kind unterstützen und ihm
erklären, wie es sich besser auf Deutsch ausdrücken
kann.
Im Sachunterricht müsste ein anderer Bewertungsmaßstab
als im Deutschunterricht gelten (andere Sprache sollte nicht
so eng gesehen werden).
29.
Die Schülerin hat die Aufgabe gelöst, nach ihrer Art
und Weise. Vermutlich ist sie in der deutschen Sprache unsicher
und hat deswegen auf türkisch die Obstschale beschriftet.
Der Lehrer muss prüfen, ob die türkischen Wörter
auf Deutsch übersetzt das richtige bedeuten. Da das Kind
offensichtlich Probleme hat, sollte der Lehrer das Kind individuell
behandeln in dem es speziell auf es eingeht, z.B. die Aufgabe
wiederholen mit dem Kind und ihm erklären, dass es auf
Deutsch schreiben muss und mithelfen wenn erforderlich. Aber
auch der Klasse sagen, dass es in Zukunft nicht so geht.
Dagegen:
- es wurde auf Deutsch gelehrt - sie hatte Zeit die deutschen
Begriffe zu verinnerlichen
- die Frage wurde auf Deutsch gestellt
- Schulsprache ist Deutsch
- Es wird auf Rechtschreibung geachtet - möglicher Punkteabzug
- Das vorgetragene Ergebnis wird nicht verstanden - Problem
für Mitschüler
- Zu viele Sprachen potentiell möglich - zu hoher Anspruch
an Lehrer
- Hängt von Klassenstufe ab
Dafür:
- am Anfang der Grundschule nicht so eng sehen
- Test nicht bewerten/nachholen lassen
- Direkt ansprechen und allen sagen, dass sie auf Deutsch
schreiben und reden müssen in Zukunft
30.
Wenn die Schülerin die Antworten auf Türkisch geschrieben
hat, dann ist das richtig. Es geht ja im SU darum, dass sie
lernt, was die Dinge sind... und wenn die Fragestellung nicht
beinhaltet, dass die Antworten auf Deutsch geschrieben werden
sollen, dann muss an der Frage gearbeitet werden.
31.
Da es sich nicht um Sprachunterricht handelte, sollten ihre
Ergebnisse gelten. Sie hat die Aufgabe erfüllt, da sie
zwischen den Obstsorten unterscheiden konnte. Ich denke, dass
bei der Arbeit herauskommen sollte, ob die Kinder Kategorien
bilden können und nicht, ob sie die deutsche Bezeichnung
kennen.
32.
Für mich ist die Aufgabe korrekt gelöst. Ich habe
die Aufgabe nicht explizit genug formuliert; ein Verweis in
welcher Sprache die Antworten verfasst sein sollen, fehlt.
Zur Korrektur würde ich auf einen türkischen Freund
(evtl. Muttersprachenlehrer an der Schule) zurückgreifen,
da ich anfangs nicht weiß, ob die Begriffe und die Rechtschreibung
stimmen.
Die Schülerin würde ich im Anschluss darum bitten,
zukünftig die Antworten auf Deutsch zu schreiben. U.U.
besteht bei ihr auch Förderbedarf für Deutsch und
hätte die Aufgabe nur auf Türkisch oder gar nicht
beantworten können
33.
Meiner Meinung nach hat sie die Aufgabe richtig gelöst.
Schließlich wird in der Frage ja auch nicht explizit darauf
hingewiesen, dass man deutsch schreiben soll. Ich würde
ihr die volle Punktzahl geben und zusätzlich mit ihr ein
Gespräch führen, in dem ich sie frage, warum sie die
Antworten auf türkisch geschrieben hat. Hätte sie
die Antworten auf deutsch schreiben können, hätte
ich ihr gesagt, das sie das auch in Zukunft machen soll. Kennt
sie die deutschen Begriffe nicht, benötigt sie wohl Sprachförderung.
34.
Meiner Meinung nach ist die Aufgabe schon erfüllt worden,
es sei denn den Schülern wurde vorher ausdrücklich
gesagt, dass sie in der Schule die deutschen Begriffe benutzen
sollen. Hat man Zweifel daran, dass das Kind die deutschen Begriffe
kennt, kann man sie auch im Nachhinein noch nennen/aufschreiben
lassen. Zweifelt man daran, dass die türkischen Bezeichnungen
falsch sind, kann man zum nächsten Dönerladen gehen
und die/den Inhaber nach der deutschen Bedeutung der Begriffe
fragen.
35.
Ich finde, dass das Mädchen die Aufgabe richtig gelöst
hat. Die Lehrerin kann das Mädchen noch mal bitten, dass
sie die Aufgabe erklärt oder aufschreibt, dann auf Deutsch.
Vielleicht war das Mädchen so vertieft in die Aufgabe dass
sie nicht gemerkt hat, dass sie auf Türkisch die Lösungen
hinschreibt. Die Lehrerin soll einfach noch mal nachfragen und
sagen: jetzt sollst du die Aufgabe auf Deutsch lösen.
36.
Ich würde das Mädchen bitten, die Obstsorten auch
noch einmal auf deutsch zu nennen bzw. daneben zu schreiben,
um ihr zu ermöglichen die Klassenarbeit zu bestehen. Im
Englischunterricht muss auch ein Text auf Englisch verfasst
werden und es darf keine andere Sprache benutzt werden, daher
hat das Mädchen die Aufgabe eigentlich nicht richtig beantwortet.
Auch im Unterricht wurden die Obstsorten sehr wahrscheinlich
auf deutsch gelernt und waren auch so zu lernen. Aufgrund dessen
hat das Mädchen die Aufgabe nicht richtig erfüllt.
Andererseits war nicht definitiv gefordert, die Antworten auf
Deutsch zu verfassen. Deswegen mein Vorschlag, ihr deutlich
machen, dass sie in diesem Fall (Klassenarbeit) auf deutsch
schreiben muss und dies auch in den folgenden Klausuren der
Fall ist (wenn keine Ausnahme besteht). Um ihr aber zu zeigen,
dass es auch weiterhin wichtig ist, dass sie auch ihre Muttersprache
spricht und diese akzeptiert wird finde ich, dass vielleicht
mit allen nach der Klausur die Obstsorten in der Muttersprache
besprochen werden um deutlich zu machen, das es viele Ausdrucksformen
für eine einzige Sache gibt.
37.
Ja, ich denken die Aufgabe wurde richtig gelöst. Das Kind
hat den Abbildungen der Früchte deren Namen zugeordnet
- also Aufgabe erfüllt.
Ich denke nicht, dass in der Aufgabenstellung stand: "Formuliere
in Deutsch"… Außerdem kann sich der Lehrer ja informieren,
ob die (türkischen) Worte zu den Bildern passen. Das Kind
hat die Aufgabe verstanden, und konnte sie umsetzen. Einzig
die Sprache war das Problem. Man kann das aber nicht mir einem
Ergebnis eines anderen Kinder vergleichen, dass die Bilder gar
nicht beschriftet hat. Und kann sie dementsprechend nicht als
"nicht gelöst" bewertet werden. Höchstens als "anders
gelöst". Aber die Aufgabe wurde definitiv gelöst.
38.
Meiner Meinung nach hat die Schülerin die Aufgabe nicht
korrekt gelöst, da sie die Aufgabe nicht in der geforderten
Sprache gelöst hat. Zwar mag die Aufgabe in der Fremdsprache
richtig sein, wofür man im Zeugnis eine "pädagogische
Note" geben kann (und in diesem Fall wohl auch sollte), jedoch
ist sie meiner Meinung nach nicht korrekt gelöst, da sie
die falsche Sprache gewählt hat.
39.
Aus meiner Sicht hat das Mädchen die Aufgabe richtig gelöst.
Die Lehrerin hat aber nun das Problem, dass eine andere (nicht
angesprochene, sondern als selbstverständlich vorausgesetzte)
Aufgabe: die Antwort in der deutschen Sprache zu formulieren,
nicht gelöst wurde. Jetzt muss man sich fragen, ob die
Aufgabe dadurch falsch von dem Mädchen gelöst wurde.
Falsch, weil in der deutschen Schule die deutsche Sprache vorausgesetzt
wird. Oder ob man die Lösung des Mädchens als richtig
einstufen, weil "die Antwort in der deutschen Sprache geben"
nicht explizit verlangt wurde. Ich würde zu letzterem tendieren.
Das Mädchen hat die Aufgabe richtig gelöst und das
Sprach-"Problem" müsste in der Schule (also institutionell)
besprochen werden.
40.
Als Lehrerin würde ich auf eine Bewertung dieser Arbeit
verzichten und der Schülerin die Möglichkeit geben,
eine ähnliche Arbeit nachzuschreiben mit dem Hinweis, dass
nur Antworten auf deutsch gewertet werden. Wenn dieses Kind
in Deutschland lebt, zur Schule geht, eine weiterführende
Schule besuchen möchte, muss sie die deutsche Sprache lernen.
Deshalb hilft es ihr nicht, wenn ich ihre türkischen Antworten
als korrekt ansehe.
41.
Aufgabe bestanden! Da Inhaltlich 100 Prozent richtig beantwortet!
Lernziel erfüllt!
Aber: Die Arbeit sollte evtl. aus Bewertung herausgenommen werden
und die Lehrkraft sollte individuell (zu einem späteren
Zeitpunkt) überprüfen, dass die Begriffe auf deutsch
beherrscht werden.
Lösung: Kompromiss zw. Schüler und Lehrkraft! - keine
6, sondern den Test wiederholen lassen und dem Schüler
die Begründungen dazu liefern!
42.
Meiner Meinung nach hat sie die Aufgabe nicht wirklich erfüllt.
Sie hat zwar die richtige Lösung, aber die falsche Sprache
benutzt. In Deutschland bzw. in einer dt. Schule ist die Sprache
nun mal deutsch und nicht türkisch, sie muss sich diesen
Gegebenheiten anpassen.
Ich frage mich sowieso wie sie darauf kommt türkisch zu
schreiben, schließlich beherrscht sie die dt. Sprache
ja. Sollte es jedoch so sein, dass der Lehrer/die Lehrerin türkischer
Abstammung ist oder das kleine Mädchen gerade erst eingewandert
ist, ist ihr Handeln verständlich.
43.
Teilweise erfüllt.
Dass Kind hat immerhin gewusst um welche Obstsorten es sich
handelt, jedoch gehören zu dem Test auch die richtigen
Begriffe, die das Kind auf deutsch gelernt haben sollte. Sie
besucht eine deutsche Schule in Deutschland und da ist der Zweck
des Lernens nicht erfüllt. Schließlich muss sie sich
integrieren und sich mit u.a. ihrer Sprache anpassen.
44.
Ich denke nicht, dass die Aufgabe erfüllt ist. Da dieses
Mädchen in Deutschland lebt und auf eine deutsche Schule
geht, an der Deutsch gesprochen wird, ist der Test auf Deutsch
zu beantworten. Bei einem Englisch oder Französisch Vokabeltest,
wo ich die Früchte auf Französisch hinschreiben soll,
es aber auf Deutsch schreibe ist die Aufgabe ganz klar nicht
erfüllt und ich würde somit 0 Pkt (bzw. eine 6) kassieren.
45.
Ich kann keine klare "Ja" oder "Nein" Antwort formulieren. Wenn
die Aufgabe lediglich das Benennen der Früchte beinhaltete,
hat das Mädchen die Aufgabe erfüllt, doch eventuell
kann die Lehrerin, nicht beurteilen, ob die Antworte des Mädchens
richtig sind, da sie kein türkisch spricht. Ich denke das
Mädchen sollte noch einmal gefragt werden, wie sie die
Früchte mit deutschen Begriffen benennen würde. Wenn
das Mädchen das nicht kann, dann ist es fraglich, ob sie
ohne ausreichende Deutschkenntnisse das Schuljahr/die kommenden
Schuljahre ohne eine spezielle Förderung besteht.
46.
Eigentlich hat sie die Aufgabe erfüllt, da sie alle Antworten
wusste. Jedoch finde ich es problematisch, da das Kind nicht
wirklich weiß, wie man sich anpasst. Ich würde das
Kind fragen, warum sie es auf türkisch geschrieben hat
und ob sie es auch auf Deutsch schreiben kann. Ich denke, es
könnte für sie in der Zukunft Probleme geben, da sie
dadurch eine Art Weigerung der deutschen Sprache den anderen
vermittelt und sich damit absondert.
47.
Rein sachlich hat das Mädchen alles richtig beantwortet.
Wahrscheinlich kennt sie die Begriffe auch schon von zuhause,
wo sie aber eben auf türkisch ausgesprochen werden. Bei
deutschen Kindern kann dieses Problem wegen der Muttersprache
nicht auftreten, es fällt also nicht auf, wenn ein Kind
etwas nur aus dem Familienalltag oder aus der Schule kennt.
Ich würde dem Kind trotzdem klar machen, dass es, um sich
in die Gesellschaft zu integrieren, die deutsche Sprache beherrschen
und in der Schule deutsch schreiben muss.
48.
Die Schülerin hat die Aufgabe nicht erfüllt.
- Sie hätte wissen müssen, dass die Lehrerin kein
Türkisch spricht.
- Ich würde dem Mädchen trotzdem noch eine Chance
geben und sie den Test noch mal auf deutsch schreiben lassen.
- Die Lehrerin sollte in Zukunft klar machen wie sie den Test
beantwortet haben will - deswegen (durch den Fehler der Lehrerin)
sollte die Schülerin noch eine Chance haben.
- Die Frage ist aufgrund mangelnder Informationen nicht ganz
zu beantworten.
49.
Irgendwie ist sie schon erfüllt. Das Mädchen hat ja
alles richtig gemacht. Allerdings hätte sie die Wörter
auf deutsch schreiben sollen, da sie in Deutschland wohnt und
hier nun mal diese Sprache gesprochen wird. Man kann den Fall
ja auch umdrehen und sich denken, dass in der Türkei ein
Mädchen die Antworten auf deutsch geschrieben hätte.
Es handelt sich ja hier einfach um die Anpassung. Inwieweit
diese jetzt durch die Beantwortung der Fragen "gebrochen" wurde,
ist eine gute Frage. Natürlich aber auch um die Integration. |
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Ausgabe 6
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Kommentar
von Detlef Pech und Marcus Rauterberg:
Die 3. Frage von widerstreit-sachuntericht
hat ihren Ausgangspunkt in einem Seminar zur "Politischen Bildung in
der Grundschule" im Wintersemester 2005/2006 an der Universität
Frankfurt. Im Rahmen einer Diskussion zum Zusammenhang des Politischen
mit der Interkulturellen Bildung berichtete eine Studentin von dem realen
Beispiel, das wir als Frage formuliert haben. Die nachfolgende Diskussion
kreiste primär um Momente, die für das unterrichtliche Handeln
problematisch sind, während der Dozent Detlef Pech konzeptionelle
Überlegungen erwartet hätte - schließlich handelte es
sich um Sachunterricht und aus dieser Perspektive gäbe es kein
Deuteln. Die Studierenden sahen dies - nahezu im Konsens - völlig
anders.
Mit der Entscheidung, die Frage aus dem Seminar zu einer Frage von widerstreit-sachunterricht
zu machen, landeten wir einen ungewollten und zum Zeitpunkt der Entscheidung
für diese Frage nicht absehbaren "Zufallstreffer" in Bezug zur
öffentlichen Debatte. Mehr noch: In Kenntnis der politischen, öffentlichen
und schuladministrativen Diskussionen insbesondere um das Deutsch-Sprach-Gebot
(oder Türkisch-Sprach-Verbot) an einer Berliner Schule, hätten
wir die Frage vielleicht gar nicht mehr gestellt. Denn: Der politische
"Integrations(zwang)diskurs" verstellt und überlagert den Zugang
zum sachunterrichtlichen Gehalt der Frage.
Im Mittelpunkt der Antworten insgesamt steht ein sprachlicher Aspekt.
Sprache, Deutschunterricht dominiert - ganz im Sinne der administrativen
Tendenzen - die anderen fachliche Belange. Oder wie es bei einem Studenten/einer
Studentin heißt: "Der Sachunterricht zielt zwar nicht direkt auf
das Erlernen der deutschen Sprache, es ist aber ein Teil jedes Unterrichtsfachs."
Bei den Hochschullehrenden wird die Sache z.T. etwas stärker beachtet,
eine generelle Differenz zwischen den Gruppen Studierende, ReferendarInnen/LehrerInnen
und DozentInnen lässt sich jedoch in dieser Frage nicht konstruieren.
Für die Interpretation der in den Antworten vielfach angesprochenen
schulischen Bewertung scheint uns eine Differenzierung von Mechthild
Gomolla hilfreich. Sie unterscheidet in ihrer Analyse institutioneller
Diskriminierung zwischen einer direkten und einer indirekten Diskriminierung,
die sie folgendermaßen charakterisiert: "Mechanismen indirekter
Diskriminierung resultieren oft aus der Anwendung gleicher Regeln, die
bei verschiedenen Gruppen grundsätzlich ungleiche Chancen ihrer
Erfüllung zur Folge haben" (Gomolla 2003, S. 100).
Dieser Modus lässt sich in den eingegangenen Antworten vielfach
wiederfinden, bspw. in der Argumentationsfigur, dass auch wenn alles
(im engeren oder im sachlichen Sinne der Aufgabenstellung) richtig ist,
dieses nicht als richtig bewertet werden könne, da (im weiteren
oder sprachlichen Sinne) die Antworten nicht dem entsprechen, was zuvor
im Unterricht als richtig benannt wurde. Es wird also mehr geprüft
als in der Aufgabe steht - der Unterricht vorher ist auf deutsch, daher
müssen die Antworten auch auf deutsch sein. D.h. auf einer deutschen
Schule können nur in deutscher Sprache bezeichnete Dinge als richtig
angesehen werden (mit Ausnahme des Fremdsprachenunterrichts. Als Ergänzung:
Würde nicht eine lateinische Bezeichnung der Obstsorten dem propädeutischen
Anspruch des Sachunterrichts hinsichtlich der Biologie gerecht werden?).
Betrachtet man die Argumentationen, die zentral auf die verwendete Sprache
rekurrieren, zeigt sich an vielen Stellen: Es scheint hier nicht nur
um Sprache, Sprachförderung oder um Dialogfähigkeit zu gehen,
sondern auch um Bewertung, um richtig und falsch!
Der Aspekt der Bewertung kreist in den Antworten vielfach um die Überlegung,
wie diese für alle Kinder der Klasse gerecht erfolgen könne:
Dabei wird ein Widerspruch konstruiert, indem - pointiert formuliert
- Gerechtigkeit zur Legitimation von Ungleichheit, um nicht zu sagen
Ungerechtigkeit, genutzt wird. Um Gerechtigkeit zu wahren, dürften
für das Mädchen keine andere Regeln gelten als für die
anderen Kinder. Das bedeutet aber auch, das die Anforderungen an die
Kinder der Klasse differieren: Einige Kinder sollen in ihrer Muttersprache
antworten, andere wie das Mädchen, dessen Erstsprache scheinbar
(darüber wird eigentlich gar nichts gesagt) Türkisch ist,
in einer erlernten Fremdsprache. "Die Namen wurden im Unterricht eingeführt
und sollten auch in dieser Form benutzt werden, auch wenn es für
dieses Mädchen eher Vokabel lernen im Fremdsprachenunterricht darstellt."
In dieser Positionierung wird die zusätzlich zu erbringende Leistung
als gegebener Teil zur Lösung der Aufgabe angesehen. Die unterschiedlichen
Anforderungen werden offenbar nicht als Problem gesehen, sondern der
Notwendigkeit kultureller Homogenität oder der Bewertbarkeit untergeordnet.
Recht viele der Argumentationen verweisen auf die Aufgabenstellung und
nutzen einen "Trick", um zu erklären, warum die sachlich richtigen
Antworten nicht völlig falsch sind: In der Aufgabenstellung sei
nicht benannt worden, dass die Antworten auf Deutsch hätten erfolgen
sollen. Unterricht erscheint hier als voraussetzungsvoll. Das lässt
sich auch nicht vermeiden und soll vielleicht auch gar nicht vermieden
werden. Schule kann nach einer gewissen Zeit nicht mehr alle ihre Vorraussetzungen
benennen. Die Frage ist aber, ob das im Zweifelsfall zu Sanktionen einzelner
führen sollte. Schul- und unterrichtsorganisatorisch könnte
in dieser Richtung argumentiert werden, da auf Deutsch antworten als
zu Lernendes zumindest zum heimlichen Lehrplan gehört und damit
irgendwann als Gelerntes vorausgesetzt werden muss oder zumindest wird.
Um welche Antworten es in einer sachunterrichtlichen Aufgabenstellung
gehen sollte, wird dabei nicht thematisiert.
In den wenigsten Antworten wird vorgeschlagen, die türkische Benennung
in der ganzen Klasse zu thematisieren. Im Zuge dessen könnte überlegt
werden, warum es in diesem Falle sinnvoll ist, auf deutsch zu antworten
und warum das nicht immer und überall sinnvoll sein muss. Gleichzeitig
wird die in der Schule - unabhängig vom konkreten Fall - "eigentlich"
nicht anerkannte türkische Sprache thematisiert, indem sie zum
Mittelpunkt des Unterrichts gemacht wird. Worauf immer das genau hinaus
läuft: Die Situation bietet eine Möglichkeit für den
Unterricht und besteht nicht nur in einer Deutsch-Sprech- und Bewertungssituation.
Dirk Plickat macht einen interessanten Einwurf: Was wäre, wenn
dieses Mädchen eine "klassische" deutsche Sozialisation aufweisen
und die Antworten dann unaufgefordert auf Englisch geben würde?
Ständen dann immer noch die relativierenden Überlegungen wie
‘Die Aufgabe war nicht exakt formuliert - eigentlich ist's ja
falsch, aber es wurde ja auch nicht gesagt, dass die Antworten auf deutsch
sein sollten’ im Vordergrund? Oder würde die beachtliche
Kompetenz dieses Mädchen, ihre Qualifikation für die globalisierte
(Arbeits-)Welt hervorgehoben und gelobt? Etwas schlicht formuliert:
Es scheint eine Frage der Perspektive zu sein, wann etwas qualifiziert
und wann etwas disqualifiziert. Wir vermuten in diesem Punkt aber noch
einen weiteren Aspekt, jenen der Kontrolle und Kontrollmöglichkeiten.
Türkische Antworten führen zu einem (befürchteten) Kontrollverlust,
während beispielsweise englische Antworten diese Gefahr nicht implizieren.
Würden mehr Lehrkräfte Türkisch (oder/und auch russisch,
arabisch,…) ebenso beherrschen wie Englisch, die Debatte könnte
einen ganz anderen Verlauf nehmen.
Vielleicht sind auch die mehrfach benannten Ausnahmeregelungen ein Versuch,
mit diesem Kontrollverlust umzugehen, ihn, bzw. die Situation zu beherrschen:
LehrerInnen - in diesem Falle als von ihnen antizipierte zukünftige
Rolle der Studierenden - stehen in der Notwendigkeit zu bewerten und
diese Bewertung (auch vor den Kindern) als gerecht vertreten zu müssen
bzw. zu wollen. In einer außenperspektivischen Betrachtung könnte
man indes davon sprechen, dass hier die selektierende und disziplinierende
Struktur der Schule in den Argumentationen durchscheint. Ein Beispiel:
"Ich würde der Schülerin jedoch die Hälfte der Punktzahl
geben, wenn sie mir im nachhinein noch mal die richtigen deutschen Begriffe
dazuschreiben würde" - warum dann eigentlich nur die Hälfte?
Andere sind der Ansicht, obwohl die Arbeit nicht den Anforderungen entspräche,
solle letztlich eine "pädagogische Note" gegeben werden, schließlich
sei ja alles richtig. Die Perspektive der Sache wie auch die Perspektive
der Kindes verschwinden hinter dem System Schule.
Auch bei widerstreit-sachunterricht ist in den letzten Ausgaben zu sehen,
dass es eine intensive Diskussion um das interkulturelle (oder das transkulturelle)
Lernen in der Schule gibt (vgl. insb.
Stoklas 2004). Aber inwieweit wurde dabei außerhalb eines
eng abzusteckenden Fachdiskurses wirklich der defizitorientierte Blick
der Ausländerpädagogik verlassen? Trotz der Diskussion ist
der Aspekt der monokulturellen Verfasstheit der Bildungsinstitutionen
bislang viel zu wenig beachtet worden bzw. wird in Entscheidungssituationen
nicht genutzt (vgl. Gomolla/Radtke 2002; Preissing/Wagner 2003).
Festzuhalten bleibt und das widerspricht der Intention dieser Fragen
bei widerstreit-sachunterricht, dass die Verortung der Aufgabenstellung
im Sachunterricht in den Antworten eher selten aufgegriffen wird. Positionen,
wie die nachfolgende, bilden die Ausnahme: "Meiner Meinung nach hat
das Kind die Aufgabe prinzipiell gelöst, da es nicht darum ging
die Antworten auf Deutsch hinzuschreiben, sondern generell darum die
Obstsorten zu beschriften."
Bei der Fragestellung war aber auch mit anderen Kritikpunkten zu rechnen:
Welch absurdes Verständnis von Sachunterricht liegt dieser Frage
eigentlich zu Grunde!? Begriffe abfragen kann doch keine relevante Beschreibung
aktuellen Sachunterrichts sein - eine Feststellung die vielleicht auch
nur im inneren Diskurs gilt! Ein wenig erstaunt müssen wir zur
Kenntnis nehmen, dass nur eine Antwort dies explizit aufgreift und auf
dieser Grundlage die gestellte Frage zurückweist.
Literatur
- Gomolla, Mechthild (2003): Fördern
und Fordern allein genügt nicht! In: Auernheimer, Georg (Hrsg.)
(2003): Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder.
Opladen: Leske + Budrich, S. 97-110
- Gomolla, Mechthild/Radtke, Frank-Olaf
(2002): Institutionelle Diskriminierung - Die Herstellung ethnischer
Differenz in der Schule. Opladen: Leske+Budrich
- Preissing, Christa/Wagner, Petra (2003):
Kleine Kinder - Keine Vorurteile? Interkulturelle und vorurteilsbewusste
Arbeit in Kindertagesein-richtungen. Freiburg: Herder
- Stoklas, Katharina (2004): Interkulturelles
Lernen im Sachunterricht. Historie und Perspektiven (www.widerstreit-sachunterricht.de,
beiheft 1).
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Nachtrag
Ein Gedanke kam uns leider erst
im Nachhinein: Hätten wir andere Antworten bekommen, wenn die Frage
auf Türkisch gestellt worden wäre?
Zumindest der Kommentar soll auch in türkischer Sprache dokumentiert
werden.
Wir danken dafür einem Studenten der Universität Frankfurt,
der sich die Mühe der Übersetzung machte. Er ist, wie er sagt,
kein professioneller Übersetzer, daher mag es sein, dass manche
Formulierungen nicht "in Perfektion" dem deutschsprachigen
Kommentar entsprechen. Uns, den Schreibenden, bleibt auch dies verborgen
- denn wir können kein Türkisch und damit auch nicht kontrollieren.
"Sachunterricht" ist im nachstehenden Text als "Hayat
Bilgisi" übersetzt. Wortwörtlich übersetzt bedeutet
dies "Lebens lernen", in sinngemäßer Übersetzung:
Über das Leben lernen bzw. das Wissen über das Leben. Hierbei
handelt es sich um ein Schulfach, das - so unser Übersetzer - als
Pendant zum Sachunterricht angesehen werden kann.
Detlef Pech ve Marcus Rauterbergin konuya bakiş açisi
Widerstreit-sachunterricht’in 3. Sorusu baslangıcını
„ilkokulda politik eğitimi“ adında ve 2005/06 eğitim
yılında frankfurt üniversitesinde başlayan bir dersde
bulmuşdur. Bir tartişma sirasinda politik alakalı interkulturell
eğitim tartışılırken, bir öğrenci gerçek
yaşanmis bir hikayeyi anlatır. Bu konuyu biz soru olarak formule
etmiş bulunuyoruz. Doçent detlef pech anlatılan hikayeyi
toparlayacak düsünceler beklerken, ögrenciler hep dersde
doğru davranis biçimini tartişmişlardır –
nede olsa ders hayat bilgisiydi ve bu bakiş açısından
tartışılacak bir şey doçente göre yoktu.
Ama nerdeyse bütün öğrencilerin bunu doçenten
tamamen değişik görmesi ilnginçdi.
Dersde tartışılan bu konuyu widerstreit-sachunterricht için
bir konu yapma düşücesiyle, hiç beklemediğimiz
ve o an toplumda tartışılan bir konuyla denk gelmiş
olması büyük bir tesadüfdür. Daha fazlası:
Biz toplumun, politikanın ve okul idari’nin bu tartışmada
bilhassa berlinde bir okulda öne sürülen Almanca dil
kurali (veya türkce konuşma yasağini) bilseydik, belki
bu tartışmayı böyle hiç öne sürmezdik.
Çünkü: politik „(zorunlu)entegrasyon-tartışması“
hayat bilgili bu sorunun girişini ve kapatip ve artiriyor.
Cevaplarin öz noktasında hep dilsel bakiş açisi
bulunuyor. Dil veya Almanca dersi diyeri konulardan daha üstün
ve önemli bulunuyor - aynen idari anlayışının bakış
açısı gibi. Veya dersde bir üniversite öğrencinin
dediği gibi: „Hayat Bilgisi ilk bakışda almanca öğrenme
amacıyla yapılmasa bile, her dersin bir parçası olduğu
ortadadır.“ Üniversite öğrencileri bu konuya
biraz daha fazla önem verdikleri ortaya çıkıyor,
öğrencilerin, stajyerlerin/ögretmenlerin ve doçentlerin
arasında bu konu üzeri fazla değişik düşünmedikleri
belli oluyor.
Okul üzeri verilen cevapların yorumunu daha iyi anlamak için,
Mechthild Gomolla’nin farklı bakis açısını
yardım olarak ele almamız gerektiğini düşünüyorum.
Mechthild Gomolla kurum ayrı gözetme analizinde, direk ve endirek
ayrı gözetme arasında ayırıyor. O iki gözetmeyi
şöyle dile getiriyor: “ endirek ayrı gözetme
nerdeyse hep aynı kurallar uygulanarak sonuçlanıyor,
bu kurallar değişik gruplarda eşitsiz şans gerçekleşdiriyor”
(Gomolla 2003, Sayfa 100)
Bu tarz verilen cevaplarda çoğu zaman görülüyorki,
örneğin şu argüman öne sürülüyor:
Herşey hakiki ve gerçek anlamda (verilen ödev olarak)
doğru olsa bile, ginede doğru olarak izah edilemesi yanlışdır,
çünkü (konuya geniş ve dilsel bir bakış
açısıyla bakılırsa) ders sırasında çocukdan
verilen cevaplar, beklenilen ve ders öncesinde doğrunun ne
olduğu kararlaştırıldıgından, doğru olarak
sayılması yanlışdır. Bu demekdirki sınav sırasında
yazılı soruların cevapından hariç daha fazla
bekleniliyor – bundan önceki dersler hep almancaydı,
ö yüzden cevaplarda almanca olmak zorundadır. Demekki
bir alman okulunda sadece bir eşyayi almaca diliyle cevaplarsan
doğru olarak kabul ediliyordur (tabi yabancı dil eğitimi
bu görüşden kuraldışı kalıyordur. Ek bir
not: Meyve türlerini latince isim koyarak cevaplanılması
hayat biligisi ve bioloji dersi bakiş açisindan, daha cazip
gelmiyormu sizede?) Dil üzeri verilen ve öne sürülen
görüşlere bakarsak, çok yerde belli oluyorki: Tartişma
konusu sadece dil, dil eğitimini veya diyalog kabiliyeti’ni
ele alınmadıdığı gözüküyor, aksine
not verme, doğru veya yanliş anlayışlarıda ön
plana çıkıyor.
Verilen cevaplarda hep bütün çocuklara böyle bir
durumda, nasıl adeletli not verilebilir anlayışı göze
batıyor: Ortaya çikan çelişkide adalet yetki üzeri
eşitsizlik yaratıyor, daha doğrusu yetki adaletsizlik icin
kulanılıyor. Dolayı adaleti korumak için, konudaki
kiz için değişik kanunlar geçerli olmamalıdır.
Bu aynı zamanda demekdirki, çocuklardan beklenilen talep
çocuğa göre değişik olmasıdır: Bazi
çocuklar ana dilinde cevap versinler, bazılarıda (mesela
bizim hikayadeki kız gibi ) ilk öğrendiği dil türkçe
olsa bile (ilk ögrendigi dilin türkçe olduğu şu
tartışmada belli olmuyor), sonradan öğrendiği bir
yabancı dilde cevap versinler. “Meyve isimleri sinifda öğrenilmişdir
ve o dildede kulanılması gerekilir, tabi bu türk kızı
icin başka bir dilde kelime öğrenme anlamina gelse bile”.
Böyle bir anlayışda ayrica verilen edim, soruyu çözmek
için bir kural biçimine geliyor. Değisik öne
sürülen talepler öyle gözüküyorki problem
olarak gözükmüyor, aksine kültürell homojen
bir grup veya değerlendirme anlayışı için ikinci
dereceye atılıyor.
Verilen çoğu cevaplarda, neden kız tarafindan verilen
doğru cevaplarin tamamen yanliş olmadığinı anlatmak
için, bir “hile” kulanılarak, soru soruş
biçimini öne sürüyorlar: Soru soruş biçiminde
cevapların sadece almanca olmasına gerek hiç bir nokta
bulunmamadır. Bence burda ders ön bekleyişli bir bakışlan
anlanılıyor. Bu kaçınılmaz bir durum olsa bile,
gerektiğini zan ediyorum. Bir okul bir zaman sonra dersden veya
sınavdaki beklentilerini hep tekrarlayamaz. Kendi kendimize sormak
zorunda olduğumuz soru ama, tartışdığımız
böyle bir durumda, verilen değişik cevaplardan üzeri
yanliş cevapı verenlerin ceza görmesinemi sebep olması
gerekiyor. Okul ver ders anlayışıylan öne sürülebilirki,
almanca cevap verilebilmesi, öğrenilmesi gerekli, bari gizli
bir öğretim programina ait olması ve böylece bir zaman
sonra öğrenilmiş bir kosul olmasıdır. Hayat biligisi
dersinde hangi soruların sorulması gerektiğini, kimse tarafından
konu edilmiyor.
Cok az cevaplarda kiz tarafindan verilen türkçe meyve anlamlarının
bütün sınıf kapsamında ele alınılmasıöne
sürülüyor. Düşünülmesi gereken, neden
böyle bir konuda almanca cevap vermek daha manalı veya her
konuda ve her yerde neden daha az manalı oldugu tartışılabilir.
Ve ayni zamanda okulda – başka bir konu olsa bile –
“aslında” tanılınmamiş türke dili konu
ediliyordur. Türkçe dili dersin merkez noktası haline
getiriliyordur. Bu ne anlamına geliyor demekdir: Görülen
durumda ders için bir imkan görüküyordur ve bu
sadece bir Almanca-konuş – ve not verme durumu değildir.
Dirk Plickat ilginç bir itirazda bulunuyor: Konuşduğumuz
kiz tipik bir alman sosyalisasyon görmüş olsaydı ve
soruları kendiliğinden ingilizce cevaplandırsaydı, ne
olurdu? O zaman ginemi ayni düşünceleri öne sürürmüydük?
Mesela: Sınıfdaki soru ayrintılı sorulmamışdır
– aslinda yanliş, ama cevapların almanca olacağina
dair hiç birşey söylenilmemişdir. Yoksa kızın
bu ilginc yeteneği, onun kalifikasyonu, globalleşmiş is
dünyasinda öne çıkarılarak aferinlenmi cevaplandırılırdı?
Daha basit belli edersek: Göründüğüne göre
bir şeyin ne kadar kalifikasyonlu veya kalifikasyonsuz olduğu
perspektive göre değişiyor. Bu noktada bir tahminimiz daha
var, denetim ve denetim imkanları. Türkçe cevaplar (korkulan)
denetim aksatmasina sebep oluyor, ama mesela ingilizce cevaplar bu tehlikeye
sebep olmuyor. Daha fazla öğretim üyeleri türkçe
(veya/ve rusca, arapça,...) ingilizce gibi diller bilseylerdi,
o zaman bu tartışma daha değişik bir yön alırdı.
Belkide hep bahis etiğimiz bu kuraldişı kanunlar, denetme
aksatmasının bir çabasıdır ve böylece bu
aksatmalarlan başa çıkılabilinir, onu daha doğrusu
böyle bir durumda hüküm edebilir: Öğretmenler
– bizim durumda öne alınan gelecegin öğretmenleri-
not verme zorunluğu altında duruyorlardır (hatta çocukların
önünde) bu adaleti savunmak zorundalar. Dışarıdan
bir bakış alanından bakarsak, konuşa bileceğimiz
konu şudur, okulun seçimli ve disiplinli bünyesi ön
plana cıkıyordur. Bir örnek: “Ben öğrenciye,
bana sonradan doğru olan almanca kelimeleri söyliye bildiği
halde, puanların yarısnı verirdim” – neden puanlarin
yarısı? Baskalarının düşünceleri ise,
kızdan verilen cevaplar, istenilen cevaplar olmasa bile, ginede
bir “pädagogoji puan” verirdim, nede olsa herşeyi
sonucda doğru olarak cevaplandırmışdır. Çocuğun
perspektivi ve konunun bakiş açısı tamamen okulun
sistemi arkasında yok oluyor.
Widerstreit-sachunterricht’din son baskılarındada, interkulturel
(veya transkulturel) okuldaki eğitim üzeri ciddi tartişmalarında
olduğu belli oluyor (özellikle Stoklas 2004 karılaşdır).
Ama dar tutulmuş bir bölüm tartışmasında,
ne kadar acaba noksan dolu yabancı eğitimin dişarısına
cıkmış bulunuyoruzki? Tartışmaya rağmen monokültürell
eğitim durumuna daha çok az dikkat edilmişdir, daha doğrusu
karar durumlarinda kulanılmamışdır. (Gomolla/Radtke
2002; Preissing/Wagner 2003 karşılaşdır).
Iyi bir bakarsak ve bu widerstreit-sachunterricht’de sorduğumuz
soruya aksi düşüyordurki, soruların soruluş biçiminin
hayat bilgisinde cevaplarda çok nadir görükmesidir.
Su görüşlerden hariç: "Bana göre çocuk
verilen ödevi başariylan sonuçladırmısdır,
cünkü verilen soruda cevapların almanca yazilacagına
dahil hiç bir şik bulunmamışdır, sadece meyvelerin
ismi soruda istenilmişdir”
Sorulan soru şeklinde başka kritik noktalar daha bulunmakaktadşr:
Nasil bir saçma soru sorma anlayısı bu sorunun soruş
biçiminde gizlidirki, kelimerin ismini sormak hayat biligisine
yakismayan bir biçimidir – belkide sadece soru soruluşun
içinde geçerli olan bir tesbitdir. Biraz hayretlen karşiliyoruzki,
sadece bir cevap hayat bilgisininde meyve isiminlerini sormak çok
basit olma sebebiyle, sorunun saçma olduğunu belli edip soruyu
geri ceviriyor olmasıdır.
Literatur
- Gomolla, Mechthild (2003): Fördern
und Fordern allein genügt nicht! In: Auernheimer, Georg (Hrsg.)
(2003): Schieflagen im Bildungssystem. Die Benachteiligung der Migrantenkinder.
Opladen: Leske + Budrich, S. 97-110
- Gomolla, Mechthild/Radtke, Frank-Olaf
(2002): Institutionelle Diskriminierung - Die Herstellung ethnischer
Differenz in der Schule. Opladen: Leske+Budrich
- Preissing, Christa/Wagner, Petra (2003):
Kleine Kinder - Keine Vorurteile? Interkulturelle und vorurteilsbewusste
Arbeit in Kindertagesein-richtungen. Freiburg: Herder
- Stoklas, Katharina (2004): Interkulturelles
Lernen im Sachunterricht. Historie und Perspektiven (www.widerstreit-sachunterricht.de,
beiheft 1).
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