Gerold Scholz, Professor
Ich finde das Deutschlandlied ein hervorragendes Beispiel für einen fächerübergreifenden Sachunterricht.
Ich kenne mich in Musikgeschichte und Musiktheorie nicht aus, aber das ist sicher ein Zugang.
Der zweite Zugang müsste sich mit Medientheorie beschäftigen: Unter welchen Umständen wird etwas zu einem medialen Ereignis?
Drittens ist Ökonomie im Spiel. Damit meine ich nicht die Gema-Gebühren oder den Verkauf einer CD mit dem Deutschlandlied, nicht einmal den Verkauf der billig in China gefertigten Flaggen und Wimpel, sondern das ökonomische Zusammenspiel von Verkauf und Reklame. Am Beispiel: Ein hessischer Sender hat den Leuten 10 OOO Euro geboten, die einen Wimpel am Auto hatten und deren Kennzeichen im Radio genannt wurde und die schnell genug angerufen haben: Wer den Wimpel hat, hat die Chance die allgemeine auf dem Sender laufende Werbung zu hören.
Viertens Psychologie und zwar Le Bon: Psychologie der Massen. Ist zwar alt aber stimmt wohl immer noch. Man kann es als Anleitung zur Hysterisierung von Massen lesen.
Fünftens kann man es bildungstheoretischen Perspektiven betrachten: Man hat vermittelt, dass eine Fahne und ein paar Verse Wissen ersetzen kann.
Sechstens die semiotische Perspektive: Wie ein Symbol dazu benutzt werden kann, sich mit realen und historischen Aspekten nicht beschäftigen zu müssen.
Siebtens die historische Perspektive. Dazu gibt es eine Reihe von Unterpunkten: Wann und unter welchen Umständen wurde das Lied zum Deutschlandlied erkoren, ab wann gibt es Deutschland und was ist das eigentlich?
Achtens eine geographische Frage: Wo liegt Deutschland eigentlich, wo sind seine Grenzen?
Neuntens und last not least: die politische Perspektive: Wozu braucht man eine nationale Identität?
Gerold Scholz
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Ulrike Bausch, Fachleiterin
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
seitdem ich unterrichte (1997) behandle ich die Nationalhymne fächerübergreifend in Sachunterricht und Musik. In der Grundschule haben wir ja das Glück, nicht so eng nach Fächern trennen zu müssen, im Gegenteil - Fächerübergreifung ist ja erwünscht (jedenfalls in NRW).
Abgesehen davon, dass ich es wichtig finde, ein gesundes Nationalbewusstsein zu fördern, kommt man um dieses Lied sowieso nicht herum, weil die Kinder es wie bei der Kollegin ja spätestens alles zwei Jahre "mitbringen", nämlich zur Fußball EM und WM.
In "Mozart & Co" aus dem Auer-Verlag wird die Geschichte des Textes m.E. kindgemäß erklärt, weitere Fragen der Kinder (und nach meiner Erfahrung haben die Kinder auch dazu viele Fragen) können dann in weiteren Unterrichtsgesprächen oder selbstständigen Nachforschungen geklärt werden.
Freundliche Grüße,
Ulrike Bausch,
Fachleiterin für Sachunterricht
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Marcel Peters, Student
Lieber Detlef Pech,
das Deutschlandlied sollte im Musikunterricht behandelt werden. Sicher ist es ein besonderes Lied, mit einer besonderen Geschichte, sonst würden wir uns nicht daran stoßen und die Frage stünde nicht zur Debatte. Dennoch scheint mir der musikalische Charakter das Entscheidende. Ich war mal Praktikant in einer Klasse, in der Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wurde. Einmal sagen mir die Kinder abwechselnd Lieder vor und baten mich dann, auch eines vorzusingen. Ich traute mich nicht und versuchte die Kinder abzulenken, in dem ich sie fragte, was sie denn gerade gesungen hätten. Antwort: das Lied des Landes, also die Hymne ... ich wäre wohl nie auf den Gedanken gekommen, dass Deutschlandlied anzustimmen.
Für die Grundschule halte ich folgende Überlegungen für angebracht: Das Deutschlandlied ist die Hymne der Deutschen. Es wird bei offiziellen Anlässen (Fußballländerspielen) gespielt und dient dann meist der Identifikation mit dem Staatsvolk. Es gibt wohl kaum ein Land ohne Hymne. Es gibt auch Hymnen, die sich auf kleinem Territorium behaupten (Lied der Bayern), aber auch freilich solche für Staatenverbände (Europalied). Entscheidend ist die Intension der Verbundenheit, durch musikalische Mittel (einfache Notenfolge, feierlicher Klang, eingängiger Text) ... deshalb gehört das Deutschlandlied in den Musikunterricht.
Mit freundlichem Gruß, Ihr Marcel Peters
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