Gerold Scholz, Professor
Also, ich finde es eine schöne Frage und da ich gerade dazu Lust habe
im Folgenden einige Fragen, die ich schon immer einmal an Kinder stellen wollte:
Warum lacht ihr über Situationen, über die ich nicht lachen kann?
Warum sagen nur Mädchen, aber nie Jungen: "Wenn du das nicht tust, was ich will, bist du
nicht mehr meine beste Freundin?"
Warum sagen Jungen, dass sie nicht mit einem Mädchen spielen würden und es aber tun;
und Mädchen, dass sie nie mit Jungen spielen würden, es aber auch tun?
Wenn man denkt, dass die Erde eine Scheibe ist, wohin fällt man dann, wenn man runter fällt?
So viel an Fragen.
Gerold Scholz
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Astrid Kaiser, Professorin
Ich habe eine Kinderunivorlesung zum Thema "Warum brauchen Astronauten Raumanzüge"
gehalten und meine Fragen gingen in Richtung Schwerkraft, Raketenantrieb etc.
Die Kinder fragten mich dagegen nach dem Alltagsleben von Astronauten, wie sie sich waschen
können, wie und was sie essen und wie sie schlafen. Für mich war danach klar, dass
Kinderfragen vor allem von biografischen Erfahrungen und Alltagsproblemen geleitet werden.
Aber darauf wissen wir als Wissenschaftler kaum Antwort. Ich wusste gerade mal, dass im
Spacelab mal eine Dusche eingebaut wurde, aber dass dies trotz aller Abschirmungsversuche nicht
geklappt hat und dass dann lauter Wassertröpfchen sich im Raumschiff ausgebreitet hatten.
Ich wusste lediglich etwas darüber, dass alles Astronautenessen mit Soße sein muss, damit die
Speise kompakt gehalten werden kann und sich nicht in Teilchen im Raumschiff verteilt.
Aber eigentlich wäre es gut, wenn wir auf die Fragen von Kindern, die sich stark um Leben und Alltag drehen,
mehr wissenschaftlich fundierte Antworten hätten.
Für mich war die Erfahrung der Kinderuniversität - wenn man einmal vom schrecklichen
Massenbetrieb absieht - ein wichtiger Impuls darüber nachzudenken, dass wir in der
wissenschaftlichen Erkenntnisentwicklung weit von den Kinderfragen entfernt sind und es
wurde mir deutlich, dass wir ohne Einbezug der Fragehorizonte von Kindern, unsere Sachfragen
nicht adäquat finden können, von daher ist die Suche nach den Kinderfragen wichtiger als wir
denken.
Aber welche sind es? Eine wichtige Perspektive scheint mir in subjektiven Zugängen zu liegen.
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Andrea Becher, Doktorandin
Aufgrund meiner Interviews für die Dissertation würde ich gerne von den
Kindern erklärt bekommen:
Was macht der Bundeskanzler/die Bundeskanzlerin? (in diesem Zusammenhang: Wie wird man
BundeskanzlerIn?)
Was macht der Bürgermeister/die Bürgermeisterin?
Wieso gibt es Krieg(e)? (und in diesem Zusammenhang: Wie 'macht'/erhält man Frieden? Was kann
man gegen Kriege tun?)
Was ist/macht die Bundeswehr?
Wer ist Gott und was macht er? (eigentlich keine SU-Frage, da Religion, doch die Kinder
argumentieren in meinen Interviews mit Gott, dem Glauben oder Nicht-Glauben an ihn, in Hinsicht auf gesellschaftspolitische Ereignisse und Entscheidungen)
Können Frauen Frauen und Männer Männer heiraten? (in diesem Zusammenhang: Aus welchem Grund
heiratet man/frau? Was ist eine Ehe/wie zeichnet sich diese aus?)
Wozu sind Computerspiele gut/schlecht? Was kann man aus Computerspielen zu bestimmten Themen lernen?
Das sind nur einige Punkte, die in meinen Interviews am Rande angesprochen werden, die die Kinder jedoch in ihre Argumentationen/Vorstellungen zum ‚Holocaust' im Kontext von ‚holocaust education' einbringen.
Und: Das ist nur ein kurzes Adhoc-Brainstorming, doch ansonsten würde ich mal wieder vergessen auf eure Fragen zu antworten. :)
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Dirk Plickat, Professor
Im Rahmen eines studentischen Projektes mit "Leasing&qout;-Kindern trat, wie
üblich bei solchen Fragen eben nicht passend zu allen Planungen der Erwachsenen, in einer
Pause eine Kinder-Frage zum Legitimationsproblem (Erziehungs-)Wissenschaft auf, die wohl
etwas quer zu populistischen Variationen des Themas Kinder-Uni liegt, mir jedoch
symptomatisch für strukturell verfestigte Schieflagen des "Generationenvertrages von Bildung"
im Sinne von "science of fortune" vs. u.a. www.bildungsbericht.de scheint:
Die Legitimationsfrage im ungefähren Wortlaut (nach Notiz):
"Wenn Uni die Schule für Lehrer ist, warum bekommen dann die Unis so viel Geld dafür,
dass sie herausfinden, was alle wissen, nämlich das Schule nicht richtig funktioniert und
die Kinder nicht richtig lernen? Das Geld ist dann weg für das "Rausfinden" und wir
haben keine Lehrer, die gut was können deshalb. Und die dann "rausfinden", was nicht
gut ist, wissen das eigentlich schon vorher. Und das ist doch so wie mit Reklame, was
die in den Unis mit den Lehrern machen. Und dann merken die, dass ihre Reklame nicht
stimmt. Und jetzt haben die so Tricks und wollen, dass wir das trotzdem glauben, wenn
wir mal so in die Uni gehen. Also bekommen die 2x, also die Unis, ganz viel Geld für das,
was sie nicht gut machen."
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Fragen von
Studierenden des Lehramts an Grundschulen im 1./2. Semester aus einer Einführungsveranstaltung
an der Universität Frankfurt
Was ist Sex und warum gibt es ihn?
Wo ist der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern?
Brauchen wir die Wissenschaft?
Braucht die Welt Erwachsene?
Wie könnte unsere Welt/Gesellschaft gut und friedlich funktionieren?
Warum scheint am Tag die Sonne und in der Nacht der Mond?
Wann ist man alt?
Warum "musst" Du zur Schule gehen?
Warum bist Du geboren und wo kommst Du her?
Warum ist es wichtig für Dich Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen?
Wie sollte gesunde Ernährung aussehen?
Haben Tiere auch Gefühle?
Wie kommt ein Kind auf die Welt?
Warum spielst Du gerne?
Was ist Euer Lieblingstier?
Warum habt Ihr Haustiere?
Redet Ihr mit Euren Haustieren?
Was redet Ihr mit ihnen?
Ich verstehe die Frage nicht so, dass ich sie nach etwas fragen würde, was ich nicht weiß, ich
würde sie eher danach fragen, wie sie Dinge aus ihren Augen sehen, also wie funktioniert das
mit Sonne & Erde, warum gibt es verschiedene Tiere, warum leben diese an verschiedenen Orten,
also grundsätzliche Fragen, die sie vielleicht noch gar nicht beantworten können, über die sie
aber in der Lage sind, sich (kreative) Gedanken zu machen und interessante Ideen zu entwickeln.
Ansonsten würde ich sie fragen, was sie über Erwachsenen denken.
Alle Beobachtungen von Kindern sind sehr scharf. Jegliche Fragen können von Kindern beantwortet
werden. Ihre Erklärungen sind meist phantastisch. Bsp.: Trockenrisse im Lehmboden. Kind
(3 Jahre) meint, ein Blitz hätte dort eingeschlagen.
Selbsterdachte Spiele lassen sich nur von Kindern erklären, z..B. Sortier-/Ordnungsspiele.
Wie nehmen Kinder z.B. Wald, Schule
und andere "Orte", auf die sie treffen,
wahr? Was erscheint ihnen daran wichtig?
Verhältnis zu Tieren und Umwelt?
Was darf oder sollte man essen?
Wie sie sich fühlen, wenn man Sexualkunde im Unterricht durchnimmt.
Wie lange, glaubt Ihr, sollte die Schule gehen und was wollt Ihr am liebsten lernen?
Was wissen Kinder von Politik?
Wie erklären Kinder das Wetter?
Was ist Natur, was künstlich hergestellt?
Wie sie das Schulsystem beurteilen.
Fragen nach ihren eigenen Interessen.
Wie sehen sie die spätere Teilung in der Sekundarstufe?
Ängste der Kinder.
Ich würde mit Kindern gerne über die neuen Sendungen und Filme reden
und sie fragen, was sie von der "Medienkultur" halten.
Auch die Frage nach dem Thema "Familie" wäre interessant.
Was ist Liebe?
Ich würde das Kind gerne fragen, wie es folgende Themen wahrnimmt/wahrgenommen hat: 11. September
2001, Kindersoldaten in Afrika
Ich würde es fragen, wie gut es über Computer, Internet, MP3-Player Bescheid weiß, bzw.
welchen Zugang es hat.
Ich würde das Kind fragen, wie viel Unterstützung es von den Eltern bekommt bzw. wie viel
Anleitung bei der Bewältigung seines Alltags und wie es dazu steht.
Wofür braucht man Mama u. Papa?
Warum gibt es Geld?
Warum gibt es Freizeit?
Warum werden Kinder zu Erwachsenen?
Was sind die wichtigsten Dinge in Deinem Leben?
Wie lange sollte man abends aufbleiben dürfen?
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Carina Dürr, wissenschaftliche Mitarbeiterin
Nun, was würde mich im Kontext des Sachunterrichts von Seiten der Kinder
interessieren:
Was bewegt die Kinder mehrdimensionale Denkstrukturen zu einem Thema heranzuziehen?
(im Sinne "bewusster" Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart)
Erläuterung - ich transferiere meine Anliegen in konkrete Fragen, die Kindern gestellt
werden könnten:
a) Was muss/ist bisher geschehen, damit dich ein Thema des Sachunterrichts besonders
interessiert? (Welche Phänomene stecken dahinter?)
b) Wenn dich ein Thema, z.B. Ritter, dann fasziniert - was führt dazu, dass du evtl. darüber
nachdenkst, ein Ritter heute zu sein? (Transfer I: Vergangenheit-Gegenwart)
c) Kennst du die Entwicklungen der Vergangenheit zum Heute? (Ist den Kindern historische und
gesellschaftliche Entwicklung bewusst?) (Wissen)
d) Kennst du die Unterschiede zwischen einem Ritter damals und einem "Ritter" heute?
(Transfer II: Historisch gewachsene Gegenwart - besteht Bewusstsein darüber?)
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Tina Meerwarth, Studentin
Mich hat ein Mädchen (8 Jahre) gefragt,
"aus was eigentlich Wasser besteht". Ich wusste hierauf spontan keine Antwort.
Nun könnte man also den Spieß umdrehen und den Kindern einmal die Frage stellen bzw.
sich einmal von Kindern erklären lassen: Aus was besteht eigentlich Wasser?
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Kommentar von Detlef Pech & Marcus Rauterberg:
Der Sachunterricht hat nur wenige Fragen an Kinder - oder zumindest erreichten uns nur wenige.
Lässt sich dies deuten?
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