Rubrik: Fragen & Antworten

 

Was bedeutet es, im Sachunterricht eine 5 im Zeugnis zu bekommen?

Kommentar

 

Reflexion

Berta López Ferreirúa, Studentin


Sehr geehrter Herr Dr. Rauterberg;

es ist sehr schwer eine "richtige" Antwort zu geben.
Meiner Meinung nach, sollten Interesse, Reproduktion und Produktion -des Kindes-, für die Notengabe berücksichtigt werden.
Da ich die Meinung von Grundschulkindern für wichtig halte, habe ich drei Viertklässlerinnen, im Alter von 9 und 10 Jahren, befragt. (Sie besuchen drei verschiedene Schulen und wurden getrennt voneinander befragt.)

Meine Frage lautete: "Wann sollte ein Schüler eine 5 im Sachunterricht bekommen?"

1. Schülerin:
"Ein Junge in meiner Klasse hat eine 6 bekommen, weil er nichts kann." Als ich sie aufforderte mir genauer zu erklären, was sie meint, sagte sie: "Ja, er gibt in den Arbeiten immer blöde Antworten. In der letzten Arbeit fragte die Lehrerin: Warum fliegen Vögel nach Süden? Und er hat als Antwort, einen Vogelnamen hingeschrieben. Oder, eine andere Frage: Was bedeutet Winterstarre? Er schrieb "Reh" hin. Das ist doch schlimm. Er muss doch eine 6 bekommen."

2. Schülerin:
"Wir bekommen keine Noten. Aber durch Punkte weiß man, ob man gut ist. Ein Junge hat im letzten Kontrolltest im Sachunterricht 30 Punkte bekommen, von 65, weil er sehr wenige Fragen beantworten konnte. Weißt du, Berta, er hört nicht zu und macht nichts zu Hause. Kein Wunder, dass er nichts kann."

3. Schülerin:
"Bei uns hat ein Junge eine 5 bekommen, weil er nie was weiß. Er vergisst auch viel."
[Meine Zwischenfrage: "Was vergisst er?"]
"Er vergisst was wir im Unterricht gemacht haben, wenn die Lehrerin ihn danach fragt. Er ist auch die ganze Zeit am schwätzen. Und er vergisst immer die Hausaufgaben. Das ist eben eine 5."

 

Hans-Christian Dederer, Student

Diese Frage, klingt sie doch so einfach, ist in ihrer Kernaussage eine Frage nach der Rechtfertigung des Faches SU gegenüber anderen Fächern wie Mathe oder Deutsch.

Meine Antwort lautet:
Der SU hat die Aufgabe und die Pflicht sich selbst zu rechtfertigen, in dem er Kindern die Lebensnotwendigkeit von Wissenschaft und Forschung in der heutigen Welt aufzeigt.

Das Problem bei der Frage ist, dass man keinen Pflichtkanon im SU haben kann wie in anderen Fächern (z.B. Mathe). Deswegen kann man auch zuerst keine stichhaltige Antwort geben, wenn man fragt was MUSS man im SU gelernt haben.

Ebenso ist es schwierig einen erfolgreichen SU im praktischen Leben sichtbar zu machen. Nur beim genaueren Betrachten kann man feststellen, ob der SU seine Pflicht getan hat:
Das kann sich im sozialem Engagement des Schülers zeigen oder einfach nur in der Tatsache, dass eine Person den Sinn und Zweck von Nachrichten (o. Ä.) schon in früher Kindheit entdeckt und schätzen lernt.

Mit dem SU muss ein Grundstein für das wissenschaftliche Denken gesetzt werden, hierbei kommt es weniger auf das Verständnis eines gewissen Sachverhalts sondern eher um das Wissen, dass die Wissenschaft praxistauglich und Lebensnotwendig ist. Deshalb wird eine Benotung in diesem Fach sehr schwer fallen, sollte man nicht stupides Auswendiglernen als Ziel sehen.

 

Joachim Kahlert, Professor

Lieber Herr Pech,

nur ganz kurz: Ihre Frage gibt m.E. nicht den Sinn der einleitenden Fragen wieder. Die Fragen nach dem Igel etc. sind Fragen nach dem Bildungswert des damit verbundenen Wissens. Die Frage nach der "5" im Zeugnis ist eine Frage nach gescheiterten Lernprozessen und vielleicht auch unzulänglichen Leistungsbeurteilungen. Die 5 im Zeugnis bedeutet schlechten Unterricht und/oder unzureichende individuelle Förderung. Über den Bildungswert des Igels oder der anderen von Ihnen angesprochenen Inhalte sagt sie nichts aus.

Schönes neues Jahr und beste Grüße

Joachim Kahlert

 

Gerold Scholz, Professor

Lieber Detlef Pech,

man wird unterscheiden müssen zwischen deskriptiver und normativer Aussage. Zuerst zur deskriptiven, d.h. zu meinen Erfahrungen darüber, was zur Zeit Praxis ist.
Um beim Igel zu bleiben: Wenn man sich wirklich für Igel interessiert, zum Beispiel für ihre Stachel, ihre Flöhe, wie sie praktisch und faktisch Geschlechtsverkehr betreiben oder sich vielleicht gar küssen; was die Alten tun, damit sie ihre Kinder nicht mit den Stacheln aufspießen usw.
Wenn Schüler also nicht wissen, wovon sie sich ernähren, dass sie Winterschlaf machen, nicht wissen, dass er ein Säugetier ist usw. Also alles das nicht wissen, wonach die Ordnung der Biologie dieses Tier von anderen unterscheidet; kurz: wenn sie die Ordnungskategorien nicht verstanden haben.

Das ist der eine Anlass.

Der zweite ist schwieriger zu erklären. Schüler bekommen eine schlechte Note, wenn sie nicht verstanden haben, dass der Lehrer nicht wirklich etwas über Igel wissen will, sondern nur, ob das von ihm vermittelte Wissen beim Schüler angekommen ist. Man kann sagen: Ein Schüler bekommt eine schlechte Note, wenn er nicht verstanden hat, welches Sprachspiel in der Schule gespielt wird.

Der dritte Anlass liegt dann vor, wenn Schüler Schwierigkeiten haben, sich sprachlich auszudrücken, das in Worte oder Sätze zu fassen, was sie meinen.

Alle drei Anlässe hängen miteinander zusammen.

Zum normativen.
Erstens kann es eigentlich keine Fünf in einem Fach geben, dass alle Kinder interessiert.
Zweitens darf es keine Noten in der Grundschule geben.
Drittens würde ich einem Schüler- einmal - als Botschaft an die Eltern eine 5 geben, wenn ich merken würde, dass die Eltern den Lexikonstoff mit ihrem Kind für die Prüfung gepaukt haben.

Viele Grüße
Gerold Scholz

 

Stefanie Haible, Lehrerin

Hi,

ihr sprecht da eine Sache an die mich auch immer wieder beschäftigt. Ich könnte im Sachunterricht total auf Noten verzichten (eigentlich auch sonst...). HuS ist mein Lieblingsfach als Lehrer und ich möchte den Kindern da einfach die Augen für die Welt um sie herum öffnen. Interesse wecken und ihnen zeigen, wie man sich Dinge erschließen kann. Ob sie dann wirklich auf einer Wiese 20 Blumen bestimmen können oder nicht, ist nicht so wichtig. Ich denke wenn man z.B. erreicht, dass sie mit offenen Augen über die Wiese gehen und wissen möchten wie die Blumen heißen und dann ein Bestimmungsbuch holen um nachzuschlagen, dann ist das doch schon sehr viel. (Klar ist man stolz, wenn man ein paar Namen auch ohne Buch kennt).
Ich hab noch nie eine Fünf in HuS gegeben. Mündlich, Heftführung und Test zählen zu gleichen Teilen. Kinder die ganz engagiert im Unterricht dabei sind, Bücher mitbringen oder zu Hause in ihrem Heft noch selbständig weiterarbeiten, aber vielleicht einfach Mühe haben sich Dinge zu merken, sollen die gleichen Chancen haben wie irgendwelche "Überflieger", denen die Einsen im Test zufliegen, aber die sonst kein besonderes Engagement zeigen. Aber was ist schief gegangen, wenn dieses Engagement fehlt?? Nicht an allem sind wir Lehrer schuld! Wenn ich mein Bestes gebe und trotzdem nicht alle packen kann und lauter "kleine zukünftige Wissenschaftler" heranziehe, dann sitzen da halt noch kleine Musiker oder Sportler - und u.U. kleine Gameboyfreaks. Natürlich bin ich auch manchmal frustriert, wenn im Test auf die Frage, aus welchem Getreide man Haferflocken macht als Antwort &146;Weizen‘ dasteht - aber genauso oft kommt in Mathe bei 4x7= 30 raus!

So viel für den Anfang!
Tschüs
Stefanie Haible

 

Thomas Sperber, Lehramtstudent


Die Note 5 steht für eine mangelhafte Lernleistung. Schüler, die eine 5 im Sachunterricht haben, haben das Lernziel der Klasse also nur mit deutlichen Mängeln erreicht. Der Umfang und Gehalt des Lernziels, wird allerdings vom Lehrer/in festgelegt. Er/Sie bestimmt, welches Teilwissen relevant ist und vom Schüler gelernt werden muss, um damit ein sehr gutes Sachwissen attestiert zu bekommen.
Welches Sachwissen ist nun aber wirklich relevant? Und wird es in 10 Jahren immer noch relevant sein? Sockelqualifikationen im Bereich Mathematik und Deutsch lassen sich leicht definieren. Ich könnte im Gegenzug nicht rekapitulieren, welche Wissensbasis mein Sachwissen stützt. Themen, die zu meiner Schulzeit im Sachunterricht durchgenommen wurden, wurden in der weiterführenden Schule nicht mehr aufgegriffen und den Großteil habe ich folglich wieder vergessen.
Wozu ist Sachunterricht also gut? Der kurzfristigen Beschäftigung mit einer Sache kann ich nur in dem Zusammenhang Bedeutung beimessen, dass sie helfen kann, ganz allgemein den Blick für die Welt ein wenig zu öffnen. Im Sachunterricht sollte die Herangehensweise an einen Gegenstand und dessen Erforschungsmöglichkeiten exemplarisch erprobt werden, um den Kindern eine Sockelqualifikation zu vermitteln, die ihnen dauerhaft etwas bringt. Eine Leistungskontrolle ist so zugegebenermaßen schwierig. Dennoch dürfte der Lernerfolg größer sein, als ihn das nüchterne Abfragen von Teilinformationen über eine Sache bringt. Das elterliche und kindliche Desinteresse an einer mangelhaften Sachunterrichtsnote ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen verständlich.

 

Jürgen Liepe, Professor

Sehr geehrter Herr Pech,


ich habe Ihre Frage an meine Frau weitergeleitet, die seit mehr als 30 Jahren in der Grundschule arbeitet und dort auch immer und gerne Sachunterricht erteilt hat und mit mir der Meinung ist, dass der Sachunterricht im Zentrum der Arbeit in der Grundschule stehen sollte.
Sie hat sich über die Frage geärgert und sie als "akademisch" bezeichnet. Sie kann sich nämlich nicht erinnern, - und kennt auch an ihrer Schule keine Kollegin, die so etwas tut- jemals eine "5" im Sachunterricht erteilt zu haben. Sie meint, das ginge ebensowenig wie in "Kunst", weil irgendetwas "Verwertbares" von jedem Schüler kommt, der schulfähig ist. Kinder, die in einem bestimmten Sinne nicht schulfähig sind, müssten sowieso anders beurteilt werden.
Ansonsten hält sie es für eine gesicherte grundschuldidaktische Erkenntnis, Leistungen verbal nach Kriterien zu beschreiben, so dass die Frage nach einer "Ziffern - Zensur" den Frager grundschul-pädagogisch irgendwie dis-"qualifiziert".

Sie fragte sich außerdem nach dem Sinn der Frage: wenn ein echtes wissenschaftliches Interesse besteht, sei dies der falsche Weg zur Beantwortung (was ihrerseits - also von Seiten meiner Frau - ein bestimmtes traditionelles Methoden- Verständnis voraussetzt, denn es könnte ja sein, dass Ihre Frage Teil einer -verdeckten- Erhebung ist, die bei einer klar begrenzten Population mittels e-mail ein Meinungsbild erfassen will). Empirisch gesicherte Fakten seien jedenfalls auf diese Weise nicht zu erhalten und beliebiges "chatten" über eine Sache ist zwar sehr modern, aber für eine sachliche Lösung ebenso folgenlos wie die meisten "Stammtischgespräche" (wie man früher sagte). Frau könnte ihre Zeit für die Schule sinnvoller einsetzen...

- und deshalb schreibe ich Ihnen auch diese Antwort, damit Sie wenigstens erfahren, was eine von vielen Adressatinnen über Ihre Frage denkt.

Mit guten Wünschen für Ihre Arbeit an der Universität Lüneburg,
Juergen Liepe

 

Susanne Gerdes, Fachseminarleiterin

Lieber Kollege Pech,

diese Frage tut sich wahrhaftig in letzter Zeit immer häufiger auf, nachdem Sachunterricht an Stellenwert für die Schullaufbahnempfehlung zugelegt hat (was ja eigentlich im Sinne der Fachdidaktik ist, aber offenbar im Sachunterricht besonders komplex ist). In meinem Fachseminar Sachunterricht sind wir dieser Frage auch nachgegangen und haben ein Raster entwickelt (wobei wir Raster durchaus auch kritisch sehen; es sollte nur ein Bewertungsteil zusätzlich zur Beobachtung / ev. Portfolie o.ä. sein). Die Bewertungskriterien sind darin erweitert um die Methoden- und Sozialkompetenz, um mehr als kognitives Wissen zur Beurteilung heranzuziehen. Ich schicke das Raster im Anhang mit. Für Anregungen und Hinweise wären wir durchaus dankbar! Zieht man das Raster heran, ergäbe sich eine 5 nur für einen Schüler, der in allen 5 Kriterien bei der untersten Stufe liegt. Man beachte jedoch, dass eine große Rolle die Entscheidung der Fachkonferenz spielt, z. B. welchen Anteil der mündlichen Mitarbeit zukommen soll, denn ein hoher Prozentrang hier, führt z. B. bei zurückhaltenden Kindern schnell dazu, dass sie eine 2 nicht mehr erreichen. Einige Schulen haben im letzten Schuljahr das Raster erprobt und empfanden es zumindest hilfreich für die schwierige Frage der Zensurenfindung.

Mit freundlichen Grüßen, Susanne Gerdes

 

Drei Lehramtsstudierende aus Frankfurt

Was bedeutet eine 5 im Sachunterricht?


  • es ist schwierig zu sagen, was eine 5 im Sachunterricht bedeutet, da in dem Fach Sachunterricht viel mehr Faktoren für die Benotung eine Rolle spielen als in anderen Fächern. Die Kinder können praktisch arbeiten, schriftlich, es gibt viele verschiedene Themen und Experimente. Es müsste eigentlich von dem Themenbereich für jeden etwas dabei sein.
  • das Kind müsste also vollkommen teilnahmslos und desinteressiert sein, sich also auch an den praktischen Arbeiten nicht beteiligen. Außerdem müsste es vom Verhalten extrem negativ auffallen.
  • Es könnte natürlich auch an dem aktuellen Thema liegen, das dem Kind nicht gefällt und es kein Interesse zeigt.
  • eine 5 im Sachunterricht ist demnach nicht sehr leicht zu vergeben und sollte auch nicht oft vergeben werden, da sich in diesem Fach eigentlich jeder irgendwie einbringen kann.
 

Peter Schulze

Was bdeutet es im Sachunterricht eine 5 im Zeugnis zu bekommen?

Die Frage selbst beinhaltet drei Irrelevanzen, die zuvor aufgezeigt werden müssen. Möglicherweise erweist sich dann die Frage selbst auch als irrelevant.

1. Irrelevanz:
Seit nun über 30 Jahren wird in der Erziehungswissenschaft die Fragwürdigkeit der Zensurengebung (Ingenkamp, Jürgens) beklagt. Inzwischen existieren reichlich angemessenere Methoden der Leistungsrückmeldung (Z.B. Arnold: "Strukturelemente und Verlauf einer lernförderlichen Leistungsbeurteilung"). Dank internationaler Vergleiche wissen wir, dass Zensuren als Selektionsinstrument, wie es in Deutschland üblich ist, durchaus lernhinderlich sein können, dies als 5er oder 6er Notation auch meistens sind.

2. Irrelevanz:
Die Fragen in Zusammenhang mit der 5 beinhalten ausschließlich formales Wissen. Nichts gegen formales Wissen aber das muss angesichts der immer noch stattfindenden Wissensexplosion schlicht administrativ begrenzt werden. Dem dienen die Richtlinien der Länder. Dies ist jedoch ein nachrangiger Gesichtspunkt. Relevanter als formales Wissen ist nach meiner Überzeugung allemal prozedurales Wissen, das durch Kompetenzkataloge beschreibbar ist. Eine Bewertung von Leistung müsste nach heutigem Wissensstand auch im Sachunterricht nach Kompetenzen vorgenommen werden. Der "Perspektivrahmen Sachunterricht" der GDSU liefert eine hinreichende Grundlage für die Erstellung von Mindestkompetenzen oder auch Kompetenzstufen.

3. Irrelevanz: Lernen ist bekanntlich ein selbstgesteuerter Prozess, der intensiv durch motivationale Komponenten beeinflussbar ist. Wir lernen nichts, von dessen Notwendigkeit wir nicht neuronal überzeugt sind (und wenn doch, vergessen wir's ganz schnell). Im Lernen über ein halbes Jahr - dem Zeitraum des Halbjahreszeugnisses - sind in der Regel unterschiedlichste Unterrichtsgegenstände zu bearbeiten. Sollte sich beim ersten erfolgloses Lernen zeigen, müssen sofort Diagnose- und Steuerungsmechanismen greifen (Gespräche, Tests, Hilfestellungen). Ist andererseits das 1. Thema erfolgreich bearbeitet, kann eine 5 kaum noch stimmig sein.
Ein solches Diagnose- und Steuerungsdenken sollte Erfolglosigkeit zuverlässig zu verhindern wissen.

Daher meine Antwort auf die Frage:
"Es bedeutet, dass die Lehrkraft unfähig war."

 

Claudia Betsche, Studentin

Antworten aus einem Gespräch mit Kindern einer Hortgruppe

Was bedeutet es, im Sachunterricht eine 5 im Zeugnis zu bekommen?

Das bedeutet, dass man eine schlechte Note hat, dass man nicht gut aufgepasst hat.
Oder der Lehrer bringt es schlecht bei.
Wenn man eine schlechte Note hat, kann es aber nur das Kind gewesen sein und nicht der Lehrer.
Nein, wenn ein Kind oder 2 Kinder was falsch haben, dann haben sie nicht gut aufgepasst. Aber wenn mehr als die halbe Klasse es falsch hat, hat die Lehrerin es nicht gut erklärt.
Dann wären die Arbeiten überhaupt nicht durchgekommen. Dann war es halt zu schwer.
Die T., die hat eine 5 und die schickt der E. und der S. immer Briefe im Unterricht und passt nicht auf. Und wenn sie dann auf der Karte was zeigen soll, dann weiß sie es nicht.
Genau, die meisten passen nicht auf und schwätzen und schicken Briefe.
Manchmal liegt es bei der T. auch daran, dass sie es einfach nicht rafft. Ja, weil manchmal hat sie nicht den Mut, Frau X zu fragen, weil die manchmal so losbrüllt und sagt, das ist jetzt ja nicht so schwer zu verstehen. Ja, die kommt ja auch aus einem anderen Land und dann kann die das nicht so gut verstehen, weil sie halt ausländisch ist.
Ich finde, die Frau S. macht Sachunterricht ganz gut. Nicht langweilig, man lernt dabei und sie erklärt auch gut. Ich glaube, ich weiß, woran das liegen kann. Die Lehrerinnen oder die Lehrer machen das zu langweilig und die Kinder nicken dann irgendwie weg, schlafen ein, meine ich. Bei Frau X. ist das halt so, die wird schnell sauer und dann trauen sich die meisten Kinder nicht, irgendwen zu fragen.

Zum Lernen für eine Arbeit im Sachunterricht:

Vielleicht denkt sie (T.) auch einfach nicht daran, weil nach der Schule ist keine Schule mehr und dann kann ich schnell meine Hausaufgaben machen und dann habe ich Freizeit, dann kann ich spielen.


Zum Vermeiden einer 5 im Sachunterricht (Methode der Lehrerin aus Sicht der Kinder):

Nicht streng sein, ist die beste Methode. Dann gewinnt man das Vertrauen von den Kindern, wenn man nett zu ihnen ist. Man soll auch nicht immer gleich losbrüllen, wenn sie (die Kinder) irgendwas machen.


Alina Marie Hippert (Name von ihr selber geändert), 9 Jahre alt und in der 4. Klasse:

"Wenn ein Kind eine fünft in seinem Zeugnis schreibt heißt das für mich das entweder der Lehrer schuld hat weil er z.B. den Unterricht langweilig gestaltet und die Kinder nicht zu höhren. Die andere Möglichkeit ist das die Kinder einfac keinen bock haben. Es gibt so vielemöglichkeiten aber ich habe keine Lust mehr."


Olga (Name von ihr selber geändert), 9 Jahre alt und in der 3. Klasse:

"Ich finde es gut das unsere Lehrerin in Sachkunde immer alles so gut erklert und uns immer alles mit irgendwelchen sachen darstellt. Wenn eine aus der Klasse eine 5 im Zeugnis hat dann bedeutet das entweder nicht aufgepst hat oder die Lehrer in es nicht gut erklärt hat oder manchmal können die Kinder sich sachen nicht merken können und dann in sachkundearbeiten nicht die richtigen sachen hinschreiben."


Tubby (Name von ihm selber geändert), 8 Jahre alt und in der 3. Klasse:

  • "Vielleicht wenn man zu viel lernt, wird man unsicher, dann macht man viele Fehler.
  • Wenn man sich schon auf die nächste Frage konzentriert schon.
  • Weil man sich zu sicher ist, dass man alles kann und deswegen unkonzentriert ist.
  • Weil der Unterricht zu langweilig ist. Weil man nicht bei der Sache ist und anfängt zu träumen.
  • Weil sich Schüler nicht trauen zu fragen, wenn sie was nicht verstehen.
  • Angst vor schlechter Note → Unkonzentriert"

Sören (Name von ihm selber geändert), 9 Jahre alt und in der 3. Klasse:

"Es kann sein dass der Sachunterricht dem Kind zu langweilig und es dann nicht mehr richtig auppasst. Dabei kann es auch an der Lehrerin bzw. Lehrer liegen. Meistens liegt es daran dass das betreffende Kind aus verschiedenen Gründen nicht richtig aufgepasst hat."


Alex (Name von ihm selber geändert), 8 Jahre alt und in der 3. Klasse:

"Ich glaube das der unterricht zu langweilig ist und das die Kind einikt (einschlafen.)"


Lucy (Name von ihr selber geändert), 8 Jahre alt und in der 3. Klasse:

"Ich finde es gut wenn mann eine 1, 2, 3 im Zeugnis hat wenn mann eine 4 im Zeugnis hat ist es noch okay. Eine 5, 6 im Zeugnis hat dann ist mann schon schlecht. Meistens liegt es daran das sie es nicht kapieren und sie trauen es sich nicht zu fragen."


Jana, 9 Jahre und Jo, 9 Jahre (Namen von ihnen selber geändert), beide sind in der 4. Klasse:

"Eigentlich finden wir manche Kinder passen in Sachkunde einfach nicht auf und haben deshalb eine 5 im Zeugnis. Manche Lehrer aber können nicht so erklären, das die Kinder es verstehen. Außerdem haben manche Kinder Angst es der Lehrerin zu sagen das sie es nicht raffen."

 

Brunhild Landwehr, Wissenschaftliche Angestellte

Was bedeutet es im Sachunterricht eine 5 im Zeugnis zu bekommen?

Die Frage wurde Sachunterrichtsstudierenden des Seminars "Kompetenzen im Sachunterricht - Kompetenzen für den Sachunterricht" durch die Dozentin Dr. Brunhild Landwehr unvorbereitet gestellt und um eine schriftliche Antwort (Zeit: 15 Minuten) gebeten.

    • Eine solche Note müsste schwerwiegende Gründe wie Arbeitsverweigerung und Unterrichtsstörung statt Interesse haben
    • Zu überlegen wäre hierbei, woher diese Arbeitsverweigerung kommt, bspw. mangelndes wissenschaftliches Fassungsvermögen und damit verbundene Überforderung. Oder wird das Kind unterfordert?
    • Eine solche Note kann im Fall der Arbeitsverweigerung eine Grenze sein die dem Kind gesetzt wird und pädagogische Funktion haben, was heikel wäre (Wirkung?)

    • Das Kind hat wenig "Allgemeinwissen/ Alltagswissen" von den Eltern vermittelt bekommen, sodass es Schwierigkeiten hat, dem Stoff zu folgen.
    • Das ist sehr schade, denn eigentlich sollte der Sachunterricht interessant und vielschichtig aufgebaut sein, so dass jedes Kind irgendwie und irgendwo seine Interessen wieder findet.
    • Das Kind scheint Schwierigkeiten zu haben, sich mit Themen aus der Natur, dem Alltag usw. auseinanderzusetzen (überfordert).
    • Vielleicht passt das Kind auch nicht genug auf und unterschätzt die Ansprüche des Sachunterrichts (lernt also zu wenig).
    • Das Kind könnte genauso gut unterfordert sein.

    • Für das Kind: Frustration, das Gefühl unfähig zu sein, evtl. das Gefühl, dass der Lehrer es nicht mag
    • Rechtfertigung durch den Lehrer: Kind hat Lernziele nicht erreicht, Mitarbeit verweigert, nie Hausaufgaben gemacht, zeigt kein Interesse, stört Mitschüler durch seine Verweigerungshaltung und sein Desinteresse
    • Konsequenzen für den Lehrer: Warum ist es nicht gelungen, das Kind zu interessieren, seine Kompetenzen zu erweitern?

  1. Das Kind
    • kann sich natürliche Vorgänge und physikalische Prinzipien nicht vorstellen/ nicht hineindenken
    • zeigt kein Interesse / keine Neugier
    • wurde vielleicht von den Eltern nicht gefördert (Unternehmungen wie Zoobesuch, Museum, Spaziergang…)
    • hat wenig Allgemeinwissen
    • wenig Vorstellungsvermögen

    • Mögliches allgemeines Schuldesinteresse
    • Langweilige Themen wurden behandelt Þ das Kind wollte sich nicht mit diesen Themen auseinandersetzen
    • Keine Teilnahme
    • Wenig Wissen über die Welt, das Leben
    • Möglicherweise zu wenig/ keine Kommunikation im Elternhaus, keine Denkanstöße etc.
    • Zu sehr kindliche Vorstellungen von der Umwelt, die vom Lehrer dann ignoriert wurden

    • Wie kann das sein? Ist nicht jedes Kind an etwas interessiert?
    • Weshalb hat das Kind eine 5 bekommen? Wurde das Kind im Sachunterricht nie beobachtet, um eine Benotung 5 vermeiden zu können?
    • Wenn das Kind eine 5 bekommt, kann das nicht nur am Kind liegen.
    • Wie war denn sein Verhalten im Unterricht? War es immer bockig und wollte nicht am Unterrichtsgeschehen teilhaben? Das hätte einem doch auffallen müssen!

  2. Keine eindeutige Antwort, da abhängig von zahlreichen Faktoren, wie z.B.:
    • Fehlendes Interesse
    • Kognitive Defizite
    • Private Probleme etc.
    • Vorausgesetzt ein Kind ist interessiert und nicht extrem leistungsschwach oder anderweitig benachteiligt, dann
    • Fehlende Erfahrung mit der Umwelt
    • Unzureichendes Vorwissen, Präkonzepte
    • Fehlende Strategien/ Erklärungsansätze Phänomene zu erklären

    • Das Kind wurde durch die Lehrkraft nicht genügend motiviert/ durch den Stoff nicht angesprochen
    • Es hat "abfragbaren Stoff" nicht gelernt, ihn falsch oder gar nicht beantwortet
    • Die Lehrkraft hat das Kind als faul/ dumm abgestempelt und es nicht mehr beachtet (war bei uns im ASP der Fall)
    • Mündliche Mitarbeit seitens des Jungen hat also nicht mehr stattgefunden (wird eh nicht beachtet)
    • Hausaufgaben wurden nicht oder nur ungenügend gemacht

    • Es ist schwer, das Kind zu erreichen, da es wahrscheinlich in vielen Bereichen Probleme hat
    • Ich würde nur eine 5 geben, wenn ich trotz Bemühungen merke, dass das Kind sich nicht einmal bemüht
    • Es hat Hausaufgaben permanent nicht angefertigt
    • Wiederholt Inhalte der letzten Stunde überhaupt nicht

    • Neugierde auf Welt fehlt
    • Evtl. Abneigung gegen Lehrkraft?
    • Keine Kooperation bzgl. Sozial- und/ oder Lernverhalten → Verweigerungshaltung und Aggression
    • Angst?

    • Das Kind macht nie mit, verweigert sich, zeigt kein Interesse
    • Warum ist Neugier verloren gegangen? Trotzreaktion auf bestehende Umstände?

    • Lehrer hat Stoff nicht so vermittelt, dass das Kind es verstanden hat
    • Kind hat kein Interesse an Sachunterricht und arbeitet dementsprechend nicht mit, passt nicht auf, lernt nicht
    • Vom Lehrer wurden Arbeitsweisen bevorzugt, die dem Kind nicht zusagen → Kind hat dadurch nichts aus dem Unterricht mitgenommen
    • Wenn Kind eine 5 bekommt, denkt es wahrscheinlich, Fehler liegt bei ihm/ihr, dass es dumm sei und strengt sich in Zukunft nicht mehr an, da es ja doch nichts an seiner/ ihrer Dummheit ändern kann

    • Lehrer denkt, er hat etwas falsch gemacht oder beim Kind sind die Kompetenzen (Wissen, Neugier, mit anderen zusammenarbeiten…) nicht so gut ausgeprägt
    • oder Lehrer versteift sich nur auf eine Lösung → Lösung des Kindes ist für ihn falsch
    • Kind hat keine Vorerfahrungen mit Kompetenzen → wurden von Zuhause nicht vermittelt

    • Schlecht für Motivation
    • Wie bewertet der Lehrer? Erkennt er z.B. nur einen möglichen Lösungsweg als richtig an?
    • Eltern haben evtl. schlechten Eindruck vom Kind
    • Schlechte Noten in Tests
    • Unaufmerksam, arbeitet nicht mit
    • Wenn das Kind sich Mühe gibt und engagiert ist, dann ist eine 5 nicht zu rechtfertigen
    • Auch nach Ansprechen verschiedener Lernertypen und Lernstrategien wird das Kind nicht besser

    • Dieses Kind hat das von der LehrerIn festgelegte Ziel nicht erreicht. Im Sozialmaßstab der Klasse bleibt es zurück.
    • Meiner Meinung nach ist eine 5 im Sachunterricht ein Zeichen dafür, dass dem Kind zu wenig individuelle Entfaltungsmöglichkeiten gegeben worden sind und eigene Zugangsweisen zu einem Inhalt verweigert wurden.
    • Eine 5 bedeutet mangelhaft, somit müsste das Kind in allen Bereichen des SU, sei es bezüglich der Inhalte oder des sozialen Verhaltens in der Klasse ein mangelhaftes Interesse, Verstehen, Verhalten zeigen. Meiner Meinung nach ist dies in der Grundschule nicht der Fall und die Lehrkraft sollte über Veränderungsmöglichkeiten bezüglich der Inhalte, ihrer Darbietung und ihrer Vermittlung nachdenken und nicht dem Kind Kompetenzen in jeglichen Bereichen des SU absprechen.

    • Hängt vor allem davon ab, welche Vorstellung die Lehrkraft von dem Sinn/ Ziel des SU hat; d.h., wenn es rein um die Wiedergabe von Wissen geht, dann würde ein Kind eine 5 bekommen, wenn es im Unterricht und in einem eventuellen Test durchgenommene Themen, Schlagwörter und Bezeichnungen etc. nicht kennt, nicht beantworten, nicht wiedergeben kann.
    • Wenn man vom Kind bzw. vom SU erwartet, dass weitere Kompetenzen, wie Erschließung seines Lebensraumes, eigenes Schlussfolgern, selbstständiges Erarbeiten, Erkennen etc. erwartet werden, dann würde das Fehlen oder der Mangel von bestimmten Wissensinhalten eine 5 nicht rechtfertigen, sondern dann müssten auch gravierende Mängel in den oben angeführten Kompetenzen bestehen.
 

Eine Studentin

Was bedeutet es, im Sachunterricht eine 5 im Zeugnis zu haben?


Sophie, 3. Klasse

Hhmm, ich hab´ keine. Ich glaube eine 5 kriegt man, wenn man alles falsch macht und so. Oder vielleicht wenn man gar nichts weiß.


Felix, 4. Klasse

Also ne 5 im Zeugnis kriegt man, wenn man ganz viel schwätzt. Also wenn ich jetzt zum Beispiel immer mit dem Fabian Blödsinn machen würde. Machen wir aber nur manchmal. Aber dann glaub ich würden wir ne 5 kriegen.
Nachfrage: Und speziell im Fach Sachunterricht?
Da auch, wenn wir immer stören würden und so.


Svenja, 4. Klasse

Das ist schwierig. Also wenn ich beim Diktat ganz viele Fehler mache, bekomme ich eine 5, aber das ist ja im Sachunterricht nicht so. Aber wenn ich die Fragen beim Test alle falsch mache, krieg ich da auch ne 5.


Anna, 4. Klasse


(überlegt einige Sekunden)
Ich weiß nicht. Also bei uns in der Klasse hat keiner eine bekommen. Ich kann mir das auch gar nicht vorstellen. Wir machen da alles so Sachen die wirklich Spaß machen. (überlegt wieder einige Zeit) Also ne 5 kann man dann nur kriegen, wenn man gar nichts macht und nichts sagt. Aber das macht bei uns keiner.


Alex, 3. Klasse

Mmh...ich weiß nicht. Wenn man nicht zuhört und auch nichts lernt.


Sascha, 3. Klasse

Ne 5, oje! Da würde meine Mama schimpfen. Die würde ich einem Kind geben, wenn es nie die Hausaufgaben macht. Man kann die ja mal vergessen, aber nicht immer. Und wenn das so oft passiert, dann kriegt man ne 5.
Nachfrage: Und speziell im Fach Sachunterricht? Da auch!


Marcel, 4.Klasse

Im Sachunterricht ne 5? Ich hab ne 2. Aber in Mathe hab ich schon mal fast ne 5 gekriegt (grinst). Schreibst du das jetzt auch auf? Das hab ich aber nicht kapiert, das waren so blöde Aufgaben. Im Sachunterricht machen wir so blöde Sachen nicht.

 

Waltraud Holl-Giese, Professorin

Lieber Herr Pech,

interessant ist die Bedeutung der SU-Note für die Versetzung innerhalb der Grundschule und in die weiterführenden Schulen, hier Baden-Württemberg betreffend:
Schüler(innen) können mit einer 5 versetzt werden - die Fächer M,D und SU betreffend. Für das Anmeldezeugnis zum Wechsel in die Realschule oder das Gymnasium ist nur die D- und M-Note relevant ( 3,0 bzw. 2,5); SU zählt nicht bzw. nur mit folgender Einschränkung: "das Lern- und Arbeitsverhalten des Schülers, die Art und Ausprägung seiner schulischen Leistungen auch in den übrigen Fächern sowie seine bisherige Entwicklung". Sie müssen erwarten lassen, dass er den Anforderungen der RS oder des Gym entsprechen wird (Aufnahmeverordnung § 3 in Baden-Württemberg). SU zählt also zu den übrigen Fächern - deren Note weniger bedeutsam ist.
Eine Empfehlung wäre evt. auch mit einer Note 5 noch möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich!

Es grüßt, W. Holl-Giese


 

Petra Millhoffer, Professorin

Hallo zusammen, zu der Frage unten:

Das bedeutet nicht mehr, als dass der Unterricht grottenschlecht war, abgesehen davon, dass es in der Grundschule unsinnig ist, Ziffernzensuren zu verteilen. Kinder sollen um der Inhalte willen lernen, nicht um der Zensuren willen. Selbst bei einer 2 im Zeugnis ist nicht gewährleistet, dass die Kinder deshalb alltagstaugliche Kompetenzen erworben haben.

Freundliche Grüße aus Bremen
Petra Milhoffer

 

Kommentar der Fragesteller Detlef Pech und Marcus Rauterberg:


"Ich habe das Problem für diese Zeugnisse damit gelöst, dass alle eine zwei oder drei bekommen. Nicht optimal, aber besser als würfeln, dachte ich. Und meine Mentorin meinte, das würde sich noch schnell genug ändern und weil es doch die ersten Notenzeugnisse sind und die drei Tests alle so gut ausgefallen sind... Naja, damit wären wir wieder am Anfang der Diskussion, ob man überhaupt Tests schreiben sollte." (aus einer privaten Antwortmail einer ehemaligen Studentin von Detlef Pech, die derzeit im Referendariat ist)

Einige derjenigen, die auf die gestellte Frage antworteten oder uns darauf ansprachen, waren sich unsicher, ob wir das ernst meinen. Ja, wir meinen diese Frage ernst. Denn die Notengebung ist Bestandteil unseres Schulsystems und unabhängig davon, ob man dieses System als ’gelungen‘ ansieht oder nicht (und wir sehen mindestens diesen Aspekt des Schulsystems als ’nicht gelungen‘), müssen wir - als Experten des Faches - in der Lage sein eine Begründung dafür zu liefern, wann eine Fünf im gültigen System angebracht ist und wann nicht. Wir sehen uns dabei allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert und ein Teil der Antwortenden offenbar auch.

Und eben aus diesem Dilemma befreit uns auch nicht der sympathische Ärger der Kollegin aus der Schule. Wenn (Ziffern-)Noten tatsächlich so "unsinnig" sind, dass sie nicht zu erteilen oder erteilbar sind, dann bleibt doch eigentlich nichts anderes übrig als dies (wieder) massiv anzugehen, statt uns mit dem pragmatischen Arrangement anzufreunden, sie einfach nicht zu vergeben?

Dass die Frage tatsächlich eine Praxisrelevanz besitzt, zeigt sich u.a. in der Antwort der Kollegin, zu deren Aufgabengebiet es gehört, Bewertungsmodelle zu entwerfen, in denen zumindest die Möglichkeit existieren muss, eine Fünf und auch eine Sechs zu vergeben. Sie steht also vor einer verzwickten Aufgabe: Eine Begründung für etwas zu entwickeln, was eigentlich nicht eintreten kann, soll oder darf.

Selbstredend ist die gestellte Frage keine differenzierte. Ohne Zweifel haben wir nicht differenziert zwischen dem Bildungswert von Wissen (auch hier gibt es sicherlich Diskussionsbedarf, nicht nur die Fragen danach, welches Wissen gemeint ist, welcher Bildungsbegriff sinnvoll, sondern erst recht die Frage, wie die Dimensionen des Wertes bestimmen lässt, müssten geklärt werden) und dem Gebilde der Leistungsbewertung. Oder ist eine solche Trennung zumindest in der Fragestellung gar nicht notwendig? Denn zumindest lässt sich doch sagen, dass sowohl die Definition eines Bildungswerts als auch die Leistungsbewertung - wie auch immer sie angelegt sein mag - einer Perspektive bedürfen, die außerhalb des lernenden Subjekts liegt.

Die pädagogische Fünf, die den Eltern gewidmet ist ("eine Fünf für Vati"), wenn sie ihr Kind als Nürnberger Trichter definieren, ist originell, löst das Problem aber wohl kaum.

Es ist der erste Eindruck, der bei uns haften blieb, nämlich jener, dass eigentlich die befragten Kindern am klarsten formulieren konnten, was eine Fünf im Sachunterricht bedeutet oder eher: Wann sie erteilt wird: Wenn von der Lehrkraft gefordertes Wissen von den Kindern nicht reproduziert werden kann und zugleich noch die Arbeitsmoral ’am Boden liegt‘. Dass dies Kriterien für eine plausible Bewertung der erbrachten Leistung sind, steht für die Kinder außer Frage. Zudem sehen sie die Lehrkraft als zuständig dafür an, dass sie die Inhalte verstehen. Eine 5 hat ihre Wurzeln in den fehlenden Unterrichtskompetenzen der Lehrkraft. Ein mehr als deutliches Indiz dafür, dass nicht nur im Sachunterricht der Grundschule die Lage schief ist.


"Wozu ist Sachunterricht also gut?" ist ein Satz aus einer Antwortmail. Eigentlich eine neue Frage. Doch zumindest für diese haben wir auch einige Antworten wie die Seiten von widerstreit-sachunterricht zeigen - wenn auch noch keine, die uns ernsthaft zufrieden stellt, aber das ist ja vielleicht auch gut so.

 
   
   
   
   
   
   
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