Ebene I/ DidaktikerInnen/ Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl

Zur Person:

Prof. Dr. Maria-Anna Bäuml-Roßnagl , geb. 1945

Tätigkeit:


Univ. Prof. Dr. phil. an der Ludwig-Maximilians-Universität München,
Fachbereich Psychologie / Pädagogik
Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik

Kontakt:

Prof. Dr. Anna-Maria Bäuml-Roßnagl
Leopoldstraße 13
80802 München
Tel: 089/2180/5103
@-mail: Kontakt@Baeuml-Rossnagl.de
home: http://www.Baeuml-Rossnagl.de

 

Bildungsweg:


  • Studium an den der Pädagogischen Hochschule Regensburg bzw. der Universität
    München, Vertiefungsstudien an der Jesuitenhochschule München
  • Grundschullehrerin, Mentorin für die II. Lehrerbildungsphase / 1968-1972

  • Aufbaustudiengänge in Germanistik, Philosophie, Psychologie, Soziologie und Theologie und Erziehungswissenschaft
  • Dienstliche Tätigkeiten an der Universität Regensburg / 1972-1982, sowie wissenschaftliche Leitung einer Erwachsenenbildungsstätte
  • Lehre und Forschung im Fach Grundschulpädagogik und Sachunterricht / seit 1983
    mit bildungstheoretischer Intention und interdisziplinärer Konzeption zahlreiche Publikationen zur anthropologischen Konzeption der Bildungsarbeit in der Grundschule, Grundschulbildung, zur integrativen Didaktik des Sachunterrichts und zur zeitgerechten Grundlegung einer lebensweltbezogenen Sinn(es)kultur.

Forschungsschwerpunkte


  • Lebensphänomenen als mehrdimensionaler Bestimmungsfaktor für eine integrative Sachunterrichtskonzeption
  • Intersubjektivität als Schlüsselbegriff anthropologisch ausgerichteter Schuldidaktik
  • Phänomenologische Forschungsmethoden in ihrer Bedeutung für die sachunterrichtsdidaktische Theoriebildung
  • Kultur der Sinnlichkeit durch Sachunterricht - auch durch die Korrelation von Ästhetik und Ethik, Sinnlichkeit und Sinnerfahrung
  • Vernetzung schulischer und außerschulischer Bildungsprozesse
  • Unterrichtsforschung mit Schwerpunkt der theoretischen Verzahnung von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden


Theorie der Didaktik des Sachunterrichts


Das Schulfach SACHUNTERRICHT hat die subjektiv bestimmte und sachstrukturell adäquate Erschließung der Umwelt unter Heranziehung fachlicher Ordnungssysteme zum Ziel. Didaktisch leitend ist gegenwärtig das Anliegen einer ganzheitlichen Bildung des Kindes ebenso wie der vielperspektivische Blick auf Sachphänomene in der plural und interkulturell geprägten Lebenswelt.
So wurde das traditionelle didaktische Leitmotiv der heimatlichen Umwelt durch soziologische, ökologische und psychologische Dimension der lebensweltlichen Umwelt sinnvoll ergänzt. "Kind-Welt-Klärung" bzw. "Welt-und-Lebensorientierung" sind demnach primäre Leitziele; soziokulturelle Fachdimensionen werden dabei ebenso bedeutsam wie naturwissenschaftlich-technische Anliegen. Die isolierte Einzelfachlichkeit wird in neueren curricularen Konzeptionen zum Sachunterricht vernachlässigt zugunsten von fächerübergreifenden und fächerintegrativen Bestrebungen.

Die Unterrichtsmethodik als Art und Weise der Vermittlung ist im Sachunterricht eng verknüpft mit dem didaktisch bestimmten Verständnis von den Sachen selbst. So findet sich analog zur "Sache" als Umwelt"ding" über Sach"beziehungen" bis hin zum Menschen als "intersubjektiver Sachinhalt" ein jeweils spezifischer methodischer Weg des Sehens, Erkennens und Verstehens. Schülernahe und multisensorische Zugangsweisen zur SACHE sind in der neueren Zeit besonders betont worden wie das explorierende Erkunden als erlebnisorientierte, erfahrungsbezogene und sinnennahe Sacherkennen. Die traditionell gewohnten Lernwege als Übermittlung fachlich gesicherten Wissens (Sachkenntnisse, Fachinhalte und alltagspragmatische Handlungsmuster) werden als "Produktziel" des Sachunterrichts in unserer Informationsgesellschaft zwar als wichtig gewertet, treten aber in der Sachunterrichtspraxis zugunsten von schüleraktiven Sacherkenntniswegen zurück. Methoden des sachadäquaten Erfahrungsgewinns gehen Hand in Hand mit Methoden der menschlichen Selbstorientierung.

Sache - Sinne - Sinn betrachtet die neuere phänomenologisch orientierte Forschungsmethodik in enger Verknüpfung, da das menschliche Leben, Denken und Urteilen an die leiblich-sinnenhaften Sachwahrnehmungen gebunden ist. Eine Sachunterrichtskonzeption, welche die Klärung der lebens(welt)bezogenen "Dinge" im Interesse der Menschen zum Anliegen hat, kann eo ipso das "nur" kognitive bzw. informative "Reden über Sachen" methodisch nicht vertreten. Leibgebundene Erkenntniswege wie sinnenhafte Sachbegegnung und Erkunden der Sachen mit allen Sinnen sind die primären Zugangsweisen zum Erklären von Sachphänomenen. Quantitative Forschungsmethoden sind demnach nicht hinreichend für eine sachunterrichtsadäquate Erschließung von Inhalts- und Lernbedingungen. Statistisch gesicherte Empirie und phänomenologisch 'gesättigte' Hermeneutik sollten für die Forschungsmethodik zum Sachunterricht in ihrer gegenseitigen Bedingtheit und Verwiesenheit systemisch und systematisch offengelegt werden.

Für den Sachunterricht in der Grundschule ist der ganzheitliche Begegnungscharakter der methodischen Sacherkundung außerdem durch die entwicklungspsychologischen Gegebenheiten bei den SchülerInnen begründet. Soziokulturelle Faktoren wie die leiblich-sinnliche Deprivation in Lebenswelt und Schule erfordern gegenwärtig die gezielte Ausbildung elementarer sinnlicher Zugangswege zu den Sacherkenntnissen, wenn der Sachunterricht im Sinne einer ganzheitlichen Bildung lebensbedeutsam sein soll. Eine multisensorische Sachunterrichtsmethodik ist gefordert, die sinnenhaft erkundend zum Ziel eines mehrdimensionalen Verständnisses von Sachlichkeit gelangt und die kindlichen Fragen nach Sacherklärung im Kontext einer sinnvollen Deutung von Sachen und Sachverhalten beantwortet.

Ein ganzheitlich-integrativer Sachunterricht unterscheidet sich in seiner didaktischen Konzeption von "nur" fächerintegrativen Sachunterrichtskonzeptionen sowohl hinsichtlich des zugrundegelegten Bildungsverständnisses wie auch in der Bestimmung von Lernzielen und Unterrichtsmethoden. Sachunterrichtsdidaktisches Leitmotiv ist die Bildungsintention einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung,. Unterrichtsmethodische Konsequenz ist dazu die Beantwortung von kindlichen Sach- und Sinnfragen mit phänomenologisch umfassenden Sacherklärungen.
Angestrebt sind ganzheitliche Bildungswirkungen, die durch eine gezielte "Kopf-Herz-Hand"-Koordination im multisensorischen Sacherkundungsprozeß grundgelegt werden können. Die Verknüpfung von kindlichem Sacherlebnis und fachlich-perspektivierender Sacherklärung macht die kundige Hilfestellung durch die Lehrpersonen erforderlich; Erwachsenenperspektive und Kinderperspektive - auch als Integration schulischer und außerschulischer Sacherfahrungen - sind sachunterrichtsdidaktisch zu vermittelnde Blickrichtungen für ein lebenslang nachhaltiges Sachverständnis.


Ausgewählte Beiträge:


  • Was "Sache" ist - die Fachwissenschaften liefern nur ein Puzzle-Bild davon. Einsichten auf der Suche nach einem neuen Sachbegriff.
    In: Einsichten. Forschung an der LMU-München. Nr. 1 / 1993 , S. 19 - 22


  • Ordnungsstrukturen gewinnen - aus Fachsystematiken oder aus Erfahrungswelten ? In: Wege des Ordnens. Probleme und Perspektiven des Sachunterrichts, Bd. 2 , hg. v. Lauterbach R. u.a., IPN , Kiel 1992


  • Leben mit Sinnen und Sinn in der heutigen Lebenswelt. Wege in eine zeitgerechte pädagogische Soziologie.
    Regensburg 1990 2. Auflage als online-version unter www.paed.uni-muenchen.de/~baeuml-rossnagl/Buech.htm


  • Sachunterricht - Studienbuch. Bildungsprinzipien in Geschichte und Gegenwart.
    Bad Heilbrunn, 1995, neu bearbeitete und mit didaktischen Cartoons angereicherte Ausgabe


  • Fächerintegratives Schulbuch-Kompendium "LEBEN IN UNSERER WELT". Schulbuchwerk für die 1.,2.,3. und 4.Jahrgangsstufe.
    Schülerband - Lehrerband - Elternmagazin. 12 Bände. Donauwörth 1992 - 1995



Über widerstreit-sachunterricht zugängliche Beiträge:


 
   
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