| www.widerstreit-sachunterricht.de/Ausgabe Nr. 5/Oktober 2005 |
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Andreas Nießeler
Die Gegenstandskonstitution im kulturellen Kontext.
Kulturwissenschaftliche Analysen der "Sachen des Sachunterrichts"
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Einleitung
Anknüpfend an die Anmerkungen zur Gegenstandskonstitution von Marcus Rauterberg und Gerold
Scholz "Die Welt im Bild" (Rauterberg & Scholz 2003), möchte ich im Folgenden
erörtern, was es heißt, Gegenstände des Sachunterrichts weder realistisch noch nominalistisch
(dementsprechend auch nicht idealistisch bzw. sensualistisch oder positivistisch) als gegeben
vorauszusetzen, vielmehr (erkenntnis-)kritisch die Bildung dieser Vorstellungen zu Gegenständen
der Erfahrung als das entscheidende bildungstheoretische Problem zu sehen. Damit soll die
kantisch-neuzeitliche Sichtweise auch als Bedingung einer Rahmentheorie für die Genese und
Etablierung von Unterrichtsgegenständen thematisiert werden.1
Diese konzeptuelle Arbeit scheint mir nicht nur produktiv, sondern auch notwendig, weil das
Bewusstsein für die genetische Struktur der Gegenstandskonstitution die Geschichtlichkeit der
schulpädagogischen und didaktischen Forschung in den Vordergrund stellt. Sie trägt also sowohl
zu einer exakten Formulierung des Forschungsfeldes als auch zur Eröffnung von Alternativen bei.
Dem gegenüber setzt der postulierte Wechsel der Präferenz innerhalb der Bildungsforschung zu
einer empirisch ausgerichteten Wirksamkeitsforschung eine perfekte Gegenstandskonstitution
voraus, da nur in einem geschlossenen System die Variablen Input und Output soweit
kontrollierbar sind, dass Einflussfaktoren und Kriterien der Effizienzsteigerung untersucht
werden können. Dies würde aber entweder das kulturelle Feld aus der Forschung ausklammern oder
die Kulturgenese zum Stillstand bringen, insofern nur noch Bildungsprozesse ermöglicht werden,
welche den Status quo bestärken, jedoch keine projektiven Entwürfe entstehen, welche auf
gesellschaftlich-kulturelle Entwicklungen mit neuen handlungsleitenden Ideen und Vorstellungen
antworten.
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Ausgabe 5
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1. Das "goldene Handwerk" als ein Sinnkontext der Heimatkunde
Ich möchte die Überlegungen mit einem klassischen Beispiel aus der Heimatkunde beginnen, an dem
nicht nur die Typik dieses Faches, sondern auch die Struktur der Gegenstandskonstitution
abgelesen werden kann. Die Unterrichtseinheit bezieht sich auf die Arbeit in einer einklassigen
Dorfschule und wurde 1928 von Hermann Kloos veröffentlicht.
"In der Lehmgrube
Alle Jahrgänge (und zwar vom 1. bis zum 8. Jahrgang) beteiligten sich heute an einem Lehrausflug
zur nahen Ziegelbrennerei (Handbetrieb - Feldbrand). Wir sahen den Arbeitern beim Hacken,
Reinigen, Kneten und Formen des Lehms, beim Lagern und Setzen der Steine zu. Von den
Fachleuten ließen wir uns hier an Ort und Stelle über das 'Wie' und 'Warum'
ihrer Tätigkeit berichten. Manche Erlebnisschilderung der Dorfväter gab Anlaß zur ergötzlichen
Heiterkeit. Die Lehmgrube wurde zu einem Unterrichtsobjekt, das für alle eine Förderung des
Eindrucks und eine Bereicherung des Wissens bedeutete. Während das 1. u. 2. Schuljahr auf dem
Rasenplatz nebenan aus dem Sachgebiet mit Lehm kneteten, verarbeiteten 3.-8. Schuljahr gemeinsam
das heimatkundliche Bild: Vom Fachwerkbau zum Backsteinhaus.
Typische Vertreter einer künstlerischen alten Hinterländer Bauart stellten wir in der
Nachbearbeitung aus den Häuserreihen unseres Dorfes der gebräuchlichen, modernen
Backsteinbauweise gegenüber, verknüpften mit unserem Bilde alte und neue Dorfsitten und
-gebräuche beim Hausbau und kamen so von selbst zu einem Vergleich alter wirtschaftlicher,
kultureller und sozialer Zustände unserer Dorfgemeinschaft mit denjenigen der Neuzeit. Nur als
Andeutung seien die auffallend kleinen, niedrigen Keller der alten Häuser und die luftigen,
hohen, großen Kellerräume der neueren Bauten erwähnt: das Bedürfnis zu letzteren hat sich erst
mit der Einführung und Überwinterung der Kartoffel herausgestellt.
3. u. 4. Schuljahr holten anschließend Lehm, strichen ihn mit mitgebrachten Werkzeugen am Boden
aus und versuchten sich gruppenweise in stiller Beschäftigung in der Nachahmung,
Zusammenstellung und Neubildung unserer sogenannten 'Hinterländer Kratzmuster' im
Fachwerkbau.
5.-8. Schuljahr suchten unter meiner Anleitung und unter Zuhilfenahme der Säure und des
Mikroskops hinter die Zusammensetzung des Lehms zu kommen. Den Eisengehalt des Lehms erkannten
wir als dienlich für das Brennen der Steine. Vom Eisengehalt leiteten wir die verschiedene
Farbe der örtlichen Lehmlager ab. Aus der sandigen, tonigen, kalkreichen Zusammensetzung des
Lehms schlossen wir auf seine Bedeutung als erstklassigen Ackerboden. Das Problem:
'Wie haben wir uns in der Talmulde die Entstehung unserer Lehmlager zu denken?'
machte etwas Kopfzerbrechen, wurde aber auf einige Hinweise meinerseits bald gelöst.
Wir verwoben die diluvialen Abtragungen und Ausschwemmungen mit der Lebensgeschichte eines
Lehmklümpchens. Ein Mädchen der Oberstufe erbot sich für die Grundschule (4. Schuljahr)
einen Vortrag unter der Überschrift: 'Ein Lehmklümpchen erzählt seine Lebensgeschichte.'"
(Kloos 1928, S. 158-160 zit. nach Neuhaus-Siemon 1985, S. 31-32)
Aus didaktischer Perspektive liegt ein für seine Zeit durchaus
modernes Unterrichtsmodell vor, das bekannten reformpädagogischen Zielen folgt: Die Schüler
werden selbst tätig und können selbständig die Inhalte dieser heimatkundlichen Lektion
herausarbeiten. Handlungsorientiert wird vor Ort der Lernstoff erschlossen und im
handwerklich-praktischen Umgang angeeignet. Als lebensnaher anschaulicher Unterricht werden die
emotionalen Beziehungen der Kinder zum Unterrichtsgegenstand hergestellt, Motivation und
Interesse gefördert, zudem die sich aus der Sache ergebenden Fragen geweckt
(vgl. Neuhaus-Siemon 1985, S. 33).
Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man nicht nur das methodisch-didaktische Repertoire
beschreibt, sondern die Inhaltsstruktur näher beleuchtet. Vordergründig ist der Inhalt der
Erfahrungswelt des Kindes entlehnt und entspricht damit dem Kriterium der Pädagogik vom Kinde
aus, nach dem die Lehrstoffe der räumlichen und geistigen Kinderheimat entlehnt sein sollen.
Bei genauerem Hinsehen ergeben sich jedoch Lücken und Bruchstellen in der Logik des
Gegenstandes, die nicht allein durch den Rückgriff auf die Kategorie der Kindorientierung
geklärt werden können, vielmehr einer kulturwissenschaftlichen Anamnese bedürfen. So ist das
Thema der Sequenz der Vergleich der handwerklichen Fachwerkbauweise mit der modernen
Backsteinbauweise und dabei die Gegenüberstellung von neuen und alten Produktionsweisen.
Vorrangig wird allerdings die traditionelle Bauweise behandelt, zeitgenössische Formen des
Häuserbaus dienen nur als konterkarierende Folie für diesen Heimatkundeunterricht.
Diese Konstruktion ist deswegen bemerkenswert, weil es sich im eigentlich intendierten Sinn
nicht um eine geschichtliche Lektion handelt, sondern der Besuch der Ziegelbrennerei und die
Erkundung des Baustoffes Lehm so gestaltet ist, als ob diese Handwerkskunst exemplarische
Bedeutung für die aktuelle Lebenswelt hätte. Dabei gehörte in den 20er und 30er Jahren des 20.
Jahrhunderts die Handwerkskunst des Fachwerkbaus mit ihren Vertretern einer "künstlerischen
alten Hinterländer Bauart" zu den Relikten aus vergangenen Zeiten, während die Neue
Sachlichkeit und das Weimarer Bauhaus den Bau- und Architekturstil vorgaben. Der moderne Stil
zielte - dem Handwerksprinzip mit seiner Betonung des Typischen, Besonderen und Individuellen
diametral gegenüberstehend - auf die Entwicklung von Elementen gleicher Grundformen ab,
die beliebig ergänzt und erweitert werden konnten, was einer Art Baukastenprinzip entsprach,
mit dessen Hilfe Haus, Mobiliar, sogar Spielzeug hergestellt werden konnte.2 Darüber
hinaus standen in New York schon längst die ersten Wolkenkratzer, wie überhaupt Stahl, Beton
und Glas die zeitgemäßen Baumaterialien waren.
Bildungswirksam ist also nicht die Kenntnis eines bestimmten architektonischen Stiles oder das
Wissen um die Materialeigenschaften des Lehms. Viel mehr wirkt das vorbildliche und gleichsam
archetypische Muster einer sinnerfüllten Lebensform, die sich in der Dorfgemeinschaft3
manifestiert. Dieser Sinnzusammenhang kristallisiert sich in der Hervorhebung und
pädagogisch-didaktischen Platzierung des Handwerksprinzips, das als paradigmatisch für die
Einrichtung eines sinnvollen und sinnstiftenden Arbeitsbereiches erachtet wird, wobei
gleichzeitig implizit angenommen wird, dass dieser durch die Industrialisierung,
Spezialisierung und Verstädterung zunehmend bedroht wird.
Interessant für unseren Zusammenhang ist diese eigentümliche didaktische Repräsentation des
Themas "Bauen/Wohnen" deswegen, weil ihre Bildungsintention zwar unausgesprochen
bleibt, aber völlig einleuchtend ist und nicht in Frage gestellt wird, also auf einen
kulturellen Kontext hindeutet, welcher die Bedingung für die Kohärenz des pädagogischen
Agierens bildet. Im Folgenden soll danach gefragt werden, wie diese Kohärenz hergestellt wird.
Dabei genügt es nicht, auf der pädagogisch-didaktischen Ebene der Argumentation zu bleiben,
vielmehr muss die zugrunde liegende mediale Struktur, also der Begründungszusammenhang für
jene szenische Inszenierung und Ausgestaltung dieser Unterrichtssequenz berücksichtigt werden.
Hier ist es sinnvoll, einschlägige Forschungsergebnisse der Kulturwissenschaften einzubeziehen
und von der Theorie sowie der Topographie des kollektiven Gedächtnisses auszugehen, da dieses
genau jenen gesuchten kulturellen Kontext beschreibt, der ein dichtes Erinnerungsgewebe bildet,
in dem das Unterrichtsbeispiel seine Stimmigkeit erfährt.
Hinsichtlich der Ausgestaltung der Thematik der Handwerkskunst lässt sich ein Bedeutungsmuster
aufdecken, welches man als einen derartigen Erinnerungsort klassifizieren kann und das
verbunden ist mit dem Sinnmodell des "goldenen Handwerks", das als Garant für
Wohlstand, gutes Auskommen, charakterliche Festigung und geordnete Staatsverhältnisse gilt.4
Die Aussage, dass das Handwerk einen goldenen Boden besitzt, lässt sich bis zu Sebastian
Franck und den Fabeln und Schwänken von Hans Sachs zurückverfolgen. "Golden" steht
dabei, wie die Brüder Grimm anmerken, für Besitz, Gewinn, Wohlleben und Glück. Die
Wertschätzung des Handwerks vermitteln nicht nur Dichtung und Schwänke. Sie findet sich auch in
der christlichen Tradition, der gemäß Joseph und Jesus dem Beruf des Zimmermanns nachgingen.
Etliche Heilige, die sich durch ihre fleißige und fromme Lebensführung auszeichneten, können
als Schutzpatrone für einzelne Berufsgruppen angerufen werden: der Heilige Eligius für die
Gold- und Silberschmiede, der heilige Crispinus für die Schuster, der Heilige Homobamus von
Cremona für Tuchmacher und Schneider. Die Bilder des Handwerks sind sicherlich keine
zureichenden Beschreibungen der handwerklichen Realität; sie dienten aber - von den
Negativbeispielen etwa des mit dem Ziegenbock assoziierten Schneiders abgesehen - zur
Verherrlichung und Selbststilisierung des Handwerks und wurden gerade dann aktiv und
deutungsmächtig, als die goldenen Jahre des Handwerks eigentlich längst vorbei waren.
Zwar stieg insgesamt die Zahl der handwerklich Beschäftigten (auch im Zuge des allgemeinen
Bevölkerungswachstums); der handwerkliche Arbeitsplatz verlor aber an gesamtgesellschaftlicher
Bedeutung, so dass um 1900 nur noch ein Drittel aller gewerblich Tätigen im Handwerk
produzierte. Dabei wurden vor allem zwei Entwicklungen als bedrohlich erfahren:
einmal die zunehmende Konkurrenz im gewerblichen Betrieb, zum anderen der Verlust der
zünftigen Privilegien, die die gesellschaftliche Position der Meister gegen die Unterschicht
abgesichert hatten.
Von diesen gesellschaftlichen Entwicklungen ist im Beispiel "In der Lehmgrube" keine
Rede, vielmehr folgt es ganz der Stilisierung und Inszenierung des Handwerks im Sinne einer
idyllischen Ordnung, die etwa auch in den neu gegründeten Zunftmuseen wie dem Düsseldorfer
Handwerksmuseum zum Ausdruck kommt, in dem die vorindustrielle Arbeitsproduktion fröhliche
Urstände feiern konnte.
"In Wien sammelten Bäckermeister Geld, um
ihr Zunftarchiv ordnen zu lassen und Bücher über die Geschichte der Bäcker zu publizieren.
Festliche Umzüge in traditionellen Kostümen und mit alten Zunftfahnen sorgten für die
symbolische Aufwertung der Vergangenheit, die mit der schlechten Gegenwart konfrontiert wurde.
So zogen auch anlässlich des Kaiserjubiläums im Jahre 1913 12000 Mitglieder Berliner
Handwerksinnungen mit einigen hundert Wagen historisch kostümiert sowie unter Darstellung der
verschiedenen Handwerkertechniken vom Königsplatz zum Schloss." (Haupt 2001, S. 398)
Auch wenn die Gegenwart düster schien, so konnte doch in der
Vergangenheit der goldene Boden des Handwerks gefunden werden, was anschaulich belegt
wird durch das Gedicht "Der goldene Boden des Handwerks", abgedruckt 1923 in der
nordwestdeutschen Handwerkerzeitung:
"[
] wird im Neujahr wieder werden,/
was das Handwerk einst mal war;/goldener Boden hier auf Erden,/fröhlich Schaffen immerdar.
/Schwing den Hammer, deutscher Meister,/schmiede Deutschland wieder neu/rufe
Deutschlands gute Geister/durch des Handwerks Fleiß herbei." (Zit. nach ebd., S. 398)
Das Handwerk und der gewerbliche Mittelstand galten schließlich
als Rumpf einer wohlgeordneten Staatsgesellschaft, die sich den Tendenzen der Individualisierung
und Vermassung der modernen Gesellschaft entgegenstemmte, was die Gruppe der Handwerksmeister
zu einer der erfolgreichsten Interessenvertretungen im Kaiserreich machte, die sich einer
breiten Unterstützung aus Kreisen der Konservativen und Katholiken sicher sein konnte.
Die Vorstellung eines sinnerfüllenden und gesellschaftsstabilisierenden Berufs, die diesem
Modell der handwerklichen Tätigkeit folgt, kann also einen allgemein gültigen Bedeutungskontext
voraussetzen, der aufgrund seiner Etablierung im kulturellen Gedächtnis auch im
pädagogisch-didaktischen Diskurs präsent ist und die Argumentationsstruktur als
vorausliegendes Sinnmuster formt. Damit wird - bis hin zur Ausgestaltung der Arbeitspädagogik
und dem Modell der Staatsbürgerlichen Erziehung von Georg Kerschensteiner - ein semantisches
Feld von "Handlung" konstituiert, das eng verwoben ist mit dem kulturellen Kontext
des "Handwerks" und aus einem eher europäischen Zusammenhang stammt, aber auch bei
John Deweys Ausrichtung des amerikanischen Pragmatismus zu entdecken ist, insofern Dewey das
Haushalts- und Nachbarschaftssystem und die vorindustrielle Tätigkeit im Haushalt als
Paradigmen für die personale und soziale Erziehung anführt.5 Erst im Kontext der
sozialistischen Doktrin gerät jene "Handwerks-Arbeitsschule" in die Kritik, da sie
nicht mit der gegenwärtigen, sondern mit einer veralteten Arbeitsweise übereinstimme. "
Der Industrialismus und die Maschinentechnik der Gegenwart sind dem Münchner Pädagogen [Kerschensteiner]
fremd geblieben, der das Erziehungssystem der im Absterben begriffenen Handwerkerordnung
rekonstruierte und nicht begriffen hat, was uns eine Maschine lehren kann."6
Die Stabilität dieser Gegenstandskonstitution lässt sich daran ablesen, dass sich das
aufgedeckte Sinnmuster heute noch in der Formulierung schulischer Bildungspläne findet.
Beispielsweise führt der Perspektivrahmen im Vernetzungsbeispiel zur raumbezogenen Perspektive
(3.2.) Wohnen und Wohnumgebung hier und anderswo das Thema "Ein Fachwerkhaus wird gebaut"
(GDSU 2002, S. 15) nicht unter der Rubrik "historische Perspektive", sondern unter
der Rubrik "technische Perspektive", so dass zeitgenössischen Formen des Hausbaus,
etwa die Produktion von Reihen- und Fertighäusern bzw. Großprojekte des Wohnungsbaus und der
Einsatz von schwerem technischen Gerät gar nicht behandelt werden, stattdessen auch hier dem
Modell des "elementaren" Hausbaus als durchschaubare und nachvollziehbare Tätigkeit
der Handwerkskunst der Vorzug vor industriellen Fertigungsweisen gegeben wird. Daraus wird
ersichtlich, dass traditionelle Bedeutungssedimente nach wie vor den Diskurs prägen und es
einer phänomenologischen Epoché bedürfte, um sich dieser Bedeutungsschichten bewusst zu
werden.
Man kann also das historische Beispiel nicht nur als didaktisches Fallbeispiel zur Klärung der
Frage nach effektiven Methoden der Vermittlung von Unterrichtsinhalten ansehen. Vielmehr
wird deutlich, dass Inhalt und Methode nicht voneinander zu trennen sind und jeweils auf
tiefer liegende Bedeutungsschichten verweisen, welche, obwohl unausgesprochen, so doch
prägnant, kulturelle Sinnschichten im Unterricht repräsentieren. Diese Gegenstandskonstitution
ist dafür verantwortlich, dass Unterricht in seinem spezifischen kulturellen Kontext, d.h.
im (historisch variablen) Zusammenhang einer symbolisch-medialen Weltorientierung und im
Kontext von Interpretationen der jeweiligen Lebenswelt als stimmig und stringent erfahren
wird, obwohl der Bruch zwischen der Perspektive der Geschichtslektion und der erzieherischen
Bedeutung dieser Betrachtung offensichtlich sein müsste.
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2. Der Wald als Unterrichtsgegenstand
Als zweites Beispiel soll die Konstitution des Gegenstandes "Wald" analysiert werden,
da sich in der weit reichenden Traditionslinie dieses Themas Veränderungen im kulturellen
Umfeld rekonstruieren lassen, die wiederum belegen, dass die Konstitution von
Unterrichtsgegenständen entscheidend von diesem Kontext bedingt wird. Während bisher eine
synchrone Betrachtungsweise für die Interpretation maßgebend gewesen ist, soll nun eine
diachrone Betrachtung an den Anfang gestellt werden. Zugrunde liegt eine Synopse der
Thematisierung des Gegenstandes "Wald" in den bayerischen Lehrplänen von 1926-2000.
Da im Gegensatz zu den Lehrerhandbüchern der damaligen Zeit die Lehrpläne wegen ihres
amtlichen Charakters einen höheren Verbindlichkeitsgrad für die praktische Umsetzung des
Faches besitzen (Götz 1989, S. 16; vgl. allgemein Götz 2005, Rauterberg 2002), bietet dieses
Datenmaterial den Vorteil, dass sich daran der Einfluss gesellschaftlich-kultureller
Tendenzen besser nachweisen lässt als an den mehr individuell-subjektiv geprägten didaktischen
Lehrwerken. Nach der Lehrplantheorie von Weniger spiegeln sich in den Lehrplänen zudem
gesellschaftliche Mächte (und Grabenkämpfe möchte man ergänzen) wider (vgl. Weniger 1930),
so dass man sagen kann, der Lehrplan zeichnet sich durch eine dichte, wenngleich
zeitverschobene kulturelle Kohärenz aus, was für eine kulturwissenschaftliche Analyse
lohnenswertes Material eröffnet, um die Transformation kultureller Themen im Kontext ihrer
Konstitution als Unterrichtsgegenstand aufzuzeigen.7
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Übersicht über das Thema "Wald" als Inhalt der Heimatkunde und
des Sachunterrichts der Grundschule |
1926 |
Lehrordnung für die bayerischen Volksschulen. In: Amtsblatt
des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Nr. 16, LX (1926). |
4. Jg. Pflanzen- und Tierwelt |
1940 |
Erziehung und Unterricht in den bayerischen Volksschulen.
Zentralverlag der NSDAP, Frz. Eher Nachf.. G.m.b.H., München 1940. |
1./2. Jg. Natur- und Volksleben
3. Jg. Tier- und Pflanzenleben
4. Jg. Tiere- und Pflanzen im Volksleben |
1950 |
Bildungsplan für die bayerischen Volksschulen. Wallenburg - Stiftung Kempfenhausen.
Gesamtherstellung Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, Obb. |
"Die Heimatkunde befaßt
sich mit natürlichen Lebenseinheiten und Sachzusammenhängen, in deren Mittelpunkt der
heimatliche Mensch steht. Solche Einheiten sind bestimmt durch die Landschaft
(Wald, Wiese, Feld, Moor, Heide, Garten, Fluß, See) und durch die mitmenschlichen
Verhältnisse (Familie, Nachbarschaft, Dorf, Stadt, Ernährung, Wohnung, Kleidung, Gesundheit,
Arbeit, Erholung; Sicherheit, Verkehr, Wohlfahrt; Schule, Kirche)." (S. 37)
"Die naturkundliche Sicht beschränkt sich vorwiegend noch auf die äußeren Erscheinungsformen,
auf die Eigenschaften, auf die besonderen Aufenthalts- und Lebensverhältnisse von Pflanzen und
Tieren. Sie berücksichtigt besonders deren Wert und Bedeutung für den Menschen. Sie betont
Naturpflege und Naturschutz." (S. 37) |
1966 |
Kommentar zu den Richtlinien für die bayerischen
Volksschulen Unterstufe - 1966. Teil 1 (1. mit 4. Schülerjahrgang) von Anton Kurzka und
Dr. J.B. Winkler. Carl Link Verlag. Kronach. |
"Der Schüler ist zu schonendem
und pflegendem Umgang mit allem, was uns die Heimat wertvoll und liebenswert macht,
anzuhalten. Insbesondere kann von hier aus der Blick für den Landschafts-, Natur- und
Denkmalschutz geöffnet werden."/"Besondere Aufmerksamkeit ist dem Naturschutz
und der Naturpflege zu widmen." (S. 106) |
1971 |
Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht
und Kultus. Bekanntmachung über den Lehrplan für die Grundschule. Vom 1. April 1971 Nr.
III A - 4/41 020: Lehrplan für die Grundschule (1. - 4. Jahrgangsstufe); Sachunterricht
(Bereich Biologie) |
I. Kennenlernen der Formenvielfalt der lebendigen Natur |
3. Jg.: Kennübungen im Wald zu verschiedenen Jahreszeiten
(Bäume, Sträucher, Tiere, Wildspuren)
4. Jg.: Kleine Pilzkunde |
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III. Verstehenlernen der Beziehungen des Menschen
zur lebendigen Natur; Nutzung, Betreuung, Naturschutz |
3. Jg.: Förster und Wald/Der Wald wird planmäßig
angelegt und gepflegt. Von der Baumschule zum Holzeinschlag./Einige Baum- und Holzarten
und ihre Verwendung. |
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1976 |
Neufassung des Lehrplans für die Grundschule. In:
Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Sondernummer 12.
Ausgegeben in München am 9. September 1976; Heimat- und Sachkunde (Bereich Biologie). |
I. Kennenlernen der Formenvielfalt der
lebendigen Natur |
Themenvorschläge
Kennenlernen einiger Blütenpflanzen
in Garten, Park, Wiese, Wald
Kennenlernen einiger Tiere in Haus, Garten, Wald, Gewässer
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III. Verstehenlernen der
Beziehungen des Menschen zur lebendigen Natur; Nutzung, Betreuung, Naturschutz |
3. Jg.: Förster und Wald/Der Wald wird planmäßig
angelegt und gepflegt. Von der Baumschule zum Holzeinschlag./Einige Baum- und Holzarten
und ihre Verwendung.
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1981 |
Lehrplan für die bayerischen Grundschulen. Bekanntmachung des
Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 22. Mai 1981 Nr. III A 4 - 4/45
800 (KMB1 I Sonder-Nr. 20/1981). |
4. Jg. ("Kind und Natur") Grundkenntnisse über den
Lebensraum Wald
einige heimische Nadel- und Laubbäume, Pilze, Beeren, heimische Tiere
Bedeutung des Waldes
richtiges Verhalten im Wald
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Empfehlungen zur Unterrichtsgestaltung
Unterrichtsgang in den heimischen Wald bzw. zu einem Waldlehrpfad
Gewinnen vielseitiger Sinneserfahrungen in bezug auf Rinde, Holz, Blätter, Früchte,
Wuchs
Unterscheiden und Benennen von Nadel- und Laubbäumen; Aufstellen gesammelter Zweige im
Klassenzimmer
Unterscheiden und Benennen der wichtigsten Pilze und Beeren
Mitgebrachte, ungiftige Pilze und Beeren untersuchen; Sprechen über ihre Verwendung und
Belehrung über die Gefährlichkeit einer Pilzvergiftung (Knollenblätterpilz)
Zusammenstellen von Tieren, die es im heimatlichen Wald gibt
Begründen, warum der Wald ein wichtiger Erholungsraum für den Menschen ist; Beispiele für
verantwortungsvolles Verhalten
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2000 |
Lehrplan für die Grundschulen in Bayern (Bekanntmachung des
Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 9. August 2000 Nr.
IV/1-S7410/1-4/84 000). |
3. Jg. " Leben
mit der Natur" "Die Schüler erweitern ihre Kenntnisse
im heimatlichen Nahraum, indem sie den Wald als wohnortnahen Lebens- und Erholungsraum
erleben. Sie stellen jahreszeitliche Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt fest und
gewinnen erste Einblicke in die vielschichtigen Verflechtungen im Ökosystem Wald. Die Schüler
erkennen mögliche Bedrohungen des Waldes. Daraus kann sich die Bereitschaft entwickeln,
einen eigenen Beitrag zum Schutz des Waldes zu leisten." |
3.5.1 Der Wald im Jahreslauf |
Jahreszeitliche Veränderungen beobachten und
festhalten [mit Querverweis zu Ethik "Unserer schönen Welt sorgsam begegnen"] |
den Wald im Laufe eines Jahres mit den Sinnen in
originaler Begegnung erleben und erfahren
Veränderungen aufschreiben, zeichnen, fotografieren; Fotoausstellung o.Ä.; Verhaltensregeln
erweitern
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3.5.2 Tiere des Waldes |
Einige Tiere durch ihr Erscheinungsbild unterscheiden und benennen |
Assel, Waldameise, Wildschwein, Reh, Specht, Eule u.Ä.;
Erkundungsgänge mit Förster/Jäger
Kennübungen mit Hilfe von Naturführern
|
Nahrungsbeziehungen an einem Beispiel darstellen |
Fraßspuren an Früchten und Blättern entdecken;
"Schädlinge" und "Nützlinge"; Bedeutung für das ökologische
Gleichgewicht: Laubstreu - Kleinlebewesen - Kleinsäugetier - Waldkauz
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3.5.3 Pflanzen und Pilze des Waldes |
Laub- und Nadelbäume nach Blatt und Frucht
unterscheiden und benennen |
Auswahl heimischer Vertreter
Walderfahrungsspiele
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Weitere Pflanzen unterscheiden und benennen |
Bärlauch, Buschwindröschen, Farne,
Lerchensporn, Sauerklee,Weidenröschen o.Ä.
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Pilze nach äußeren Merkmalen unterscheiden und nach essbar,
ungenießbar, giftig einteilen |
Steinpilz, Fliegenpilz, Knollenblätterpilz o.Ä.
Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Anzeichen einer Vergiftung
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3.5.4 Bedeutung des Waldes |
Funktion und Gefährdung des Waldes in ihrer
Bedeutung für Menschen, Tiere und Pflanzen erfassen |
nach örtlichen Gegebenheiten
Schwerpunktsetzung, z.B. Wasserspeicherung, Bodenschutz, Holzproduktion,
Erholungsfunktion; Wasserdurchlässigkeit verschiedener Bodenarten (Humus, Sand, Lehm);
Gefährdung durch Abfälle, Straßenbau, Luftverschmutzung)
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Achtung und Verantwortung gegenüber Tieren und
Pflanzen entwickeln |
Maßnahmen zum Schutz des Waldes in
Zusammenhang mit außerschulischen Partnern durchführen, z.B. Forstamt:
Waldpatenschaften, Pflanzaktionen, Infotafeln; bedrohte Tiere und Pflanzen - Rote Liste
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Wie aus dieser Übersicht ersichtlich wird, wird der Wald zuerst nicht
explizit thematisiert, findet sich aber als Thema im Rahmen naturkundlicher Betrachtungen.
In diesem Kontext der Naturkunde dient der Wald als Anschauungsgrund für die zu vermittelnden
Stoffe des Realienunterrichts, wobei man sich an den Richtlinien zur Aufstellung von
Lehrplänen für die Grundschule von 1921 orientierte:
"Der heimatkundliche Anschauungsunterricht der ersten
beiden Schuljahre entnimmt seine Stoffe der näheren Erfahrungswelt des Kindes. Haus,
Hof und Garten, Schulhaus und Schulhof, Straße und Hain, Feld, Wiese und Wald, das
häusliche und das Schulleben, die Arbeit im Hause, in Handwerk, Gewerbe, Landwirtschaft,
Gartenbau, je nachdem, wie die Heimat diese Dinge zur Anschauung und Beobachtung darbietet,
bilden seinen Inhalt."" (Richtlinien 1921, S. 187)
Dies belegt die vorangegangene feste und stabile Etablierung
der naturkundlichen Sichtweise, welche im Sinne der volkstümlichen Bildung und der
bürgerlichen Aufklärungsbewegung das vorneuzeitliche naturreligiöse Paradigma in ein
naturwissenschaftliches Paradigma transformiert hatte.
Wie kommt es nun zu jener Ausformung des Gegenstandes "Wald", nach der das
Naturphänomen nicht nur als exemplarisches Beispiel für biologische und naturkundliche
Erkenntnisse dient, sondern nun auch die Bedeutung der Lebenseinheit "Wald"
für den Menschen thematisiert wird? Welche Rahmenbedingungen spielen also eine Rolle,
damit die Gegenstandskonstitution den engeren naturwissenschaftlichen Rahmen sprengt und
den Wald nun auch als privilegierten und symbolisch aufgeladenen Landschaftsausschnitt in
den Schulen vorführt.
Aufgrund seiner pluralen Repräsentationsstruktur steht die Konstitution nicht ausschließlich
im Rahmen der erziehungswissenschaftlichen, pädagogischen, didaktischen oder
fachwissenschaftlichen Diskussionen, sondern erfährt ihre Stimmigkeit erst, wenn
ihre Kohärenz innerhalb der Entwicklung des kollektiven Gedächtnisses betrachtet wird.
Auch hier lohnt der Blick in die - auch sehr problembelastete - Geschichte dieses
"Erinnerungsortes&quoot;. Wie Albrecht Lehmann in seinem Artikel &qut;Der deutsche
Wald" (Lehmann 2002) zeigt, wurde der Tradition der romantischen Verklärung der
"Waldeinsamkeit" folgend vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine
spezifische Waldsymbolik etabliert und durch Germanisten und Mythenforscher einer
breiten Bevölkerungsschicht vermittelt, der gemäß der Wald als etwas Unheimliches und
Furchterregendes, aber auch als Stätte tieferer mythisch-religiöser Erfahrungen geschildert
wurde. Damit sollte ein vorchristliches kollektives Gedächtnis rekonstruiert werden, auf
das schon Tacitus in seiner Germania hingedeutet hat, insofern er von dem Glauben der
germanischen Stämme an ihren eigenen Ursprung aus dem Dunkel der Wälder berichtete.
Der Germanist Eugen Mogk urteilte 1918 entsprechend: "Wir erfahren von Tacitus, mit
welch heiliger Scheu die Germanen ihre Wälder betraten. Noch heute wirkt die Stille oder das
Rauschen der Bäume tief auf das Gefühl unseres Volkes ein." (Zit. nach ebd. S. 189)
In diesen Äußerungen spiegelt sich bereits die Instrumentalisierung der kollektiven
Waldutopie durch den aufkommenden Nationalismus wider. So leitete Riehl, dessen in vielen
Auflagen erschienene Schriften einen nicht unerheblichen Einfluss auf die
Volksschullehrerschaft hatten, in seinem populären Buch "Land und Leute" aus dem
Jahr 1854 den Nationalcharakter einzelner europäischer Völker aus der Typik der
Bodenbeschaffenheiten ihrer Landschaften ab und stellte der wilden, unberührten Natur des
Waldes das gezähmte, sorgfältig von Menschen gehegte Feld gegenüber. Überall dort, wo die
Waldwildnis bereits früh in agrarisch genutztes Kulturland umgewandelt worden war, also in
Italien, Frankreich oder England, habe eine Gesellschaft ihre historische Zukunft verspielt.
In den Wäldern - "Trümmern germanischer Waldfreiheit", wie es bei Riehl heißt -,
ruhe nicht nur ihre Vergangenheit, dort liege auch die zähe "Verjüngungskraft" ihrer
Zukunft verborgen (nach ebd. S. 190).
Fast nahtlos konnte diese nationalistische Idee, den Wald als exklusiv deutsches
Kulturgut zu interpretieren, vom Nationalsozialismus und seinen Gefolgsleuten weiterentwickelt
werden zur Vorstellung, aus den Urwäldern Deutschlands sei gesundes, verwurzeltes Volkstum
entstanden, wohingegen der entwaldete Boden Frankreichs einer entwurzelten und dekadenten
Kultur Vorschub geleistet habe, nachzulesen in dem programmatischen Buch "Der Wald als
Erzieher. Eine volkswirtschaftliche Parallele zwischen Baum und Menschen und zwischen Wald
und Volk" von Franz von Mammen, erschienen 1934. Filmdichtungen wie "Ewiger Wald",
in dem der Wald zum Vorbild für ein tausendjähriges Reich wurde, oder Vorträge zum Thema
"Ewiger Wald - ewiges Volk", gehalten von Hermann Göring als Reichsforstmeister
vor Forstleuten, sprechen eine deutliche Sprache.
Nach dem 2. Weltkrieg rückte der Wald vorrangig aus existenziellen Gründen in den Brennpunkt
des Bewusstseins der Nachkriegsgeneration. Ihm kam nämlich eine entschieden wirtschaftliche
Bedeutung für die Lebenssicherung der Familien zu, insofern er wichtige Nahrungsgrundlagen
bot und überlebensnotwendiges Heizmaterial bereitstellte. In den harten Wintern von 1945 bis
1947 fielen ganze Revierbereiche dem "wilden Holzeinschlag" zum Opfer.
Angesichts der Waldschäden der Nachkriegsjahre wurde 1947 die "Schutzgemeinschaft
Deutscher Wald" gegründet, die ein qualifiziertes Programm zur Pflege des Waldes als
eines schützenswerten Erholungsraumes für die Bevölkerung und als ökologische Ressource
entwickelte. Später wurde der Beruf des Försters zum Traumberuf der Jungen, was sich
beispielsweise in Heimatfilmen wie der "Förster vom Silberwald" widerspiegelt.
Auch erreichte der Film "Bambi" von Walt Disney aus dem Jahre 1942 das deutsche
Kino und kann wohl als ein kulturelles Schlüsselereignis für die Nachkriegsgesellschaft
gesehen werden, wobei gerade dieser Film zu den wesentlichen Erinnerungsmedien der
Waldliebe zu zählen ist. Der Generation der Nachkriegskinder ist so trotz allen Entbehrungen
eine gemeinsam in der Familie erlebte Natur als positive Erinnerung geblieben und bis in die
Gegenwart entwickelte sich bei ihr ein besonders enges Verhältnis zur Natur und zum Wald
(ebd., S. 194).
Zusammenfassend stellt Albrecht Lehmann fest: Wie Meer und Hochgebirge zählt der Wald zu den
privilegierten und symbolisch aufgeladenen Landschaftsausschnitten. Vor allem aufgrund des
Missbrauchs ist das Symbol "Wald" als politisches Symbol zu Recht verdächtig
geworden. Seine ästhetische Wertung hat es allerdings erhalten können. Jedoch lässt sich eine
allmähliche Trendwende erkennen, die den Wald zunehmend aus dem kollektiven Gedächtnis
auszuscheiden scheint. Dies lässt sich beispielsweise daran ablesen, dass heute Jogging und
Nordic Walking die vorherrschenden Trendsportarten sind, während kaum noch jemand diese
sportlichen Tätigkeiten mit Spaziergängen in der Waldeinsamkeit oder mit dem 1908 von
Carl Diehm als Sportart eingeführten Waldlauf in Verbindung bringen würde. Waldgänge,
Waldläufe und Waldeinsamkeit sind Tätigkeiten und Themen der Nachkriegsgeneration,
nicht unbedingt Themen der heutigen Mediengeneration.
Die Konstitution des Themas "Wald" und die Erweiterung der naturkundlichen
Perspektive um die Frage nach der Bedeutung des Waldes steht also zum einen im Kontext der
Entwicklung der "Schutzgemeinschaft Deutscher Wald", welche den Aspekt des
Naturschutzes und der Naturpflege mit dem Unterrichtsgegenstand "Wald" verknüpft hat.
Zum anderen erfährt der "Wald" als Unterrichtsgegenstand nun auch in seinen
amtlichen Verlautbarungen eine natursymbolische Überhöhung, welche ihn zum präferierten Ort
der Naturbegegnung und der Erfahrung des Naturschönen werden lässt.
Nimmt man die Unterschiedlichkeit des kulturellen Feldes zum Ausgangspunkt, so ergeben
sich interessante Vergleichskriterien, welche die kulturelle Konstitution von
Unterrichtsgegenständen belegen. An der Konstitution des Themas "Wald" kann
abgelesen werden, dass die Behandlung der Bedeutung des Waldes als Sinneinheit
(mit den Komponenten Erholung, Naturerfahrung, Erleben des Naturschönen u.a.) vorrangig im
Kontext derjenigen Regionen des kulturellen Gedächtnisses angesiedelt ist, welche den Wald
als Erinnerungsort auf einer symbolischen Ebene stilisieren, wohingegen diese kulturelle
Ausformung Ländern eher fremd ist, welche wie beispielsweise Frankreich oder England mehr
die ökonomisch-agrarische Komponente der Forstwirtschaft hervorheben bzw. die
naturwissenschaftlich-biologische Sichtweise präferieren.
Entsprechend sehen die "schemes of work" des national curriculum
(Departement for education and skills) die Behandlung des Holzes als Material und
Ressource vor. Im 4. Schuljahr wiederum wird der Wald (wood) als typischer Lebensraum
(identify different types of habitat) behandelt. Der Gegenstand forest wiederum findet
sich erst auf der key stage Ebene 3 im Zusammenhang mit Photosynthese
(der Wald als Sauerstofflieferant), aber auch bei der Behandlung von Naturkatastrophen
(Waldbrand und Hurrikane). Unter der Unit 9C (Year 9): Plants and photosynthesis finden sich
folgende Lernmöglichkeiten:
Pupils could:
visit botanical gardens
or local garden centres to explore the diversity of plant groups and habitats
read about forest clearances and the consequent loss of biodiversity
watch television programmes about plant life and gardening.
Interessanterweise bildet der Wald also (im Gegensatz zu den
bayerischen Lehrplänen) nur das Motiv für Literaturrecherche, wohingegen die originären
Erfahrungen im botanischen Garten oder lokalen Gartenzentren ermöglicht werden. Dies
entspricht der traditionell angelsächsischen Sichtweise der Natur, welche die
Landschaftsarchitektur der unzivilisierten Wildnis vorzieht. Die Ergänzung durch TV-Programme
muss hier unkommentiert bleiben.
Das französische "Programmes d'enseignement de l'école primaire" (Ministère
de l'éducation nationale) verortet den Wald bereits in die école maternelle,
allerdings nicht in den sach- und naturkundlichen Themenkomplex, vielmehr in den Bereich
activités physiques, in dem die Kinder lernen müssen, sich in einer
fremden Umgebung zu orientieren und zurechtzufinden. Diese Orientierungsaufgabe im Wald
(bois, forêt) findet sich auch in den cycles 2 und 3 bzw. im Primarunterricht,
was wohl auf das traditionelle Beispiel der Lektion im Wald von Montmorency aus Rousseaus
Emile zurückzuführen ist (Rousseau 1995, S. 175-177), jedenfalls andeutet, dass es darauf
ankommt, aus dem Wald herauszufinden und nicht die "heiligen Stätten" einer
vorchristlich-heidnischen Naturmystik zu erleben.
Insgesamt beruht die Sichtweise des Waldes als Erfahrungsraum auf der Wahrnehmung einer
größeren, verbundenen Gestalt, welche den Blick zuerst auf das Ganze der Lebensgemeinschaft
lenkt statt auf die Einzelelemente Tiere und Pflanzen, so dass das Kollektiv gegenüber dem
Individuum eine Aufwertung erfährt und ein anderes Identitätskonzept offenkundig wird, das
sich mehr an der Gemeinschaft als am Einzelnen orientiert. "Too much wood" meinte
dementsprechend nach dem 2. Weltkrieg ablehnend ein englischer Pädagogikoffizier als er nach
dem Bildungswert der Märchen der Brüder Grimm gefragt wurde, die nach dieser Wertung mit
ihrer Präferenz für eine mehr mythisch-kollektive Gemütsverfassung bei der fälligen
Umerziehung der Deutschen zu Demokraten als untauglich eingestuft wurden (Lehmann 2001, S. 199).
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Zusammenfassende Interpretation
Es ließen sich mehrere Argumentationsstränge aus diesen
kulturwissenschaftlichen Analysen entwickeln, von denen abschließend die meines
Erachtens wesentlichsten aufgezeigt werden sollen:
1. Wissenserwerb und Wissensbildung im kulturellen Kontext
Der Blick auf gesellschaftlich-kulturelle Entstehungskontexte
macht die Konstitution von Unterrichtsgegenständen verständlich, darüber hinaus kann aber
auch die Wirkung dieser Vergegenständlichung von Erfahrungen im schulischen Kontext auf die
Formierung der kindlichen Weltsicht untersucht werden (vgl. auch Scholz 2004). Deswegen müsste
stärker als bisher dieser kulturelle Rahmen und die Bedeutung des kulturellen Lernens
(Tomasello 2002; Nießeler 2004) bei der Beschreibung, Interpretation und Theorie des
kindlichen Wissenserwerbs berücksichtigt werden, Wissensaneignung also nicht nur als mehr
oder weniger selbstgesteuerte Tätigkeit, sondern als Prozess der Erkenntnis-, Erinnerungs-
und Wissensbildung im und durch das vorhandene kulturelle Feld erforscht werden.
Die nativistische Vorstellung sich frei entwickelnder Wissensdomänen, welche eine
leitende entwicklungspsychologische Vorstellung der Theorie des Wissenserwerbs im
Sachunterricht bildet (Hasselhorn & Mähler 1998, Sodian 1998), orientiert sich dem
gegenüber im Grunde an Kants Annahme einer ontologischen Kategorientafel und an
Vorstellungen der evolutionären Erkenntnistheorie, der gemäß die Welt in einer grundsätzlichen
Weise von vornherein (a priori) geordnet wird bzw. die menschliche Weltsicht durch
angeborene und unveränderliche Wahrnehmungs- und Erkenntnismuster geprägt ist. Die
Fortführung und Radikalisierung dieser Erkenntnistheorie durch Cassirers Kulturphilosophie,
Piagets strukturgenetischen Ansatz und durch die Berücksichtigung einer prozessualen Logik
im kulturellen Wandel zeigt jedoch, dass die Kategorientafel selbst als kulturell-geschichtlich
bedingt angesehen werden muss und damit symbolisch-medial variabel ist (Dux 2000). Diese
Medialität deutet auf eine sowohl kulturelle als auch geschichtliche Kontextgebundenheit
der individuellen Weltsicht hin, so dass eine auf eine abgeschlossene und eindeutige
Gegenstandskonstitution abzielende Lern- und Unterrichtstheorie den Prozess des Lernens aus
diesem kulturellen Bildungsprozess herauslösen würde.
2. Bildung und Erinnerung
Die Analyse des kulturellen Rahmens der schulischen
Inszenierung von Lern-, Erfahrungs- und Bildungsprozessen belegt, dass diese Sinnprovinz
teil hat an gesellschaftlich-kulturellen Tendenzen und deren bedeutungsprägenden Ausrichtungen
folgt, insofern die individuelle Erinnerungs- und Wissensbildung in der Schule eingebettet ist
in das Medium des kollektiven Gedächtnisses. Hier könnte weitergehende Forschungsarbeit
thematisieren, inwiefern individuelle Gedächtnisleistungen und die erinnernde Reproduktion
des in der Schule angeeigneten Wissens in einem Zusammenhang mit vorhandenen Formen des
kollektiven Gedächtnisses stehen, seien es größere Kontexte, wie diese in der Theorie der
Erinnerungsorte beschrieben werden, die gleichsam eine Folie für die Bildung kultureller
Identitäten bilden (im Sinne der lieux de mémoire von Pierre Nora), seien es
regionale Kontexte, die sich beispielsweise durch das kollektive Gedächtnis einer jeweiligen
Schule bilden. Entsprechend den Analysen von Halbwachs, der sich eindringlich dem
Familiengedächtnis gewidmet hat, könnte man ein Schulgedächtnis untersuchen, das sich
regional gebunden formiert und gestützt wird durch ein Lehrerkollegium wie durch Familien mit
mehreren Kindern. Beispielsweise würde sich ein solches kollektives Schulgedächtnis dadurch
ausbilden, dass Geschwisterkinder den Unterricht bei derselben Lehrerin oder demselben Lehrer
besuchen, die vielleicht sogar schon Klassenlehrerin bzw. Klassenlehrer der eigenen Eltern war.
Aus dieser Perspektive würde sich hier die lebensweltliche Relevanz schulischer
Bildungsprozesse zeigen, welche mit zur Ausbildung kollektiver Gedächtnisformen beitragen.
3. Schulkultur und Lebenswelt
Durch die Einsicht in die (kulturelle) Bedingtheit der
Konstitution von Unterrichtsgegenständen wird das Bewusstsein für die Perspektivität von
Bildungsprozessen geschärft und es wird deutlich, dass jede Inszenierung von Lernprozessen
notgedrungen andere Aspekte der Wirklichkeit ausblenden muss. Wirklichkeit kann also durch
Bildung und Lernen nie ausgedeutet, höchstens angedeutet werden. So besteht die Tendenz,
dass die unterrichtliche Gegenstandskonstitution eine Wirklichkeit zweiter Ordnung
hervorbringt, eine schulische Welt für sich, die in der Vergangenheit vielleicht durchaus
sinnvoll konstituiert gewesen war, in der gegenwärtigen Situation jedoch nur noch als
geschlossener Sinnbezirk innerhalb der Lebenswelt fortbesteht mit ihren eigenen Regeln und
Ritualen und mit hermetischen Vorstellungswelten, ohne jedoch mit den anderen Sinnprovinzen
in Fühlung zu kommen.8 Die tendenzielle Lebens- und Alltagsferne der Schule
resultiert mit aus der Institutionalisierung von Lern- und Aneignungsprozessen, die
notwendigerweise den aktuellen Entwicklungen hinterherhinken, außer man plädiert für ein
radikal situationsbezogenes und offenes Curriculum, das sich aber bisher in der
Alltagswirklichkeit von Bildungseinrichtungen nicht etablieren konnte.
Andererseits konnten die kulturwissenschaftlichen Analysen belegen, dass kulturelle
Bedeutungs- und Sinnschichten durch die interpretierend-entwickelnde pädagogische Arbeit
in die Schulwirklichkeit transformiert werden, was allerdings entwicklungsoffene Curricula
voraussetzt, die nicht als perfekte Endprodukte oder abgeschlossene (standardisierte)
Lernprogramme definiert werden. Für die Dynamik dieses Prozesses ist gerade eine intensive
dialogische Auseinandersetzung auf inhaltlicher Ebene notwendig, durch die erst die
Gegenstandskonstitution hervorgebracht wird, wohingegen methodische Fragen bereits eine
abgeschlossene Konstituierung voraussetzen. Hier eröffnet ein hermeneutisch-pragmatischer
Zugang (vgl. Flitner 1989) einen Lebensweltbezug, der nicht allein durch die vordergründige
Orientierung an den Notwendigkeiten der Praxis gewährleistet ist. Damit ist zumindest
angedeutet, dass Pädagogik und Didaktik nicht voneinander getrennt werden können,
soll nicht eine Schulwirklichkeit als geschlossene Teilrealität entstehen, die sich durch
ihre hermetische Selbstreferenz auszeichnet. Erstaunlicherweise spricht also gerade die
Forderung nach einer lebensweltorientierten und lebensnahen Schulkultur für die nach wie vor
bestehende Notwendigkeit einer konzeptionell-theoretischen Sachunterrichtsforschung.
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Anmerkungen
Die Falsifikation dieser These würde als Konsequenz haben,
dass es verschiedene institutionell bedingte Modifikationen der Erkenntnis gibt, da sich
das Sinngebiet von schulischer Bildung und Unterricht so unüberbrückbar von anderen
lebensweltlichen und wissenschaftlichen Sinngebieten abgrenzt, dass ein Wechsel zwischen
diesen verschiedenen Systemen nur durch jenen erstaunlichen Sprung möglich wäre, den
Alfred Schütz zur Charakteristik der notwendigerweise diskontinuierlichen Übergänge zwischen
geschlossenen Sinngebieten ins Feld geführt hat (Schütz & Luckmann 1994, S. 229 ff.).
Konsequenter wäre also die Verwendung solcher
Baukastensysteme gewesen, welche ja in der damaligen Zeit als Spielzeug problemlos
verfügbar waren. So erfreuten sich etwa der Matador-Holzkonstruktionsbaukasten von
Johannes Korbuly oder der Anker-Steinbaukasten von Friedrich Adolf Richter großer
Beliebtheit und konnten aufgrund ihrer versierten technischen Gestaltung auch zur
Konstruktion größerer Gebäude eingesetzt werden.
Hier wäre auch eine raumbezogene Lesart möglich,
insofern die Polarisierung von Stadt und Land, Metropole und Dorf die heimatkundliche
Konstitution prägt (vgl. Oelkers 1993).
Bei der folgenden Darstellung orientiere ich mich an dem
entsprechenden Artikel von Heinz-Gerhard Haupt, beschränke mich jedoch nur auf wesentliche
Eckpunkte. Zur vertiefenden Sichtung sei auf die zugrunde gelegte Basisliteratur
verwiesen (Haupt 2001). Dieser Ansatz steht in der international renommierten
Tradition einer sozialanthropologischen Gedächtnisforschung, die von Maurice Halbwachs
über Reinhart Koselleck, Jan und Aleida Assmann, Henry Rousso bis zu Paul Ricoeur und
Pierre Nora reicht.
John Dewey: Die Schule und der soziale Forschritt. In: Reble 1963, S. 60.
Pawel P. Blonskij: Die Arbeitsschule. In: Reble 1963, S. 149.
Wobei erwähnt werden muss, dass auch Marx und Engels mehr das Modell der Hausarbeit
präferierten und dieses geradezu sinnbildlich als Erfüllungsform des menschlichen
(nicht entfremdeten) Daseins ansahen, womit sie dem Rousseauschen Modell ebenso folgten
wie dessen Verherrlichung des mit Fischfang und anderen urtümlichen Tätigkeiten beschäftigten
Robinson Crusoe. Demnach ist die Zukunft der kommunistischen Gesellschaft,
"wo Jeder nicht einen ausschließlichen Kreis der Tätigkeit hat, sondern sich in
jedem beliebigen Zweige ausbilden kann, die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt
und mir eben dadurch möglich macht, heut dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen,
nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren,
wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden" (Marx & Engels 1969, S. 33).
Aufgrund der regionalen Einschränkung hat die vorliegende
Auswertung nur exemplarischen Charakter und könnte ausgeweitet werden durch die Analyse der
Lehrplanentwicklung weiterer Bundesländer. Eine um diese Aspekte erweiterte Studie,
die auch weitere didaktische Medien (Schulbücher, Schulwandbilder,
) einbezieht,
könnte also sinnvoll werden, um die These, die hier in die Diskussion geführt werden soll,
zu explizieren. Siehe auch Blaseio 2004.
Vgl. dazu für die Konstitution einer eigenen sprachlichen
Schulrealität im Anfangsunterricht durch das so genannt Fibeldeutsch Rumpf 1976,
allgemein auch Rumpf 1987, bezogen auf den Sachunterricht Rauterberg & Scholz 2004.
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Literatur
Amtliche Verlautbarungen
National:
- Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.
Bekanntmachung über den Lehrplan für die Grundschule. Vom 1. April 1971 Nr. III A - 4/41 020:
Lehrplan für die Grundschule (1. - 4. Jahrgangsstufe)
- Bildungsplan für die bayerischen Volksschulen. Wallenburg - Stiftung
Kempfenhausen. Gesamtherstellung Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn, Obb. 1950
- Erziehung und Unterricht in den bayerischen Volksschulen. Zentralverlag der NSDAP, Frz. Eher Nachf.. G.m.b.H., München 1940
- Kommentar zu den Richtlinien für die bayerischen Volksschulen Unterstufe - 1966. Teil 1 (1. mit 4. Schülerjahrgang)
von Anton Kurzka und Dr. J.B. Winkler. Carl Link Verlag. Kronach
- Lehrordnung für die bayerischen Volksschulen. In: Amtsblatt des
Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Nr. 16, LX/1926
- Lehrplan für die bayerischen Grundschulen. Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und
Kultus vom 22. Mai 1981 Nr. III A 4 - 4/45 800 (KMB1 I Sonder-Nr. 20/1981)
- Lehrplan für die Grundschulen in Bayern (Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und
Kultus vom 9. August 2000 Nr. IV/1-S7410/1-4/84 000)
- Neufassung des Lehrplans für die Grundschule. In: Amtsblatt des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht
und Kultus. Sondernummer 12. Ausgegeben in München am 9. September 1976
- Richtlinien zur Aufstellung von Lehrplänen für die Grundschule. In: Zentralblatt für die gesamte
Unterrichts-Verwaltung in Preußen. Nr. 63/1921
International:
- Departement for education and skills: The standards site (www.standards.dfes.gov.uk).
- Ministère de l'éducation nationale, de l'enseignement supérieur et de
la recherche: Programmes d'enseignement de l'école primaire (www.education.gouv.fr/bo/2002/hs1)
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