Ausgabe Nr. 8/März 2007

ISSN 1612-3034



Sehr geehrte Sachunterrichtlerinnen und Sachunterrichtler,

wie gewohnt, leitet eine kurze Vorstellung der Beiträge die neue Ausgabe von widerstreit-sachunterricht ein, im Anschluss finden Sie die Inhaltsübersicht mit den Verweisen auf die Standorte der einzelnen Beiträge "im Netz".
In der letzten Ausgabe haben wir drei Positionierungen zur "Disziplin Sachunterricht" publiziert. Im Vorfeld der GDSU-Jahrestagung kommt in dieser Ausgabe eine weitere und erweiterte Positionierung hinzu. Marcus Rauterberg bezieht sich darin zunächst auf die Positionen von Walter Köhnlein und Hans-Joachim Fischer und skizziert daran anschließend eine "Sachwissenschaft", die sich konzeptionell wie empirisch mit der Gegenstandsfrage des Sachunterrichts befasst. Dieser Beitrag ist Grundlage seines Kurzreferats im Forum "Disziplin Sachunterricht" auf der GDSU-Tagung in Kassel.
Mit Egbert Daum und Roland Lauterbach gehen gegenwärtig zwei Professoren des Sachunterrichts in den Ruhestand. Zum Abschluss ihrer universitären Lehr- und Forschungstätigkeit haben sich Mitglieder des Beirats von widerstreit-sachunterricht und zwei Doktorandinnen mit ihnen zu einem Gespräch getroffen, das in dieser Ausgabe in redaktionell bearbeiteter Fassung enthalten ist: Rückblicke auf die Berufsbiographien im Fach, dessen gegenwärtige Situation und ein Ausblick auf das zukünftige Verhältnis zum Sachunterricht sind dabei die Schwerpunkte.
Den Unterricht, als eine der "Didaktische Prioritäten des Sachunterrichts", beschreibt Sandra Tänzer aus einer fachdidaktischen Perspektive in ihrem gleichnamigen Beitrag. Sie betrachtet den institutionalisierten Vermittlungsprozess zwischen Kind und Sache.
Hartmut Giest stellt in seinem Beitrag "Kulturhistorische Theorie/Tätigkeitsansatz und Sachunterricht" zunächst Grundaussagen der kultur-historischen Theorie dar und bezieht diese dann auf den Sachunterricht.
Inwieweit konstruktivistische Erkenntnis- und Lerntheorien Einzug in die Fachdidaktik und den schulischen Sachunterricht gehalten haben, beleuchtet ein Blick auf das Verhältnis von Konstruktivismus und Sachunterricht von Marcus Rauterberg.
Die Internationalisierung geht auch am Sachunterricht nicht vorbei, wie die AG "Frühe Bildung" der GDSU zeigt (vgl. Fischer in GDSU-Info 35, S. 10ff.). Der internationale Blick soll durch eine Tagung in Frankfurt vom 1.10.07 bis 3.10.07 verstärkt werden. Einladung und Programm finden Sie in der Ausgabe.
Die Reihen von widerstreit-sachunterricht "Fragen" und "Archäologie" werden auch in dieser Ausgabe weiter geführt. Allerdings: Auf die Frage, in welchem Fach die Nationalhymne thematisiert werden sollte, sind nur wenige Antworten eingegangen, und es gibt nur eine Kommentierung von Astrid Kaiser zu Barbara Schaeffers Text "Zur Definition des sozialen Lernens".
Die Idee zur 6. Frage von widerstreit-sachunterricht, deren Antworten in Ausgabe 9 im Oktober erscheinen werden, wurde von Seiten des Kollegen Wolf Engelhardt aus Indien an uns heran getragen. Aus Engelhardts Idee ist im Beirat folgende Frage entstanden:
"Die ungefächerte Anlage des Sachunterrichts wird u.a. durch eine Vorstellung kindlicher Wahrnehmung als ungefächert begründet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Warum wird dieses Prinzip auf den Sachunterricht begrenzt und gilt nicht ebenso für die anderen Fächer der Grundschule, wie Deutsch und Mathematik, in denen die gleichen Kinder unterrichtet werden?" Antworten bitte bis zum 31.08.2007 an pech@uni-lueneburg.de
Auf der Ebene III, der Ebene externer Diskurse, finden Sie in dieser Ausgabe fünf Beiträge, die sich nicht explizit auf den Sachunterricht beziehen, deren Thematiken jedoch nach unserer Auffassung für die Fachdidaktik relevant sind.
Auf Wunsch eines Kollegen haben Joachim Kahlert und Paul Helbig bereits publizierte Beiträge zum im Sachunterricht in Vergangenheit und Gegenwart immer wieder thematisierten "ganzheitlichen Lernen" für die erneute Publikation zur Verfügung gestellt. Beide positionieren sich dezidiert kritisch gegenüber diesem Ansatz. Unabhängig von den Reprints greift der Beitrag von Jürgen Hasse zur Ästhetischen Bildung diese Position wiederum kritisch auf.
Heike de Boer hat über Jahre teilnehmend den Klassenrat einer Grundschule in Frankfurt beobachtet. Was zunächst wie ein schulisches Ritual aussah, "entpuppte" sich zunehmend als soziale Situation, in der die Peers eine relevante Rolle spielen. Für den sachunterrichtlichen Ansatz des sozialen Lernens können de Boers Forschungsergebnisse Konsequenzen haben.
Das Verbot von Kinderarbeit nicht nur in den westlichen Ländern wird in der Regel als Errungenschaft angesehen. Manfred Liebel stellt diese Einschätzung in Frage und zeigt Begründungen für eine Aufhebung dieses Verbots auch in Deutschland auf. Das könnte eine Reihe von Konsequenzen für das Kindbild der Didaktik haben, insbesondere aber für ein "Ökonomisches Lernen" innerhalb des Sachunterrichts.

In eigener Sache
Zu Beginn des Jahres 2007 konnte www.widerstreit-sachunterricht.de ein kleines Jubiläum feiern (dessen Feier in realiter indes noch aussteht): 20.000 BesucherInnen zählt die Seite seit ihrem "online-Gang" im Januar 2003. Über 250 BesucherInnen haben die Seite im letzten Jahr durchschnittlich pro Woche "angeklickt", 2003 waren es etwa 20. Auch die Entwicklung der beihefte lässt sich positiv deuten: Die gedruckten Exemplare des im Oktober 2006 erschienenen 3. beihefts sind bereits vergriffen. Online ist es weiterhin kostenfrei als pdf-Datei verfügbar. Für den Sommer 2007 ist ein beiheft geplant, das sich u.a. ausgehend von den Überlegungen Joachim Kahlerts mit dem Ansatz einer "Sachunterrichtsdidaktischen Entwicklungsforschung" auseinandersetzt.
Wir richten unseren Dank an alle, die widerstreit als ein Diskursforum des Sachunterrichts unterstützten und es weiterhin tun.
Last but not least gratulieren wir unserem Beiratsmitglied Simone Seitz sehr herzlich zur Geburt Ihrer Tochter!
Der Beirat von widerstreit-sachunterricht wünscht eine anregende Lektüre. Die nächste Ausgabe von widerstreit wird im Oktober 2007 erscheinen, Redaktionsschluss ist der 1. September 2007.


Marcus Rauterberg



Inhaltsübersicht:

Ebene I - Diskurs zum Sachunterricht

 
Superworte - Prägende Begriffe der Fachdidaktik

Lehr-/Lernforschung
 
Sandra Tänzer:
Didaktische Prioritäten des Sachunterrichts


Hartmut Giest:
Kulturhistorische Theorie/Tätigkeitsansatz und Sachunterricht


 
Zum Sach-/Fach und Wissenschaftsverständnis
 
Marcus Rauterberg:
Sachunterricht und Konstruktivismus: Analyse eines Verhältnisses


Detlef Pech (Redaktion):
widerstreit-gespräch 1 mit Egbert Daum und Roland Lauterbach: Autobiografische Perspektiven auf den Sachunterricht des Heute, Gestern und hoffentlich auch des Morgen


Marcus Rauterberg:
Disziplin Sachunterricht in Wissenschaft und Hochschule: Überlegungen zu einer Sachwissenschaft


 

Foren - Orte des fachdidaktischen Diskurses

 
Tagungen
 
Internationale Tagung zum Austausch über Konzeptionen des Sachunterrichts in europäischen Ländern vom 1.10. bis 3.10.07 in Frankfurt am Main

 
Serie: Fragen & Antworten
 
Reaktionen auf die Frage 5:
In welchem Fach (Deutsch, Sachunterricht, Musik, Sport, …) sollte das "Deutschlandlied" behandelt werden und warum dort?


Frage 6, deren Antworten in der Ausgabe Nr. 9 von widerstreit veröffentlicht werden:
Die ungefächerte Anlage des Sachunterrichts wird u.a. durch eine Vorstellung kindlicher Wahrnehmung als ungefächert begründet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Warum wird dieses Prinzip auf den Sachunterricht begrenzt und gilt nicht ebenso für andere Fächer der Grundschule, wie Deutsch und Mathematik, in denen die gleichen Kinder unterrichtet werden?
 

Ebene II - Raum zum Widerstreit der Positionen

 
Serie: Archäologie des Sachunterrichts
 
Barbara Schaeffer:
Zur Definition des Sozialen Lernens


Astrid Kaiser:
Barbara Schaeffers Klassiker

 

Ebene III - Bezugsdiskurse jenseits des Sachunterrichts

 
Heike de Boer:
Lernen im Spannungsfeld von schulischer Ordnung und Gleichaltrigenkultur


Manfred Liebel:
Kinderarbeit auf Kosten der Kindheit - oder Wege zu anderer Kindheit?


Joachim Kahlert:
Ganzheitlich Lernen mit allen Sinnen? Plädoyer für einen Abschied von unergiebigen Begriffen


Paul Helbig:
Lernen ist mehr als sinnliche Erfahrung. Zu den Grenzen einer sensualistischen Grundschuldidaktik


Jürgen Hasse:
Ästhetische Bildung - Eine doppelte Perspektive ganzheitlichen Lernens
 
   
   
   
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