Ausgabe Nr. 4/ März 2005
ISSN 1612-3034
Vorwort des Herausgebers
Sehr geehrte Sachunterrichtlerinnen und Sachunterrichtler,
www.widerstreit-sachunterricht.de geht in das 3. Jahr. Das freut uns, den wissenschaftlichen
Beirat und die Redaktion - insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Besucherzahlen auf der
Seite stetig ansteigen. Als Optimisten sehen wir darin, dass das Angebot von
widerstreit-sachunterricht Ihr Interesse findet.
Die 4. Ausgabe von widerstreit-sachunterricht zeigt in besonderer Weise kontroverse oder eben
widerstreitende Positionen im fachdidaktischen Diskurs des Sachunterrichts auf.
Walter Köhnlein bespricht die Beiträge des Bandes "Die Dinge haben Namen. Zum Verhältnis
von Sprache und Sache im Sachunterricht". Seine Kritik richtet sich u.a. an die starke
Akzentuierung des Sprachaspekts im Zusammenhang mit Sachunterricht, der die Phänomene und den
Umgang mit ihnen in den Hintergrund treten lasse.
Meike Wulfmeyer verbindet in Ihrem Beitrag vor dem Hintergrund der Klafkischen Bildungstheorie
den im Sachunterricht tradierten Ansatz der Handlungsorientierung mit dem ökonomischen Lernen.
Auch angesichts des politischen Aufrufs zum Konsum, den jüngsten Arbeitslosenzahlen, der
Diskussion um Spitzengehälter und der im aktuellen Armutsbericht dokumentierten zunehmenden
Verarmung von Kindern scheint es dringend geboten, dass sich die Didaktik des Sachunterrichts
dieses Themenbereichs annimmt.
Die diesjährige Tagung der Reihe "Sache(n) des Sachunterrichts" befasst sich mit
der Thematik "Das Kind im Sachunterricht". Die Referate von Andreas Lange,
Gerd E. Schäfer und Helene Schär werfen Blicke auf Kindheitsbilder außerhalb der
Sachunterrichtsdidaktik, deren Relevanz für den Sachunterricht auf der Tagung diskutiert
werden soll. Den genauen Ablauf der IX. Studienkonferenz verrät das Tagungsprogramm.
Mit der 4. Ausgabe beginnt www.widerstreit-sachunterricht.de zwei Serien: Wie in der letzten
Ausgabe angekündigt, stellt der Beirat von widerstreit-sachunterricht jeweils eine scheinbar
banale Frage zum Sachunterricht (Serie: "Fragen & Antworten") und einen Klassiker
des Sachunterrichts zur Debatte (Serie: "Archäologie des Sachunterrichts").
Für die vorliegende Ausgabe haben wir nach der Bedeutung einer 5 im Sachunterricht gefragt
und um Kommentierungen des Textes "Allgemeinbildung in der Grundschule und der
Bildungsauftrag des Sachunterrichts" von Wolfgang Klafki gebeten.
Die Frage nach der Bedeutung einer 5 für den Sachunterricht im Zeugnis hat zu ausgesprochen
widersprüchlichen Reaktionen geführt. Besonders hingewiesen werden soll an dieser Stelle auf
die Antworten der (Schul-)Kinder. Zunächst war eine Befragung von Kindern gar nicht geplant.
Die kindliche Perspektive zeigt aber auf, dass unabhängig von der Frage, ob im Sachunterricht
tatsächlich Fünfen gegeben werden, SchülerInnen diesen durchaus eine Bedeutung zuschreiben.
Für die zweite Serie "Archäologie des Sachunterrichts" hat Wolfgang Klafki
seinen Vortrag "Allgemeinbildung in der Grundschule und der Bildungsauftrag des
Sachunterrichts" aus dem Jahr 1992 zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Die Kommentierungen dieses Textes von Joachim Kahlert, Gerhard Löffler, Kerstin Michalik,
Detlef Pech und Ute Stoltenberg fallen unterschiedlich aus, eine Relevanz für den Sachunterricht
schreiben dem Text aber auch aus heutiger Sicht alle AutorInnen zu.
Joachim Kahlert grenzt den Sachunterricht von den Realienfächern der Sekundarstufen ab und
verweist auf die Aufgabe der Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, die gegenwärtigen Mess-
und Normierungstendenzen Grenzen setzt.
Gerhard Löffler widmet seinen Beitrag auch in historischer Perspektive insbesondere der
Definition von "Bildung" und "Sache", erstellt eine Verbindung beider und
bezieht sie auf den Sachunterricht.
Kerstin Michalik konstatiert, dass Wolfgang Klafkis Konzeption einer Allgemeinbildung durch
PISA etc. wieder in den Blick zumindest der Didaktik geraten ist. Sie zeigt auf, inwiefern
Konzeptionen des Sachunterrichts mit Klafkis Ansatz zu verbinden sind und stellt
in diesem Zusammenhang das innovative Potential des Philosophierens mit Kindern heraus.
Detlef Pech betont vor den Hintergrund des Textes von Wolfgang Klafki die Unumgänglichkeit
politischer Bildung im Sachunterricht: Gesellschaft und ihre Gestaltung hätten im Zentrum
eines sachunterrichtlichen Bildungsbegriffs zu stehen.
Ute Stoltenberg macht Bildung in der Folge des Vortrages von 1992 als Paradigma des
Sachunterrichts aus, das nachhaltig eine Verantwortung des Einzelnen erfordert, und sieht vor
diesem Hintergrund die gegenwärtige Diskussion um Bildungsstandards kritisch. Sie bezieht für
ihre Betrachtung die Erfahrungen mit Klafkis Text als Lektüre in universitären Seminaren ein.
Sowohl die Antworten auf die Frage nach der 5 als auch die Kommentierung
des Textes von Wolfgang Klafki müssen mit dieser Ausgabe nicht abgeschlossen sein, weitere
Reaktionen sind willkommen. Allen bisher an beiden Serien Beteiligten danken wir für ihre
Beiträge und hoffen, dass wir für die Serien auch zukünftig so viele und so kontroverse
Reaktionen erhalten.
Noch ein Hinweis in nicht nur eigener Sache: Im Sommer wird das zweite Beiheft von
www.widerstreit-sachunterricht.de erscheinen. Es dokumentiert eine Ringvorlesung an der
Universität Koblenz zum Thema "Zeit des Lernens". Es wird wiederum möglich sein,
das Beiheft auch in gedruckter Form zum Selbstkostenpreis zu erwerben.
Die Artikel im Einzelnen und ihre Orte bei widerstreit-sachunterricht zeigt die nachfolgende
Inhaltsübersicht. Ich wünsche eine anregende Lektüre der 4. Ausgabe und endlich einen Frühling
Marcus Rauterberg
Inhaltsübersicht:
Ebene I - Diskurs zum Sachunterricht |
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