Ausgabe Nr. 3/ Oktober 2004

ISSN 1612-3034



Vorwort des Herausgebers

Der Einzug des Herbstes ist nicht zu leugnen, die helle, wenn auch in diesem Jahr vielfach zu wenig sonnige, Jahreszeit beendet. Rückblickend auf das Sommerhalbjahr hat widerstreit-sachunterricht eine erfreuliche Entwicklung genommen:
Widerstreit wird, wie Joachim Kahlert im GDSU-Info Nr. 28 schreibt, zunehmend "für die fachliche Auseinandersetzung genutzt". Der Aspekt der Auseinandersetzung könnte noch stärker genutzt werden, in jedem Falle aber freuen sich Beirat und Redaktion über die ansteigenden Besucherzahlen auf der Seite und die (kritische) Resonanz.
Das Institut für Pädagogik der Elementar und Primarstufe an der Johann Wolfgang Goethe-Universität hat die Redaktion mit einem neuen Computerarbeitsplatz ausgestattet, was die Arbeit sehr erleichtert - vielen Dank.
Im Verfahren nicht ganz einfach, mit der sehr freundlichen Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter allerdings machbar, war die Archivierung von widerstreit-sachunterricht bei der Deutschen Bibliothek in Frankfurt. Damit sind alle Beiträge dort auch noch in 50 Jahren einsehbar, sofern sich dann noch jemand an dieses Forum erinnert.
Im Juli hat sich der wissenschaftliche Beirat von widerstreit-sachunterricht konstituiert. Neben organisatorischen und grundlegenden Überlegungen zum Selbstverständnis des Beirats sind auch Entscheidungen gefallen, die Inhalt und Struktur der Ausgaben von widerstreit-sachunterricht direkt betreffen, u.a.

  • Ab Ausgabe 4 wird eine Reihe aufgenommen, die jeweils einen zentralen Beitrag von verschiedenen Autorinnen und Autoren kommentieren lassen will.
  • Eine weitere Serie entwickelt Fragen zur Sachunterrichtsdidaktik, die bisher kaum beachtet worden sind, und sucht Antworten.
  • Mehr die technische Seite betreffend, sind auf Anregung des Beirats die einzelnen Artikel aus den Inhaltsangabe unter dem Link "Ausgaben" auf der Seite "per Klick" direkt zu erreichen. Damit wird neben dem bestehenden konzeptionellen Zugang zu den Beiträgen bei widerstreit, der Zeitschriftenzugang gestärkt.
  • In konventionellen Zeitschriften können umfängliche Beiträge nicht unterkommen. Ohne konventionell sein zu wollen, hat der Beirat vor diesem Hintergrund überlegt, wie mit langen Beiträgen umgegangen werden kann. Angesichts der Archivierungsmöglichkeit bei der DDB und von Anfragen, umfassendere Beiträge bzw. Sammelbände von zusammenhängenden Beiträgen zu veröffentlichen, hat sich der Beirat entschieden, spätestens ab dem nächsten Jahr ein Format "Beiheft" herauszugeben. Tagungsbeiträge, Ringvorlesungen, aber auch monographische Beiträge können hier publiziert werden. Dies kann auch eine Möglichkeit zur kostengünstigen Publikation von Dissertationen darstellen. Der Kostenaufwand für die Erstellung von Printexemplaren in geringer Anzahl muss noch mit einem Druckereibetrieb geklärt werden.
Widerstreit-Sachunterricht blickt auf ein erfreuliches Halbjahr zurück, und es bleibt zu hoffen, dass die angedeuteten Perspektiven sich positiv entwickeln.

Zu den Beiträgen

Rolf Siller sucht in seiner Abschiedsvorlesung "Die Spur des Anderen" und stellt retrospektiv Aspekte seines sachunterrichtlichen Berufslebens dar. Beirat und Redaktion wünschen einen schönen und nicht zu ruhigen Ruhestand.
Simone Seitz gratulieren wir zur Disputation. Ihr Beitrag "Wie fühlt sich die Zeit an? Ästhetische Zugangsweisen zum Phänomen Zeit" beleuchtet einen Aspekt ihrer Dissertation.
Markus Kübler untersucht die Darstellungsweisen der Gründung der Schweiz in Schulbüchern, Unterrichtsmaterial und Medien. Das Ergebnis ist schon überraschend. Insbesondere die an Kinder gerichteten Materialien widersprechen inhaltlich geschichtswissenschaftlichen Erkenntnissen.
Mediennutzung insbesondere im Sinne der sog. "Neuen Medien" wird für die Grundschule nun schon über 10 Jahre thematisiert. Die bloße Anwesenheit von Rechnern und Lernprogrammen greift, selbst wenn die Geräte funktionieren, zu kurz. Gerold Scholz betrachtet in seinem Beitrag den Nutzen des Computers für den Sachunterricht.
Mit Kindorientierung und Wissenschaftsorientierung thematisiert Lydia Murmann eine grundlegende didaktische Frage des Sachunterrichts. Sie exemplifiziert ihre Überlegungen im Sinne einer Vermittlung fachlicher Klärungen mit Ergebnissen der fachdidaktischen Lernforschung. Wie sich bildungswirksam an Licht und Schatten angenähert werden kann, zeigt ihr Beitrag "Phänomene erschließen kann Physiklernen bedeuten". Handlungsorientierte didaktische Umsetzungen werden dargestellt und lerntheoretisch begründet.
Mit der Geschichte und einem gegenwärtigen Verständnis von Handlungsorientierung befasst sich Astrid Kaiser und zeigt in der Vorstellung als Didaktikerin ihre Arbeitsschwerpunkte im Sachunterricht auf.
Zwei Besprechungen umfasst diese Ausgabe:
Detlef Pech setzt sich kritisch mit dem Band "Historischen Lernen im Sachunterricht" von Dietmar von Reeken auseinander. Für die schulische Praxis des historischen Lernens sind in den letzten Jahren verschiedene neue Beiträge erschienen, theoretische Defizite bleiben.
Wolf Engelhardt arbeitet sich an vier Aspekten des Beitrages "Sache, Sprache und Bewußtsein - Ein theoretischer Blick auf den wissenschaftlichen Verfügungswahn in der Pädagogik und Didaktik" von Otfried Hoppe ab und bittet um ErKlärung.
Einen kurzen Rückblick auf die diesjährige und einen Ausblick auf die Studientagung in der Reihe "Sache(n) des Sachunterrichts" im nächsten Jahr formuliert Marcus Rauterberg.

Mit diesen Beiträgen enthält die dritte Ausgabe von widerstreit-sachunterricht eine wie ich finde gute Mischung von Beiträgen junger und etablierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Die nächste Ausgabe von widerstreit-sachunterricht erscheint Anfang März 2005. Redaktionsschluss für Beiträge ist der 1. Februar 2005.

Eine anregende Lektüre wünscht


Marcus Rauterberg

Inhaltsübersicht:

Ebene I - Diskurs zum Sachunterricht

 
DidaktikerInnen
 
DidaktikerInnen stellen sich vor:
Astrid Kaiser, Markus Kübler, Rolf Siller und Simone Seitz
 
Superworte- prägende Begriffe der Fachdidaktik
Medien im Sachunterricht
 
Prof. Dr. Gerold Scholz:
Computernutzung im Sachunterricht - am Beispiel "Wetter"

 
Naturwissenschaftlicher Sachunterricht
 
Lydia Murmann:
Phänomene erschlließen kann Physiklernen bedeuten.
Perspektiven einer wissenschaftlichen Sachunterrichtsdidaktik am Beispiel der Lernforschung zu Phänomenen der unbelebten Natur


 
Forschungen zum Sachunterricht
 
Marcus Kübler:
Hitorisches Lernen in der Grundschule zwischen nationaler Identitätsbildung und fachwissenschaftlicher Rationalität - ein schweizer Beispiel



 
Handlungsorientierung
 
Astrid Kaiser:
Handlungsorientierung - eine Begriffsdefinition für den Sachunterricht
 
Zum Sach- Fach- und Wissenschaftsverständnis
 
Rolf Siller:
"Die Spur des Anderen". Auf der Suche nach der Sache des Sachunterrichts.
 
Ästhetik
 
Simone Seitz:
Wie fühlt sich die Zeit an? Ästhetische Zugangsweisen zum Phänomen Zeit
 
Foren - Orte des fachdidaktischen Dikurses
Tagungen
 
Marcus Rauterberg:
Rückblick auf dei 8. Studienkonferenz in der Reihe "Sache(n) des Sachunterrichts" und ein erster Ausblick auf die kommende Jahrestagung 2005
 
Besprechungen  
Detlef Pech:
Ist gestern heute? Anmerkungen zu Dietmar von Reekens "Historisches Lernen im Sachunterricht. Eine Einführung mit Tipps für den Unterricht". Dimensionen des Sachunterrichts, Band 2, Baltmannsweiler Schneider 2004


Wolf Engelhardt:
Offener Brief an Prof. em. Dr. Otfried Hoppe, Universität Lüneburg zum Beitrag "Sache, Sprache und Bewusstsein - Ein theoretischer Blick auf den wissenschaftlcihen Verfügungswahn in der Pädagogik und Didaktik". In: Rauterberg, Marcus/Scholz, Gerold (Hrsg.) (2004): Die Dinge haben Namen. zum Verhältnis von sache und Sprache im Sachunterricht. Hohengehren, S. 69-88


 
   
   
   
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